Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Schwarzhalstaucher (Podiceps nigricollis)

Rote Liste Bayern: Stark gefährdet
Rote Liste Deutschland:
Erhaltungszustand Kontinental: In Bezug auf Status Brutvorkommen: ungünstig/unzureichend, in Bezug auf Status Wintervorkommen: günstig
Erhaltungszustand Alpin:

Verbreitung und Bestandssituation

Das Areal der Art weist Verbreitungsinseln in Süd-, West- und Mitteleuropa auf und erstreckt sich von Osteuropa bis Mittelasien.-- In Bayern brütet Podiceps n. nigricollis (Brehm 1881).

Der Schwarzhalstaucher hat fast in allen Landesteilen Bayerns lokale Vorkommen, welche jedoch meist weit voneinander entfernt liegen. Das Brutareal hat sich im Vergleich zum Kartierzeitraum 1996-99 verkleinert. Schwerpunkte liegen in den Weihergebieten Frankens (besonders im Mohrhofweihergebiet) und der Oberpfalz (besonders Rußweihergebiet, Schwandorf-Schwarzenfelder und Rötelseeweihergebiet) sowie in Südbayern am Chiemsee, im Ismaninger Teichgebiet und vermutlich auf kleineren Stillgewässern im Allgäu. Einzelvorkommen sind überall an geeigneten Gewässern zu erwarten. Eine Reihe ehemaliger Vorkommen wurden gegenüber der letzten Erfassung nicht mehr bestätigt. Diese Arealverluste konnten durch die wenigen Neuansiedlungen nicht ausgeglichen werden. Die Bestandsdynamik scheint lokal und regional sehr unterschiedlich und stark von lokalen Veränderungen (Wasserstand, Größe des Fischbestandes, Dynamik der Lachmöwenkolonien) abhängig zu sein.

Die aktuelle Bestandsschätzung liegt etwa im Bereich jener aus den Jahren 1996-99.

Brutbestand BY: 260-440 Brutpaare.

Das wichtigste Mausergebiet ist das Ismaninger Teichgebiet.

Maximum BY: 400-700 Ind. im Frühjahr.

Fundortkarte

Schwarzhalstaucher (Podiceps nigricollis)

Nachweise ab 1980



Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Fundorte als Tabelle anzeigen

Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1980

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
5832 Lichtenfels
5833 Burgkunstadt
5920 Alzenau i.UFr.
5927 Schweinfurt
5929 Haßfurt
5931 Ebensfeld
6028 Gerolzhofen
6029 Knetzgau
6031 Bamberg Nord
6135 Creußen
6137 Kemnath
6139 Falkenberg
6231 Adelsdorf
6232 Forchheim
6236 Eschenbach i.d.OPf.
6238 Parkstein
6330 Uehlfeld
6331 Röttenbach
6335 Auerbach i.d.OPf.
6337 Kaltenbrunn
6436 Sulzbach-Rosenberg Nord
6437 Hirschau
6527 Burgbernheim
6532 Nürnberg
6537 Amberg
6627 Rothenburg ob der Tauber
6629 Ansbach Nord
6638 Schwandorf
6639 Wackersdorf
6738 Burglengenfeld
6739 Bruck i.d.OPf.
6740 Neukirchen-Balbini
6741 Cham West
6742 Cham Ost
6829 Ornbau
6830 Gunzenhausen
6831 Spalt
6833 Hilpoltstein
6838 Regenstauf
6841 Roding
6928 Weiltingen
6931 Weißenburg i.Bay.
6939 Donaustauf
7046 Spiegelau
7231 Genderkingen
7331 Rain
7335 Geisenfeld
7341 Dingolfing Ost
7344 Pleinting
7428 Dillingen a.d.Donau West
7438 Landshut West
7626 Ulm-Südost (Neu-Ulm)
7637 Erding
7727 Buch
7731 Mering
7735 Oberschleißheim
7736 Ismaning
7829 Ettringen
7831 Egling a.d.Paar
7838 Albaching
7933 Weßling
7942 Tittmoning
8029 Kaufbeuren-Neugablonz
8031 Denklingen
8032 Dießen a.Ammersee
8033 Tutzing
8039 Bad Endorf
8040 Eggstätt
8041 Traunreut
8042 Waging a.See
8127 Bad Grönenbach
8129 Kaufbeuren
8132 Weilheim i.OB
8133 Seeshaupt
8134 Königsdorf
8137 Bruckmühl
8138 Rosenheim
8139 Stephanskirchen
8140 Prien a.Chiemsee
8141 Traunstein
8229 Marktoberdorf
8230 Lechbruck
8231 Peiting
8238 Neubeuern
8324 Wangen im Allgäu West
8328 Nesselwang West
8329 Nesselwang Ost
8330 Roßhaupten
8333 Murnau a.Staffelsee
8334 Kochel a.See
8424 Lindau (Bodensee)
8426 Oberstaufen
8430 Füssen
Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Lebensraum und Lebensweise

Schwarzhalstaucher brüten an Stillgewässern (Mindestgröße 2 ha) mit gut entwickelter Ufer- und Seichtwasservegetation und ausreichend offener Wasserfläche. In Nordbayern werden vor allem eutrophe Karpfenweiher oder Weihergruppen mit einer maximalen Wassertiefe von 1,5-2 m besiedelt, vereinzelt aber auch Altwässer und Klärteiche sowie ausnahmsweise Baggerseen. In Südbayern nutzt die Art sowohl Fischteichgebiete als auch Natur- und Stauseen, gelegentlich sogar Klärteiche. Die meisten regelmäßigen und größeren bayerischen Brutkolonien liegen innerhalb, am Rand oder in unmittelbarer Nähe von Lachmöwenkolonien. In der Regel besiedeln Schwarzhalstaucher Brutgewässer in kleineren oder größeren Brutansammlungen oder regelrechten Kolonien.

Phänologie

Sehr seltener Brutvogel, teilweise Jahresvogel, Durchzügler, Kurzstreckenzieher,.

Wanderungen: Die meisten Schwarzhalstaucher verlassen Bayern im Winter. Ankunft im Brutgebiet MRZ/APR(MAI), Wegzug ab JUL, Herbstdurchzug ab AUG/SEP. Die bayerischen Maxima liegen im APR (Durchzug) sowie im SEP/OKT (Mauser).

Mauser: Synchrone Schwingenmauser Mitte AUG bis SEP oder im FEB.

Brut: An Wasserpflanzen verankertes Schwimmnest, gern in kleinen Kolonien auch mit Möwen, Legeperiode Ende APR, Hauptlegezeit Mitte MAI bis Ende JUN. -- Brutzeit: APR bis AUG.

Tagesperiodik: Tag- und nachtaktiv.


Rastzeit-Diagramm
Relative Häufigkeit der Art in Bayern während der Wintermonate.

Brutzeit-Diagramm
Dunkle Sektorenfarbe weist auf die Hauptbrutzeit der Art in Bayern hin.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

Der Bestand des Schwarzhalstauchers ist in Bayern vom Aussterben bedroht, und zwar in allen Naturraumeinheiten. Der Bestand ist sehr klein und zeigt eine enge ökologische Bindung an spezielle, gefährdete Lebensräume.

Starke Bestandsfluktuationen an den Brutstandorten sind zumindest zum Teil auf lokale Ursachen zurückzuführen: geringe Frühjahrswasserstände, Intensivierung oder Umstellung der Teichwirtschaft führen häufig zu Bestandseinbrüchen.

Auch hohe Hechtbestände, die sich an Teichen mit unregelmäßiger Nutzung aufbauen können, verursachen Bestandsrückgänge und unter Umständen hohe Jungvogelverluste.

Störungen der Möwenkolonien, zum Beispiel durch Eierabsammeln, oder Freizeitbetrieb an den Brutgewässern kann sich sehr nachteilig auswirken.

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

Erhaltung von Möwenkolonien und Neuanlage durch geeignete Brutplätze.

Einrichtung von Ruhezonen zum Schutz von Verlandungszonen vor Freizeitbetrieb.

Sonstige Hinweise

Bedeutende Gewässer für den Schwarzhalstaucher:

Nach aktuellen Daten von Wetlands International 2006, die Gebiete können sich bei neuer Datengrundlage ändern.

Mauser:

Internationale Bedeutung:> 550 Ind.Ismaninger Teichgebiet.

Nationale Bedeutung:> 25 Ind.Rötelseeweiher u. angrenz. Regenfluß, Isar: Echinger Stausee(Mittlere Isarstauseen), Isar: Moosburger Stausee(Mittlere Isarstauseen), Kochelsee.

Landesweite Bedeutung:> 25 Ind.-

Brut:

Internationale Bedeutung:> 530 Ind.-

Nationale Bedeutung:> 30 Ind.Ismaninger Teichgebiet, Rötelseeweiher u. angrenz. Regenfluß, Mittelfränkisches Weihergebiet: (Gr. + Kl. Bischofsweiher, Bucher Weiher, Mohrweiher usw.), Eschenbacher Weihergebiet.

Landesweite Bedeutung:> 5 Ind. Chiemsee, Isar: Echinger Stausee (Mittlere Isarstauseen).

Bereits Anfang bis Mitte Juni sind auf verschiedenen Seen Altvögel mit erwachsenen Jungvögeln zu sehen, die noch gefüttert werden. Aus solchen Beobachtungen allein ist noch kein lokaler Brutnachweis abzuleiten.

Ergänzende Informationen

Wahl, J., S. Garthe, T. Heinicke, W. Knief, B. Petersen, C. Sudfeldt & P. Südbeck 2007: Anwendung des internationalen 1%-Kriteriums für wandernde Wasservogelarten in Deutschland. Ber. Vogelschutz 44: 83-105.

Wahl, J. & T. Heinicke 2013: Aktualisierung der Schwellenwerte zur Anwendung des internationalen 1%-Kriteriums für wandernde Wasservogelarten in Deutschland. Ber. Vogelschutz 49/50: 85-97.

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