Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Kormoran (Phalacrocorax carbo)

Rote Liste Bayern:
Rote Liste Deutschland:
Erhaltungszustand Kontinental: In Bezug auf Status Brutvorkommen: ungünstig/unzureichend, in Bezug auf Status Wintervorkommen: günstig
Erhaltungszustand Alpin:

Verbreitung und Bestandssituation

Das Areal des Kormorans erstreckt sich lückenhaft von W-Europa bis Ostasien. -- In Bayern brütet Phalacrocorax carbo sinensis (Blumenbach 1798).

Im 19. und frühen 20. Jh. wurde der Kormoran stark verfolgt, was zu seiner fast vollständigen Vertreibung bzw. Ausrottung in Mitteleuropa führte. Seit 1980 ist der Kormoran in allen Ländern der EU durch die Vogelschutzrichtlinie geschützt. Seither begannen die Brutbestände wieder anzuwachsen.

Der Kormoran ist in Bayern ein lokaler Brutvogel. Die Anzahl besetzter Quadranten hat seit der Erfassung von 1996-99 zugenommen. Die größten Kolonien mit jeweils über 100 Brutpaaren befinden sich am Chiemsee, Ammersee, dem Ismaninger Teichgebiet, an den Garstädter Seen bei Schweinfurt und bei Aschaffenburg. Die älteste Brutkolonie befindet sich im Ismaninger Speichersee bei München. Außerhalb der Brutzeit sind durchziehende bzw. überwinternde Kormorane in großer Zahl an nahezu allen größeren Seen und Flüssen Bayerns anzutreffen. In Kältewintern, bei starker Vereisung, dringen Kormorantrupps auch in kleinere Fließgewässer vor.

Seit 2003 hat sich der gesamte Bestand um 20 % vergrößert. Auch Vergrämungsmaßnahmen und steigende Schusszahlen (teilweise sogar in Brutgebieten, z. B. am Chiemsee) konnten eine weitere Ausbreitung und positive Bestandsentwicklung nicht verhindern.

Brutbestand BY: 619-626 (2008) Brutpaare.

Die wichtigsten Rast- und Überwinterungsgebiete in Bayern liegen an Main, Donau und Ammersee.

Maximum BY: 7.000-8.000 Ind. im Winter (NOV-JAN).

Fundortkarte

Kormoran (Phalacrocorax carbo)

Nachweise ab 1980



Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Fundorte als Tabelle anzeigen

Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1980

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
5526 Bischofsheim a.d.Rhön
5536 Hirschberg a.d.Saale
5636 Naila
5637 Hof
5731 Coburg
5738 Rehau
5831 Seßlach
5832 Lichtenfels
5833 Burgkunstadt
5838 Selb
5920 Alzenau i.UFr.
5927 Schweinfurt
5928 Obertheres
5929 Haßfurt
5931 Ebensfeld
5934 Thurnau
5938 Marktredwitz
5939 Waldsassen
6027 Grettstadt
6028 Gerolzhofen
6029 Knetzgau
6031 Bamberg Nord
6127 Volkach
6131 Bamberg Süd
6139 Falkenberg
6140 Tirschenreuth
6226 Kitzingen
6227 Iphofen
6231 Adelsdorf
6232 Forchheim
6236 Eschenbach i.d.OPf.
6326 Ochsenfurt
6330 Uehlfeld
6331 Röttenbach
6332 Erlangen Nord
6335 Auerbach i.d.OPf.
6430 Emskirchen
6431 Herzogenaurach
6527 Burgbernheim
6528 Marktbergel
6532 Nürnberg
6534 Happurg
6539 Nabburg
6627 Rothenburg ob der Tauber
6629 Ansbach Nord
6638 Schwandorf
6639 Wackersdorf
6729 Ansbach Süd
6730 Windsbach
6741 Cham West
6742 Cham Ost
6828 Feuchtwangen Ost
6829 Ornbau
6830 Gunzenhausen
6831 Spalt
6834 Berching
6928 Weiltingen
6929 Wassertrüdingen
6930 Heidenheim
6933 Thalmässing
6934 Beilngries
7032 Bieswang
7037 Kelheim
7038 Bad Abbach
7040 Pfatter
7041 Münster
7046 Spiegelau
7129 Deiningen
7136 Neustadt a.d.Donau
7142 Straßkirchen
7233 Neuburg a.d.Donau
7234 Ingolstadt
7235 Vohburg a.d.Donau
7243 Plattling
7335 Geisenfeld
7341 Dingolfing Ost
7344 Pleinting
7428 Dillingen a.d.Donau West
7431 Thierhaupten
7438 Landshut West
7441 Frontenhausen
7526 Ulm Nordost
7528 Burgau
7626 Ulm-Südost (Neu-Ulm)
7637 Erding
7641 Neumarkt-Sankt Veit
7642 Wurmannsquick
7645 Rotthalmünster
7731 Mering
7734 Dachau
7736 Ismaning
7742 Altötting
7743 Marktl
7745 Rotthalmünster Süd
7826 Kirchberg an der Iller
7830 Schwabmünchen
7831 Egling a.d.Paar
7834 München-Pasing
7835 München
7837 Markt Schwaben
7839 Haag i.OB
7840 Kraiburg a.Inn
7931 Landsberg am Lech
7933 Weßling
7939 Wasserburg a.Inn
8027 Memmingen
8032 Dießen a.Ammersee
8033 Tutzing
8034 Starnberg Süd
8038 Rott a.Inn
8040 Eggstätt
8041 Traunreut
8042 Waging a.See
8043 Laufen
8129 Kaufbeuren
8132 Weilheim i.OB
8133 Seeshaupt
8137 Bruckmühl
8138 Rosenheim
8139 Stephanskirchen
8140 Prien a.Chiemsee
8141 Traunstein
8143 Freilassing
8227 Kempten (Allgäu)
8228 Wildpoldsried
8231 Peiting
8232 Uffing a.Staffelsee
8233 Iffeldorf
8234 Penzberg
8236 Tegernsee
8327 Buchenberg
8328 Nesselwang West
8332 Unterammergau
8424 Lindau (Bodensee)
8426 Oberstaufen
8427 Immenstadt i.Allgäu
8443 Königssee
8531 Zugspitze
Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Lebensraum und Lebensweise

Kormorane fischen auf den offenen Wasserflächen von Seen, Stauseen, Flüssen und Weihern. Häufig sammeln sie sich nach der ersten Nahrungsaufnahme an Tagesrastplätzen auf Kies- und Sandbänken sowie ufernahen Bäumen. Am Abend kommen die Kormorane größerer Regionen an zentralen Schlafplätzen zusammen. Im Winter 2008/09 waren in Bayern knapp 150 (147) Schlafplätze bekannt. Bis auf die Nürnberger Kolonie am Wöhrder See befinden sich alle bayerischen Brutkolonien in Naturschutzgebieten.

Phänologie

Seltener Brutvogel, regelmäßiger Durchzügler und Wintergast, Teilzieher, Kurz- und Mittelstreckenzieher.

Wanderungen: Ringfunde belegen, dass ein erheblicher Teil der bayerischen Brutvögel im Herbst die Brutgebiete verlässt, dafür aber Wintergäste aus anderen Gebieten hier überwintern. Rückkehr zu den Brutkolonien FEB/MRZ, Dismigration der Jungvögel JUN/JUL, Hauptwegzug (durch Mitteleuropa) (SEP) OKT/NOV, später z.T. Winterflucht.

Mauserzeit: Staffelmauser der Schwungfedern JUL bis DEZ.

Brut: Freibrüter, Nest i.d.R. auf Bäumen, stets in Kolonien, Legeperiode ab Anfang MRZ, meist Ende APR (bis JUN), flügge Junge meist ab Ende JUN -- Brutzeit: MRZ bis JUL (z.T. asynchrones Brüten in Kolonien).

Tagesperiodik: Tagaktiv, abends Schlafplatzflüge.


Brutzeit-Diagramm
Dunkle Sektorenfarbe weist auf die Hauptbrutzeit der Art in Bayern hin.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

In Bayern werden seit dem Winter 1995/96 Kormorane geschossen. Trotz der 5.000-6.000 Abschüsse pro Jahr blieben die Winterbestände in Bayern konstant. Dies ist mit der hohen Zugdynamik der Kormorane zu erklären, d.h. abgeschossene Vögel werden schnell durch andere durchziehende ersetzt.

Verlust oder Entwertung von Horstbäumen und deren Umfeld.

Störungen und Vergrämung in den Brutkolonien (FEB bis Mitte SEP), Zerstörung von Nestern.

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

Erhaltung der Horst- und Schlafbäume mit einem störungsarmen Umfeld.

Sonstige Hinweise

Bedeutende Gewässer für den Kormoran:

Nach aktuellen Daten von Wetlands International 2006, die Gebiete können sich bei neuer Datengrundlage ändern.

Winter:

Internationale Bedeutung:> 3 900 Ind.-

Nationale Bedeutung:> 450 Ind.Main: Grenze Ufr./Ofr.- Kitzingen-Hohenfeld, Donau: km 2246-2405, Ammersee, Main: Kitzingen/Hohenfeld-Rothenfels, Altmühlsee.

Landesweite Bedeutung:> 80 Ind.Kahler Baggerseen, Ismaninger Teichgebiet, Main: Rothenfels-Staustufe Mainflingen, Altmaingebiet / Baggerseengebiet Sennfeld-Hirschfeld (Garstädter Seen), Rötelseeweiher u. angrenz. Regenfluß, Brombachsee, Rothsee, Starnberger See, Chiemsee, Inn: Stausee Egglfing-Obernberg, Inn: Stausee Ering-Frauenstein, Lechstau: Feldheim, Inn: Stauraum KW Ingling, Isar: Stausee Dingolfing, Inn: Stauraum KW Braunau, Illerstaustufe VIII: Frönenbach - Rothenstein, Bamberg Hafen Hallstadt - Staffelbach.

Brut:

Internationale Bedeutung:> 500 Ind.-

Nationale Bedeutung:> 336 Ind.-

Landesweite Bedeutung:> 10 Ind. Ismaninger Teichgebiet, Chiemsee, Ammersee, Altmühlsee, Altmaingebiet / Baggerseengebiet Sennfeld-Hirschfeld (Garstädter Seen), Charlottenhofer Weihergebiet, Isar: Echinger Stausee (Mittlere Isarstauseen).

Trotz kontroverser Diskussion ist bis heute die Erfassung der Brutkolonien (Brutpaare und Bruterfolg) nicht gesichert. Untersuchungen zur Nahrungswahl während der Jungenaufzucht liegen bisher nur vom Ammersee vor (Keller 1998), sind aber zur Veranschaulichung der Diskussion ebenso notwendig wie Untersuchungen zum Aktionsradius der Altvögel während dieser Zeit.

Ergänzende Informationen

Keller, T. (1998): Die Nahrung von Kormoranen (Phalacrocorax carbo sinensis) in Bayern. - J. Ornithol. 139: 389-400.

Keller, T. & U. Lanz 2003: Kormoranmanagement in Bayern - Was können wir aus sieben Wintern mit intensivem Kormoranabschuss lernen? Vogelöwelt 124: 339-348.

Wahl, J., S. Garthe, T. Heinicke, W. Knief, B. Petersen, C. Sudfeldt & P. Südbeck 2007: Anwendung des internationalen 1%-Kriteriums für wandernde Wasservogelarten in Deutschland. Ber. Vogelschutz 44: 83-105.

Wahl, J. & T. Heinicke 2013: Aktualisierung der Schwellenwerte zur Anwendung des internationalen 1%-Kriteriums für wandernde Wasservogelarten in Deutschland. Ber. Vogelschutz 49/50: 85-97.

Themen

Service

Wir

Presse