Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Nachtreiher (Nycticorax nycticorax)

Rote Liste Bayern: Extrem seltene Arten und Arten mit geografischer Restriktion
Rote Liste Deutschland: Stark gefährdet
Erhaltungszustand Kontinental: In Bezug auf Status Brutvorkommen: günstig, in Bezug auf Status Rastvorkommen: günstig
Erhaltungszustand Alpin:

Verbreitung und Bestandssituation

Der Nachtreiher ist fast kosmopolitisch verbreitet. Das Areal erstreckt sich von Südeuropa und Nordafrika bis Japan. Einzelne Gebiete südlich der Sahara sowie Süd- und Nordamerika sind besiedelt.

Der Nachtreiher brütet in Bayern nur sehr lokal an wenigen, räumlich wechselnden und meist nur vorübergehend besetzten Stellen. Die Anzahl besiedelter Gebiete hat seit dem Erfassungszeitraum von 1996-1999 wesentlich zugenommen. Regelmäßige Brutvorkommen befinden sich im Donautal östlich von Regensburg. Neuansiedlungen sind an der Mittleren Isar und im Aischgrund zu vermerken.

Die Bestandszunahme ab Mitte der neunziger Jahre steht in Einklang mit der Entwicklung in benachbarten Brutgebieten.

Mit sporadischen Brutansiedlungen ist in den Flussniederungen von Donau, Isar und Inn jederzeit zu rechnen.

2015 konnten Daten von 27-35 Brutpaaren bei unsystematischer Erfassung zusammengetragen werden (Weixler et al. 2016).

Brutbestand: 28-32 Brutpaare (VSW 2016)

Kurzfristiger Bestandstrend: Zunahme > 20 %

Fundortkarte

Nachtreiher (Nycticorax nycticorax)

relevante Nachweise ab 1990

Liste Vogelarten in Bayern mit saP-relevanten Nachweistyp bzw. Status- XLSX



Letzter Daten-Import erfolgte am 23.2.2021.

Fundorte als Tabelle anzeigen

Vorkommen in Bayern

relevante Nachweise ab 1990

Liste Vogelarten in Bayern mit saP-relevanten Nachweistyp bzw. Status- XLSX

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
5832 Lichtenfels
5833 Burgkunstadt
5931 Ebensfeld
5936 Bad Berneck i.Fichtelgeb.
6031 Bamberg Nord
6035 Bayreuth
6127 Volkach
6221 Miltenberg
6222 Stadtprozelten
6225 Würzburg Süd
6230 Höchstadt a.d.Aisch
6232 Forchheim
6330 Uehlfeld
6331 Röttenbach
6428 Bad Windsheim
6431 Herzogenaurach
6532 Nürnberg
6733 Allersberg
6741 Cham West
6829 Ornbau
6830 Gunzenhausen
6834 Berching
6842 Miltach
6933 Thalmässing
6938 Regensburg
6939 Donaustauf
7039 Mintraching
7040 Pfatter
7143 Deggendorf
7232 Burgheim Nord
7243 Plattling
7335 Geisenfeld
7438 Landshut West
7439 Landshut Ost
7527 Günzburg
7536 Freising Nord
7543 Pfarrkirchen
7544 Bad Birnbach
7626 Ulm-Südost (Neu-Ulm)
7636 Freising Süd
7645 Rotthalmünster
7646 Würding
7734 Dachau
7736 Ismaning
7743 Marktl
7827 Babenhausen
7830 Schwabmünchen
7832 Türkenfeld
7931 Landsberg am Lech
7933 Weßling
7935 München-Solln
8029 Kaufbeuren-Neugablonz
8032 Dießen a.Ammersee
8040 Eggstätt
8043 Laufen
8129 Kaufbeuren
8132 Weilheim i.OB
8133 Seeshaupt
8137 Bruckmühl
8138 Rosenheim
8140 Prien a.Chiemsee
8141 Traunstein
8227 Kempten (Allgäu)
8232 Uffing a.Staffelsee
8238 Neubeuern
8423 Kressbronn am Bodensee
8424 Lindau (Bodensee)
8427 Immenstadt i.Allgäu
Letzter Daten-Import erfolgte am 23.2.2021.

Lebensraum und Lebensweise

Die Brutbestände des Nachtreihers konzentrieren sich auf Altwasserkomplexe in den Donau-Stauhaltungen Straubing und Geisling. Hier brütet die Art fast ausschließlich auf im Wasser stehenden und von Landseite aus nicht erreichbaren Baum- und Buschweiden. Zur Nahrungssuche werden auch größere Entfernungen zurückgelegt, vor allem aber nahe gelegene Feuchtgebiete, Flussläufe und Kiesweiher aufgesucht.

Im Aischgrund und im Rötelseeweihergebiet werden Nachtreiher vor allem in Teichen mit größeren Verlandungszonen beobachtet.

Phänologie

Sehr seltener Brutvogel

Wanderungen: Sommergast, meist Langstreckenzieher; Heimzug ab Anfang April, Dismigration der Jungen ab Mitte Juli, Wegzug ab Ende September

Brut: Freibrüter, Nest meist in Baum- und Buschweiden, Koloniebrüter, auch mit anderen Reihern

Brutzeit: Mitte April bis Ende August; Legebeginn ab Mitte Mai

Tagesperiodik: tag-, dämmerungs- und nachtaktiv, je nach Jahreszeit

Zug: nachts


Brutzeit-Diagramm
Dunkle Sektorenfarbe weist auf die Hauptbrutzeit der Art in Bayern hin.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

Der Nachtreiher ist in der bayerischen Roten Liste als extrem selten eingestuft. Auf der Roten Liste wandernder Vogelarten wird er als ungefährdet eingestuft.

Das Risiko des Erlöschens ist trotz immer wieder zu beobachtender Neuansiedlungen kleiner Vorkommen unverändert hoch (u. a. Freizeitnutzung).

Die Brutstandorte sind durch wasser-, fischereiliche und waldbauliche Eingriffe sowie durch Störungen gefährdet.

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

  • Erhalt und Entwicklung strukturreicher Auwälder

  • Vermeidung von Störungen im Bereich der Brutkolonie

Sonstige Hinweise

  • Meldungen von möglichen Bruten sollten an die Staatliche Vogelschutzwarte oder Vertreter der AGSB gemeldet werden.

  • Bei Windenergieanlagen: Prüfbereich von 1.000 m um bekannte Neststandorte; Prüfbereich von 3.000 m für regelmäßig aufgesuchte Nahrungshabitate um geplante Windenergieanlagen, innerhalb derer zu prüfen ist, ob und in welchem Umfang die Zugriffsverbote nach § 44 Abs. 1 BNatschG erfüllt sind (StMWI 2016).

Ergänzende Informationen

Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie (2016): Hinweise zur Planung und Genehmigung von Windenergieanlagen (WEA). - http://www.stmwi.bayern.de/fileadmin/user_upload/stmwivt/Publikationen/2016/Windenergie-Erlass_2016.pdf (Abruf am 19. Dezember 2017)

Weixler, K., H.-J. Fünfstück & S. Biele (2016): Seltene Brutvögel in Bayern 2014-2015. 5. Bericht der Arbeitsgemeinschaft Seltene Brutvögel in Bayern. - OTUS 8: 60-116.

Weiterführende Literatur:

Bayerisches Landesamt für Umwelt (2017): Arbeitshilfe Vogelschutz und Windenergienutzung - Fachfragen des bayerischen Windenergie-Erlasses. - https://www.lfu.bayern.de/natur/windenergie_artenschutz/index.htm (Abruf 04.04.2018)

Wahl, J., S. Garthe, T. Heinicke, W. Knief, B. Petersen, C. Sudfeldt & P. Südbeck (2007): Anwendung des internationalen 1%-Kriteriums für wandernde Wasservogelarten in Deutschland. - Ber. Vogelschutz 44: 83-105.

Wahl, J. & T. Heinicke (2013): Aktualisierung der Schwellenwerte zur Anwendung des internationalen 1%-Kriteriums für wandernde Wasservogelarten in Deutschland. - Ber. Vogelschutz 49/50: 85-97.

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