Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Froschkraut (Luronium natans)

Rote Liste Bayern: Ausgestorben oder verschollen
Rote Liste Deutschland: Stark gefährdet
Erhaltungszustand Kontinental: Ungünstig/schlecht
Erhaltungszustand Alpin:

Verbreitung und Bestandssituation

Das Verbreitungsgebiet der atlantisch bis subatlantisch verbreiteten Art reicht im Westen von Nordspanien und Frankreich, Wales und dem mittleren West-England über die Benelux-Länder und Nordwestdeutschland bis nach Süd-Norwegen und Südschweden im Norden. Ostwärts reicht das Areal bis nach Ost-Pommern, zur Lausitz, der mittleren Oder und der unteren Weichsel sowie bis nach Oberschlesien und nach Krakau. Nachweise liegen auch aus Tschechien vor; Angaben für Rumänien und Bulgarien sind widersprüchlich.

Die weitaus meisten deutschen Vorkommen des Froschkrauts liegen in Niedersachsen. Weitere Bundesländer mit nennenswerten Vorkommen sind Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen.

In Bayern kommt das Froschkraut allein im Fichtelgebirge in zwei benachbarten Fischteichen in Bad Alexanderbad (Landkreis Wunsiedel) vor. Die nächsten Vorkommen liegen im Oberlausitzer Teichgebiet in Sachsen.

Das bayerische Vorkommen ist seit mindestens 1970 dokumentiert, konnte aber zwischenzeitlich immer wieder - beispielsweise nach Sohlräumungen - nicht mehr nachgewiesen werden. Die Bestandsgröße ist die letzten Jahre im besiedelten Gewässer stabil und durch Hilfsmaßnahmen und ehrenamtliches Engagement zuletzt zunehmend.

Fundortkarte

Froschkraut (Luronium natans)

Nachweise ab 1980



Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

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Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1980

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
5724 Zeitlofs
5938 Marktredwitz
Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Lebensraum und Lebensweise

Die ausdauernde, kleinwüchsige Pflanze siedelt in flachen Uferbereichen von nährstoffarmen bis mäßig nährstoffreichen Teichen, aber auch an Gräben mit langsam fließendem bis stehendem Wasser auf sandigem bis torfigem Grund. Die Wassertiefe liegt bei etwa 20 bis 60 cm, der pH-Wert ist in der Regel hoch. Von großer Bedeutung ist das Vorhandensein von nährstoffarmen Rohböden, auf denen die konkurrenzschwache Art ungehindert aufwachsen kann. Besonnte Wuchsorte werden bevorzugt.

Das Froschkraut besitzt die Fähigkeit, je nach Wasserstand unterschiedliche Blätter auszubilden: Linealische Unterwasserblätter sowie ovale Schwimmblätter. An den Knoten bildet die Pflanze Wurzeln, so dass die Vermehrung auch vegetativ durch Ausläufer stattfindet und in vielen Gewässern sehr bedeutsam ist. An trocken gefallenen Uferbereichen kann sie eine Landform ausbilden.

Die Art tritt vorzugsweise in Initialstadien oder Pioniergesellschaften auf (Klassenkennart der Strandlings-Gesellschaften), findet sich aber auch in Laichkraut-Gesellschaften. Somit werden vor allem die Anhang I-Lebensraumtypen "3110 Oligotrophe, sehr schwach mineralische Gewässer der Sandebenen" und "3130 Oligo- bis mesotrophe stehende Gewässer mit Vegetation der Littorelletea uniflorae und/oder der Isoeto-Nanojuncetea" besiedelt.

Phänologie

Ab Mai bis in den Hochsommer hinein blüht die Art. Die Früchte reifen anschließend unter Wasser.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

  • Unvorsichtiges Entschlammen von Gewässern
  • Isolation von Wuchsorten und fehlende Ausbreitungsmöglichkeiten
  • Zu intensive Teichwirtschaft
  • Verdrängung durch Sukzession und Zuwachsen des Wuchsortes
  • Fehlen von oligo- bis schwach mesotrophen Gewässern ohne Faulschlammböden
  • Genetische Verarmung

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

  • Pacht von Teichanlagen und Bewirtschaftung mit angepasstem Fischbesatz
  • Erhalt oder Wiederherstellung von wenig bewachsenen Standorten und einer natürlichen Dynamik, die zu vegetationsarmen Stellen führt
  • Manuelles Entfernen von konkurrierender Vegetation
  • Anlage von Erhaltungskulturen
  • Nährstoffeinträge durch ausreichende Pufferzonen unterbinden, Verzicht auf Düngung des Quell-Einzugsgebietes und Erhalt einer eher nährstoffarmen Situation
  • Gehölze bei zunehmender Beschattung beseitigen
  • Gelegentliche partielle Entschlammung der Gewässer und Abschieben verlandeter Gewässerteile

Ergänzende Informationen

http://de.wikipedia.org/wiki/Froschkraut

Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (2009): Vollzugshinweise zum Schutz von Pflanzenarten in Niedersachsen - Teil 1: Pflanzenarten des Anhangs II der FFH-Richtlinie mit höchster Priorität für Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen: Froschkraut (Luronium natans). - Niedersächsische Strategie zum Arten- und Biotopschutz: 12 Seiten.

Cox et al. (2014): Genetic assessment of Luronium natans in lower Belgium: analysis of population connectivity of an aquatic perennial. - Rapporten van het Instituut voor Natuur- en Bosonderzoek. Instituut voor Natuur- en Bosonderzoek.

Bazydlo, E. & Szmeja, J. (2014): Effect of pH, dissolved organic carbon and total phosphorus concentrations on selected life history traits of Luronium natans (L.) Raf. - Polish Journal of Ecology 52(2): 191-200.

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