Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Alpenschneehuhn (Lagopus muta helvetica)

Rote Liste Bayern: Extrem seltene Arten und Arten mit geografischer Restriktion
Rote Liste Deutschland: Extrem seltene Arten und Arten mit geografischen Restriktion
Erhaltungszustand Kontinental:
Erhaltungszustand Alpin: In Bezug auf Status Brutvorkommen: ungünstig/schlecht

Verbreitung und Bestandssituation

Die Art lebt zirkumpolar in der arktischen und subarktischen Zone Europas, Asiens und Nordamerikas sowie als Eiszeitrelikt in den Alpen, Pyrenäen und einigen Gebirgen Asiens. - In Bayern brütet Lagopus muta helvetica (Thienemann 1829).

Das Alpenschneehuhn besiedelt im bayerischen Alpenanteil ausschließlich Regionen oberhalb der Baumgrenze. Das Brutareal zeigt im Vergleich zum Erfassungszeitraum 1996-99 keine wesentlichen Veränderungen. Verbreitungsschwerpunkte liegen in den Kalkhochalpen, vereinzelt werden Gebirgsstöcke der Bayerischen Alpen besiedelt, z. B. das Ammergebirge. Die höchsten Schätzwerte mit 21-50 Revieren stammen aus dem Wettersteingebirge. Größere Lücken existieren vor allem in den Chiemgauer Alpen und den Bayerischen Voralpen. Die Vorkommen in den westlichen Allgäuer Alpen konnten nicht bestätigt werden.

Aufgrund der schweren Zugänglichkeit der Brutgebiete und methodisch bedingter Erfassung bestehen große Unsicherheiten in der Einschätzung der Bestandssituation. Die aktuelle Schätzung liegt deutlich unter der aus dem Zeitraum 1996-99.

Brutbestand BY: 150-240

Fundortkarte

Alpenschneehuhn (Lagopus muta helvetica)

Nachweise ab 1980



Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Fundorte als Tabelle anzeigen

Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1980

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
8336 Rottach-Egern
8337 Josefsthal
8338 Bayrischzell
8341 Seegatterl
8342 Schneizlreuth
8343 Berchtesgaden West
8426 Oberstaufen
8427 Immenstadt i.Allgäu
8428 Hindelang
8429 Pfronten
8430 Füssen
8431 Linderhof
8432 Oberammergau
8433 Eschenlohe
8434 Vorderriß
8436 Rottach-Egern Süd
8442 Hirschbichl
8443 Königssee
8444 Hoher Göll
8526 Balderschwang
8527 Oberstdorf
8528 Hinterstein
8531 Zugspitze
8532 Garmisch-Partenkirchen
8533 Mittenwald
8534 Östl. Karwendelspitze
8543 Funtensee
8626 Hoher Ifen
8627 Einödsbach
8628 Hochvogel
8727 Biberkopf
Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Lebensraum und Lebensweise

Zur Brutzeit bevorzugt das Alpenschneehuhn mehr oder weniger steinige alpine Rasen vom Oberrand des Krummholzgürtels bis an die bei etwa 2.350 m ü.NN beginnenden vegetationsarmen Kalkschuttfelder. Als Optimalbiotop sind Karrenfelder mit ihrem nahrungs-, deckungs- und wartenreichen Mosaik aus Schneetälchen, Graten, Kuppen und Hängen anzusehen; hier werden höchste Dichten erreicht. Balzzeit APR bis JUN, Herbstbalz SEP. Außerhalb der Brutzeit gerne in Trupps, im Winter Auftrennung in kleinere Gruppen. Ab MRZ beginnt die Revierbesetzung.

Phänologie

Seltener bis spärlicher Brutvogel

Wanderungen: Standvogel mit geringer Vertikalwanderung.

Brut: Bodenbrüter; Nest in selbst gescharrter Mulde, meist in Hängen zwischen niedriger Vegetation und Steinen, Legebeginn Ende MAI bis Mitte JUN. -- Brutzeit: MAI bis AUG./SEP.

Tagesperiodik: Dämmerungs- und tagaktiv, oft störabhängig (Tourismus).


Brutzeit-Diagramm
Dunkle Sektorenfarbe weist auf die Hauptbrutzeit der Art in Bayern hin.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

Das Alpenschneehuhn ist in Bayern stark gefährdet.

Die inselartig über die größten Höhen der Vor- und Hochalpen verteilten Brut- und Nahrungshabitate werden regional stark durch Massentourismus und die damit verbundenen Lebensraumzerschneidungen, sowie durch zunehmende winterliche Nutzung alpiner Lebensräume von Varianten- und Tourenskifahrern und zunehmend auch durch Schneeschuhwanderer beeinträchtigt.

Der Wintertourismus im Spätwinter und zur Balzzeit ab Mitte März bis Ende Mai stört die Balz und wirkt sich damit auch auf den Bruterfolg negativ aus.

Die Einwirkung von Prädatoren spielt zumal im Zusammenhang mit dem Tourismus sicherlich eine Rolle.

Negative Auswirkungen auf die Bestände sind zumindest regional durch konkrete Erschließungsmaßnahmen zu befürchten, tiefer gehende störungsökologische Untersuchungen sowie eine Beschränkung und stärkere Kanalisierung des Massentourismus in der Alpinstufe sind notwendig.

In Schutzgebieten sind traditionelle Vorkommen und größere Winteransammlungen durch weitere Erschließungsmaßnahmen bedroht.

Zuverlässigere Bestandsaufnahmen und möglichst genaue Ermittlung der Vorkommen sind eine wichtige Voraussetzung für den Schutz.

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

Vermeidungen von Störungen zur Brutzeit, z.B. durch Besucherlenkung (Wegegebot).

Möglichst Trennung von Winterhabitaten und Wintersport.

Rückbau und Sicherung von Seilquerungen.

Bei Windenergienanlagen: Prüfbereich von 1.000 m um bekannte Neststandorte, innerhalb dessen zu prüfen ist, ob und in welchem Umfang die Zugriffsverbote nach § 44 Abs. 1 BNatschG erfüllt sind.

Sonstige Hinweise

Brutnachweise sind nur mit hohem Aufwand zu erbringen.

Auswirkungen des zunehmenden Störungsdruckes sind noch unzureichend untersucht.

Das Alpenschneehuhn wird von der Klimaveränderung besonders betroffen sein, da das Lebensraumangebot in Bayern sehr beschränkt und nach oben begrenzt ist.

Themen

Service

Wir

Presse