Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Seeadler (Haliaeetus albicilla)

Rote Liste Bayern: Extrem seltene Arten und Arten mit geografischer Restriktion
Rote Liste Deutschland:
Erhaltungszustand Kontinental: In Bezug auf Status Brutvorkommen: ungünstig/unzureichend, in Bezug auf Status Rastvorkommen: günstig
Erhaltungszustand Alpin:

Verbreitung und Bestandssituation

Das Areal des Seeadlers erstreckt sich lückig von NW-Europa bis Ostasien. -

Der Seeadler brütet in Bayern seit den 1980er Jahren sehr lokal an wenigen Brutplätzen, das Brutareal hat sich seit der Kartierung 1996-99 vergrößert. Der gegenwärtige Verbreitungsschwerpunkt befindet sich in der Oberpfalz (Truppenübungsplatz Grafenwöhr). Weitere Brutplätze existieren in der Nähe des Altmühlsees (seit 2005) und am Unteren Inn (seit 2009).

Wiederholte Beobachtungen von Seeadlern im Rußweihergebiet sowie Nestbau am Chiemsee könnten auf eine baldige Ansiedlung hindeuten. Weiteres Potenzial für Reviergründungen ist vor allem an den großen Seen, in Teichlandschaften Frankens und der Oberpfalz sowie entlang der größeren Flusssysteme gegeben.

Stromtod, Abschuss und Vergiftungen (z.B. Blei) wurden allerdings auch in Bayern nachgewiesen und stellen eine Gefährdung des geringen Bestandes dar.

Brutbestand BY: 6-7 Brutpaare.

Fundortkarte

Seeadler (Haliaeetus albicilla)

Nachweise ab 1980



Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Fundorte als Tabelle anzeigen

Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1980

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
5731 Coburg
5930 Ebern
6039 Mitterteich
6139 Falkenberg
6230 Höchstadt a.d.Aisch
6236 Eschenbach i.d.OPf.
6237 Grafenwöhr
6330 Uehlfeld
6331 Röttenbach
6429 Neustadt a.d.Aisch
6438 Schnaittenbach
6639 Wackersdorf
6740 Neukirchen-Balbini
6741 Cham West
6829 Ornbau
6830 Gunzenhausen
6831 Spalt
6931 Weißenburg i.Bay.
7039 Mintraching
7235 Vohburg a.d.Donau
7243 Plattling
7335 Geisenfeld
7736 Ismaning
7744 Simbach a.Inn
8141 Traunstein
Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Lebensraum und Lebensweise

Ausgedehnte, wenig durch Straßen und Siedlungen zerschnittene Waldgebiete in gewässerreichen Landschaften des Flach- und Hügellandes. Gewässernähe begünstigt die Ansiedlung, es gibt aber auch Nestplätze in > 6 km Entfernung von Gewässern. Die Hauptbeute sind Wasservögel und Fische; manche spezialisieren sich auf Jungkormorane, die sie aus den Nestern holen.

Phänologie

Sehr seltener Brut- und Standvogel, Wintergast, vereinzelt Durchzügler.

Wanderungen: Streuungswanderungen der Jungvögel und Unverpaarten. Überwinterungen von OKT bis MRZ (z.B. Chiemsee).

Brut: Paarbildung, Balz und Nestbau bereits ab JAN/FEB. Freibrüter, Nest in hohen alten Bäumen. Legebeginn Ende FEB oder MRZ. -- Brutzeit: FEB bis JUL/AUG.

Tagesperiodik: Tag- und dämmerungsaktiv.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

Wichtigster Faktor war Verfolgung durch Menschen; Abschuss, Vergiftung, Fallen, Eierraub sowie mutwillige Nestzerstörungen hatten im Lauf der Zeit unterschiedliches Gewicht.

Tod an Freileitungen und Strommasten, Bleivergiftungen, Verkehrsunfälle, neuerdings auch hohe Verluste an Windenergieanlagen.

Mangel an großflächigen, intakten Feuchtgebieten mit störungsarmen Bruthabitaten.

Umweltgiftbelastungen, die zu Individualverlusten und geringeren Bruterfolgen führen.

Störungen in den Brut- und Nahrungsgebieten (v.a. zunehmende Nutzung von Uferzonen).

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

Erhalt und Entwicklung von störungsarmen Altholzbeständen in potenziellen Bruthabitaten.

Konsequente Einhaltung einer Horstschutzzone im Umkreis von 300 m zur Brutzeit. Horstbetreuung.

Bei Windenergienanlagen: Prüfbereich von 3.000 m um bekannte Neststandorte; Prüfbereich von 6.000 m für regelmäßig aufgesuchte Nahrungshabitate um geplante Windenergienanlagen, innerhalb derer zu prüfen ist, ob und in welchem Umfang die Zugriffsverbote nach § 44 Abs. 1 BNatschG erfüllt sind.

Entschärfung gefährlicher Strommasten bzw. Sicherung von Freileitungen in 3.000 m um bekannte Neststandorte.

Sonstige Hinweise

Meldungen von Bruthinweisen und -nachweisen an die Vogelschutzwarte am LfU sind besonders erwünscht.

Themen

Service

Wir

Presse