Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Weißrückenspecht (Dendrocopos leucotos)

Rote Liste Bayern: Gefährdet
Rote Liste Deutschland: Stark gefährdet
Erhaltungszustand Kontinental: In Bezug auf Status Brutvorkommen: ungünstig/schlecht
Erhaltungszustand Alpin: In Bezug auf Status Brutvorkommen: ungünstig/unzureichend

Verbreitung und Bestandssituation

Das Areal des Weißrückenspechtes erstreckt sich von Osteuropa bis China, Verbreitungsinseln in S-Skandinavien, Mitteleuropa, Italien, auf dem Balkan und im Kaukasus. -- In Bayern brütet Dendrocopos l. leucotos (Bechstein 1803).

Der Weißrückenspecht ist in den Alpen flächig, im Voralpinen Hügel- und Moorland sowie lokal im Bayerischen Wald verbreitet.

Das Verbreitungsbild hat sich seit der Erfassung von 1996-99 in den Alpen (auch durch gezielte Erhebungen) vergrößert. In Ostbayern verringerte sich hingegen die Zahl besetzter Quadranten.

Hohe Dichten wurden vor allem im Werdenfelser Land angegeben. Bemerkenswert sind einzelne, weitgehend isolierte Vorkommen abseits der Alpen (z. B. im Kürnacher und Buchberger Wald oder Pfaffenwinkel). Die bayerischen Brutvorkommen sind die einzigen in Deutschland. Die niedrigsten Vorkommen liegen bei 530 m ü. NN im Voralpinen Hügel- und Moorland, die höchsten bei 1.450 m ü. NN.

Die aktuelle Bestandsschätzung liegt über jener aus dem Zeitraum 1996-99, was vermutlich mit einem verbesserten Erfassungsgrad, möglicherweise aber auch mit den westwärts gerichteten Ausbreitungstendenzen zu erklären ist. Ein direkter Vergleich der Bestandszahlen ist methodisch bedingt nicht zulässig, so dass derzeit keine Aussagen zu Bestandsveränderungen möglich sind.

Brutbestand BY: 380-600 Paare.

Fundortkarte

Weißrückenspecht (Dendrocopos leucotos)

Nachweise ab 1980



Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Fundorte als Tabelle anzeigen

Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1980

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
6339 Waldthurn
6641 Rötz
6844 Lam
6845 Bayerisch Eisenstein
6944 Bodenmais
6945 Zwiesel
7046 Spiegelau
7047 Finsterau
7146 Grafenau
7147 Freyung
7934 Starnberg Nord
8032 Dießen a.Ammersee
8034 Starnberg Süd
8132 Weilheim i.OB
8141 Traunstein
8226 Isny im Allgäu-Nord
8227 Kempten (Allgäu)
8231 Peiting
8232 Uffing a.Staffelsee
8235 Bad Tölz
8236 Tegernsee
8237 Miesbach
8238 Neubeuern
8239 Aschau i.Chiemgau
8240 Marquartstein
8241 Ruhpolding
8242 Inzell
8243 Bad Reichenhall
8326 Isny im Allgäu Süd
8330 Roßhaupten
8331 Bad Bayersoien
8332 Unterammergau
8333 Murnau a.Staffelsee
8334 Kochel a.See
8335 Lenggries
8336 Rottach-Egern
8337 Josefsthal
8338 Bayrischzell
8339 Oberaudorf
8340 Reit im Winkl
8341 Seegatterl
8342 Schneizlreuth
8343 Berchtesgaden West
8344 Berchtesgaden Ost
8424 Lindau (Bodensee)
8425 Weiler-Simmerberg
8426 Oberstaufen
8427 Immenstadt i.Allgäu
8428 Hindelang
8429 Pfronten
8430 Füssen
8431 Linderhof
8432 Oberammergau
8433 Eschenlohe
8434 Vorderriß
8435 Fall
8443 Königssee
8526 Balderschwang
8527 Oberstdorf
8528 Hinterstein
8531 Zugspitze
8532 Garmisch-Partenkirchen
8533 Mittenwald
8534 Östl. Karwendelspitze
8626 Hoher Ifen
8627 Einödsbach
Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Lebensraum und Lebensweise

Naturnahe Mischwälder mit überwiegendem Laubholzanteil (v.a. Buche und Bergahorn) und einem sehr hohen Anteil an Alt- und Totholz sind für den Weißrückenspecht unentbehrlich. Über 80-jährige Fichten-Tannen-Buchen- und Bergahorn-Mischwälder (bevorzugt südliche Hangexposition) mit durch Windwurf, absterbende Bäume oder Schneebruch entstandene Lücken werden vor allem besiedelt, gelegentlich auch relativ kleine Baumgruppen und Waldstücke mit Totholzangebot. Bruthöhlen finden sich oft an Schneisen, in Einzelstämmen auf oder an Windwurfflächen, Almböden, Bergsiedlungen oder anderen exponierten Stellen, mitunter auch unmittelbar an Wanderwegen oder Forststraßen, wohl bedingt durch das Angebot an beschädigten oder absterbenden Stämmen. Bei der Nahrungssuche spielen Laubbäume die überragende Rolle: Während für den sommerlichen Nahrungserwerb überwiegend verrottendes Fallholz wichtig ist, erweist sich vor allem in schneereichen Regionen stehendes totes Holz in fortgeschrittenen Zerfallsstadien als sehr wesentlich. Gerne werden v.a. Totäste von wipfeldürren Buchen und Bergahornen abgesucht.

Phänologie

Spärlicher Brutvogel in den Alpen, abseits davon sehr selten.

Wanderungen: Wenig ausgedehnte Streuungswanderungen.

Brut: Höhlenbrüter, Nest in abgestorbenen, stark vermorschten Bäumen. -- Brutzeit: APR bis JUL/AUG.

Tagesperiodik: Tagaktiv.


Brutzeit-Diagramm
Dunkle Sektorenfarbe weist auf die Hauptbrutzeit der Art in Bayern hin.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

Der Weißrückenspecht ist in Bayern stark gefährdet, im Ostbayerischen Grundgebirge ist er vom Aussterben bedroht.

Der sehr kleine Bestand stützt sich auf ein geografisch eng begrenztes Vorkommen.

Ökologische Bindung an einen speziellen, gefährdeten Lebensraum und Eingriffe, die eine merkliche Bestandsreduktion zur Folge haben, bedeuten Risikofaktoren.

Eine Reduktion des notwendigen Totholzanteils in den aktuellen Vorkommensgebieten würde die Art deutlich beeinträchtigen.

Dementsprechend ist der Fortbestand dieser Art unbedingt an den Erhalt naturnaher Mischwälder mit einem großen Totholzanteil gebunden.

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

Erhalt und Entwicklung totholzreicher, lückiger montaner Bergmischwälder mit überwiegendem Laubholzanteil.

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