Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Zitronenzeisig (Carduelis citrinella)

Rote Liste Bayern: Arten der Vorwarnliste
Rote Liste Deutschland: Gefährdet
Erhaltungszustand Kontinental:
Erhaltungszustand Alpin: In Bezug auf Status Brutvorkommen: unbekannt

Verbreitung und Bestandssituation

Der Zitronengirlitz brütet endemisch in einigen Gebirgen Südwest-Europas, in den Vogesen, im Schwarzwald und in den Alpen. -- In Bayern brütet Carduelis [c.] citrinella (Pallas 1764).

Der Zitronengirlitz kommt in Bayern lückig in den Alpen vor. Das Brutareal ist im Vergleich zum Erfassungszeitraum von 1996-99 weitgehend unverändert geblieben. Vorzugsgebiet ist die montane und vor allem subalpine Stufe. Zusammenhängende Vorkommen existieren vorwiegend in der Westhälfte der Alpen. Im Mangfallgebirge, den Chiemgauer und den Berchtesgadener Alpen dünnen die Vorkommen deutlich aus, was vermutlich teilweise auf Erfassungsdefizite zurückzuführen sein dürfte. Hohe Dichte-schätzungen wurden vereinzelt im Ammer-, Ester- und Karwendelgebirge angegeben. Neben dem Schwarzwald sind die Vorkommen in Bayern die einzigen regelmäßigen in Deutschland.

Die aktuelle Bestandsschätzung liegt deutlich unter jener von 1996-99. Da keine Hinweise für derart drastische Bestandsabnahmen vorliegen, ist davon auszugehen, dass es sich hierbei hauptsächlich um methodisch bedingte Abweichungen handelt. Monitoringprogramme zur besseren Abschätzung der Bestandsentwicklung fehlen in den bayerischen Alpen.

Brutbestand BY: 370-650 Brutpaare.

Fundortkarte

Zitronenzeisig (Carduelis citrinella)

Nachweise ab 1980



Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

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Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1980

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
8131 Schongau
8234 Penzberg
8237 Miesbach
8238 Neubeuern
8239 Aschau i.Chiemgau
8240 Marquartstein
8241 Ruhpolding
8333 Murnau a.Staffelsee
8334 Kochel a.See
8335 Lenggries
8336 Rottach-Egern
8337 Josefsthal
8338 Bayrischzell
8339 Oberaudorf
8340 Reit im Winkl
8341 Seegatterl
8342 Schneizlreuth
8426 Oberstaufen
8427 Immenstadt i.Allgäu
8428 Hindelang
8429 Pfronten
8430 Füssen
8431 Linderhof
8432 Oberammergau
8433 Eschenlohe
8434 Vorderriß
8435 Fall
8442 Hirschbichl
8443 Königssee
8444 Hoher Göll
8526 Balderschwang
8527 Oberstdorf
8528 Hinterstein
8531 Zugspitze
8532 Garmisch-Partenkirchen
8533 Mittenwald
8534 Östl. Karwendelspitze
8626 Hoher Ifen
8627 Einödsbach
8628 Hochvogel
8727 Biberkopf
Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Lebensraum und Lebensweise

Der meist in kleinen Kolonien nistende Zitronenzeisig brütet v.a. auf wärmespeichernden, südexponierten, mehr oder weniger steilen Hängen, die locker mit Fichten und Kiefern bestanden sind und grasige Vegetation aufweisen. Almen und Hütten mit Ruderalflächen sowie angrenzende Bergwiesen werden als Nahrungsreviere genutzt. In höher gelegenen Bruthabitaten bewohnt er mit Felspartien und Latschenfeldern (Bergkiefer) durchsetzte sonnige Hänge. Schneefälle und Wintereinbrüche zu Beginn der Brutzeit veranlassen die früh zurückgekehrten Brutvögel, sich vorübergehend in günstigeren Talregionen aufzuhalten; offenbar werden auch bereits besetzte, höher gelegen Brutreviere vorübergehend wieder verlassen. Gelegentlich scheint es dann auch bei solchen Anlässen zu einer (ersten?) Brut am Unterrand von Montanwäldern zu kommen.

Phänologie

Spärlicher Brutvogel der Alpen, Kurzstreckenzieher.

Wanderungen: Ankunft im Brutgebiet MRZ/APR, Abzug witterungsbedingt.

Brut: Freibrüter, Nest meist auf Nadelbäumen, dicht am Stamm, von Bodennähe bis 10 m Höhe, Legebeginn meiste Mitte APR (bis JUL), gelegentlich 2 Jahresbruten. -- Brutzeit: APR bis AUG..

Tagesperiodik: Tagaktiv.


Brutzeit-Diagramm
Dunkle Sektorenfarbe weist auf die Hauptbrutzeit der Art in Bayern hin.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

Der Zitronenzeisig ist in Bayern eine Art der Vorwarnliste.

Der Bestand ist zwar als nicht sehr selten einzustufen, doch sind Bestandsreduktionen als Folge menschlicher Eingriffe als nicht auszuschließen. In einigen Gebieten scheint sich der Lebensraum des Zitronenzeisigs durch anthropogene Einwirkungen zu verschlechtern.

Zum einen durch direkte Zerstörung der ursprünglichen Pflanzendecke durch den alpinen Freizeitsport, vor allem durch oft großflächige Erdbewegungen bei der Anlage von Skiliften und -pisten. Durch die Wiederbegrünung mit handelsüblichen Aussaatmischungen wird die vormals dem Standort angepasste Vegetationsgesellschaft von einer habitatfremden Artenzusammensetzung abgelöst, was zu einem stark veränderten Samenangebot führt.

In dieselbe Richtung geht die Beendigung der traditionellen Weidewirtschaft durch Düngung und Herbizideinsatz. Wegen des kleinen Verbreitungsgebietes dieses europäischen Endemiten hat Bayern trotz seines etwa im Vergleich zu Spanien relativ kleinen Bestandes eine hohe europäische Verantwortung für die Erhaltung der regionalen Population.

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

Verwendung von Aussaatsamen, die dem alpinem Standort angepasst sind.

Förderung traditioneller, extensiver Almbewirtschaftung.

Erhalt lichter Fichtenhochlagen- und Kiefern(moor)wälder (v. a. an der natürlichen "Kampfzone" des Waldes)

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