Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Rohrdommel (Botaurus stellaris)

Rote Liste Bayern: Vom Aussterben bedroht
Rote Liste Deutschland: Gefährdet
Erhaltungszustand Kontinental: In Bezug auf Status Brutvorkommen: ungünstig/schlecht, in Bezug auf Status Wintervorkommen: günstig
Erhaltungszustand Alpin:
417666
Foto: Ingo Weiß

Verbreitung und Bestandssituation

Das Areal der Rohrdommel erstreckt sich lückenhaft von Spanien bis an den Pazifik. -- In Bayern brütet Botaurus s. stellaris (Linnaeus 1758).

Die Rohrdommel brütet in Bayern nur sehr lokal an wenigen Brutplätzen. Die Anzahl der Quadranten mit brütenden oder zur Brutzeit rufenden Tieren hat im Vergleich zu 1996-99 deutlich abgenommen. Die Vorkommen beschränken sich auf wenige Orte, wie Aischgrund, Charlottenhofer Weihergebiet (Lkr. Schwandorf, Garstädter Seen am mittleren Main (Lkr. Schweinfurt) und das Rötelseeweihergebiet (Lkr. Cham).

Die Bestandszahl hat sich im Vergleich zum Zeitraum 1996-99 zwar nicht verändert, bei einer gleichzeitigen Abnahme der Anzahl Quadranten mit Meldungen kann jedoch eine zunehmende Konzentrierung auf Vorzugsgebiete und eine Abnahme der Eignung unregelmäßig benutzter Lebensräume vermutet werden. Von 1975 bis 1999 hat der Brutbestand um über 50 % abgenommen. Dieser langjährige Trend wird allerdings von starken jährlichen Schwankungen überlagert. Zudem ist eine sichere Unterscheidung zwischen übersommernden Tieren und tatsächlichen Brutvorkommen bei dieser Art oft sehr schwierig.

Brutbestand BY: 9 Brutpaare.

Jährlich überwintern einzelne Individuen in Bayern, z.B. am Chiemsee regelmäßig seit Mitte der 1980er Jahre (1-4 Ind.). Unbekannt ist, ob es sich dabei um bayerische Brutvögel handelt oder um Zuzügler.

Fundortkarte

Rohrdommel (Botaurus stellaris)

Nachweise ab 1980



Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

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Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1980

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
5831 Seßlach
5832 Lichtenfels
5924 Gemünden a.Main
5927 Schweinfurt
6027 Grettstadt
6031 Bamberg Nord
6231 Adelsdorf
6237 Grafenwöhr
6326 Ochsenfurt
6330 Uehlfeld
6331 Röttenbach
6336 Vilseck
6337 Kaltenbrunn
6432 Erlangen Süd
6436 Sulzbach-Rosenberg Nord
6527 Burgbernheim
6639 Wackersdorf
6729 Ansbach Süd
6741 Cham West
6742 Cham Ost
6829 Ornbau
6830 Gunzenhausen
6831 Spalt
6841 Roding
6934 Beilngries
6939 Donaustauf
7040 Pfatter
7041 Münster
7136 Neustadt a.d.Donau
7235 Vohburg a.d.Donau
7341 Dingolfing Ost
7342 Landau a.d.Isar
7344 Pleinting
7527 Günzburg
7537 Moosburg a.d.Isar
7626 Ulm-Südost (Neu-Ulm)
7637 Erding
7730 Großaitingen
7736 Ismaning
7932 Utting am Ammersee
7933 Weßling
8027 Memmingen
8029 Kaufbeuren-Neugablonz
8040 Eggstätt
8042 Waging a.See
8133 Seeshaupt
8137 Bruckmühl
8139 Stephanskirchen
8143 Freilassing
8233 Iffeldorf
8235 Bad Tölz
8327 Buchenberg
8332 Unterammergau
8334 Kochel a.See
8423 Kressbronn am Bodensee
Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Lebensraum und Lebensweise

Die Rohrdommel besiedelt ausgedehnte Verlandungszonen an Still- und zum Teil auch Fließgewässern. In Bayern beschränken sich die aktuellen Vorkommen allerdings weitgehend auf künstliche Gewässer - überwiegend Fischteiche, in Einzelfällen auch Absetzbecken. Als Brut- und Nahrungshabitat bevorzugt sie lockeres mehrjähriges Schilfröhricht mit eingestreuten offenen Wasserflächen. Reine Rohrkolben- und Seggenbestände meidet sie, ebenso sehr dichtes oder stark verbuschtes Altschilf. Auch größere Niedermoorgebiete mit "trockenem", nicht im Wasser stehenden Schilfröhricht und ohne Zugang zu offenem Wasser werden wegen des geringen Nahrungsangebots kaum besiedelt. Optimale Röhrichtstrukturen werden bereits ab 2 Hektar Fläche als Bruthabitat genutzt, vorausgesetzt, es finden sich weitere geeignete Nahrungsflächen im näheren Umkreis. An isolierten Gewässern scheinen dagegen erst Röhrichtflächen von ca. 20 Hektar den Ansprüchen der Rohrdommel genügen zu können.

Phänologie

Sehr seltener Brutvogel, Wintergast, Teil- und Kurzstreckenzieher.

Wanderungen: Zunehmend überwintern Rohrdommeln in Bayern - und erleiden in Frostwintern erhebliche Verluste. Rückkehr in die Brutgebiete MRZ/APR, Streuzug der Jungvögel ab JUL, Wegzug der Altvögel SEP bis NOV.

Brut: Nest bodennah im Röhricht versteckt, Legebeginn Anfang APR bis Anfang MAI -- Brutzeit: APR bis JUL.

Tagesperiodik: Tag- und dämmerungsaktiv, Rufaktivität auch nachts.


Brutzeit-Diagramm
Dunkle Sektorenfarbe weist auf die Hauptbrutzeit der Art in Bayern hin.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

Der Bestand der Rohrdommel ist in Bayern vom Aussterben bedroht, und zwar in allen 4 Naturraumeinheiten. Die wenigen, jeweils kleinen Vorkommen liegen in großer Distanz zu stabilen Beständen in Norddeutschland oder am Neusiedler See.

Die geeigneten Habitate sind durch weitergehende Zerstörung bedroht, insbesondere durch Wasserbau, Trockenlegungsmaßnahmen, Nutzungsintensivierung der Teichwirtschaft und Freizeitnutzung.

Mittelbar soll auch Gewässereutrophierung über das damit korrelierte "Schilfsterben" eine Rolle spielen. Auch durch Verlandung und Sukzession gehen Brutplätze verloren. Dies betrifft vor allem Schilfbestände, die früher regelmäßig gemäht wurden (z.B. Charlottenhofer Weihergebiet).

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

Managementmaßnahmen zur Optimierung und Regeneration von Schilfbeständen oder auch der Schaffung neuer Röhrichtflächen.

Einrichtung von Ruhezonen.

Bei Windenergienanlagen: Prüfbereich von 1.000 m um bekannte Neststandorte; Prüfbereich von 4.000 m für regelmäßig aufgesuchte Nahrungshabitate um geplante Windenergienanlagen, innerhalb derer zu prüfen ist, ob und in welchem Umfang die Zugriffsverbote nach § 44 Abs. 1 BNatschG erfüllt sind.

Ergänzende Informationen

Wahl, J., S. Garthe, T. Heinicke, W. Knief, B. Petersen, C. Sudfeldt & P. Südbeck 2007: Anwendung des internationalen 1%-Kriteriums für wandernde Wasservogelarten in Deutschland. Ber. Vogelschutz 44: 83-105.

Wahl, J. & T. Heinicke 2013: Aktualisierung der Schwellenwerte zur Anwendung des internationalen 1%-Kriteriums für wandernde Wasservogelarten in Deutschland. Ber. Vogelschutz 49/50: 85-97.

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