Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Sumpfohreule (Asio flammeus)

Rote Liste Bayern: Ausgestorben oder verschollen
Rote Liste Deutschland: Vom Aussterben bedroht
Erhaltungszustand Kontinental: In Bezug auf Status Brutvorkommen: ungünstig/schlecht, in Bezug auf Status Wintervorkommen: unbekannt
Erhaltungszustand Alpin:

Verbreitung und Bestandssituation

Das Areal der Art erstreckt sich in Europa vom nördlichen Großbritannien über Nordseeküste und Skandinavien bis Asien und Amerika. -- Die Brutvögel Europas zählen zu Asio f. flammeus (Pontoppidan 1763).

Die Sumpfohreule wurde im Kartierzeitraum nur einmalig im Nördlinger Ries als Brutvogel nachgewiesen. 2005 wurden hier bedingt durch ein starkes Mäusejahr drei erfolgreich brütende Paare festgestellt. 2012 kam es dort erneut zu mehreren Bruten, teils jedoch nicht von Erfolg gekrönt. Sumpfohreulen haben in Bayern wohl nie über längere Zeit stabil gebrütet, doch gibt es im 20. Jh. verschiedene regionale Brutvorkommen mit mindestens Brutverdacht aus insgesamt mehr als 10 Jahren. Aus dem Dachauer Moos wird 1903 berichtet, dass die Sumpfohreule "in großer Menge, allerdings nicht in jedem Jahr, vorkommt... In einem ganz kleinen Gebiet des Moores... sind innerhalb eines halben Jahres 13 Stück gefangen und durch Blei 70 Stück erlegt worden." Hierbei handelte es sich aber wohl um Durchzügler. Sumpfohreulen brüteten von 1958-1961 und von 1964-1972 und 1974 v.a. in den Flachmooren der Donau-Iller-Lech-Platte und der Inn-Isar-Schotterplatte; Einzelvorkommen wurden entlang der Donau, in Unterfranken sowie am Alpenrand nachgewiesen. Die größten pro Jahr ermittelten Brutpaarzahlen lagen bei 6-11. Nach 1974 gibt es nur einen konkreten Hinweis: 1986 wurde ein Brutplatz in einem ungewöhnlichen Habitat an der unteren Isar gefunden. 1996-1998 wurden im APR und MAI im selben Revier im Lkr. Dachau Sumpfohreulen als Habichtsbeute festgestellt. Im APR/MAI 2003 wurden im Raum Rosenheim zwei jagende Individuen beobachtet.

Die Zahl der Brutpaare und -plätze war im 19. Jh. sicher viel größer als nach der Mitte des 20. Jh. Wüst (1986) bezeichnet die Sumpfohreule als Brutgast in Zusammenhang mit Mäusegradationen. Die Bestands- und Statussituation bleibt unverändert.

Brutbestand BY: 0-3 Paare

Fundortkarte

Sumpfohreule (Asio flammeus)

Nachweise ab 1980



Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Fundorte als Tabelle anzeigen

Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1980

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
5825 Hammelburg
5929 Haßfurt
6137 Kemnath
6139 Falkenberg
6231 Adelsdorf
6325 Giebelstadt
6328 Scheinfeld
6330 Uehlfeld
6527 Burgbernheim
6741 Cham West
6742 Cham Ost
6830 Gunzenhausen
6831 Spalt
6841 Roding
6930 Heidenheim
6931 Weißenburg i.Bay.
6933 Thalmässing
7029 Oettingen i.Bay.
7032 Bieswang
7136 Neustadt a.d.Donau
7233 Neuburg a.d.Donau
7242 Wallersdorf
7244 Osterhofen
7328 Wittislingen
7333 Karlshuld
7340 Dingolfing West
7728 Krumbach (Schwaben)
7734 Dachau
7736 Ismaning
7827 Babenhausen
7828 Kirchheim i.Schw.
7829 Ettringen
7830 Schwabmünchen
7929 Bad Wörishofen
7930 Buchloe
8027 Memmingen
8233 Iffeldorf
Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Lebensraum und Lebensweise

Sumpfohreulen bewohnen offene Landschaften mit sehr niedriger und gleichzeitig deckungsreicher Kraut- und Staudenvegetation, besonders Moore, Verlandungsgürtel (landwärts vom Röhricht), Niedermoore und nasse Wiesen, Brachland, auch kleinräumige (niedrige) Aufforstungen. Wichtiger als die Bodenfeuchte ist also die Vegetationsstruktur.

Phänologie

Sehr seltener, unregelmäßiger Brutvogel, Durchzügler, Teilzieher und Nomadisierer.

Wanderungen: Witterungsabhängige, z.T. weite Wanderungen, Jungvögel streuen in alle Richtungen; Abzug von den Brutplätzen ab JUL.

Brut: Bodenbrüter; Eiablage bei sehr milder Witterung schon ab MRZ, sonst ab APR bis JUN. -- Brutzeit: MRZ/APR bis JUL/AUG.

Tagesperiodik: Dämmerungs- und tagaktiv.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

Der Brutbestand der Sumpfohreule in Bayern ist erloschen.

Hauptursachen des Rückgangs sind Lebensraumverluste durch Melioration, Entwässerung und Intensivierung von Feuchtgrünland, Auen, Nieder- und Hochmooren, Torfabbau und Aufforstungen.

Außerdem Rückgang des Nahrungsangebots (Feldmäuse) durch Wiesenumbruch, Überdüngung, Bodenverdichtung etc.

Hohe Verluste bei Gelegen und Jungvögeln, z.T. auch bei Weibchen durch Kreiselmäher und frühe Mahd sowie Störungen durch Freizeitnutzung und Hunde.

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

Schaffung von Ruhezonen, wo es Hinweise auf mögliche Brut gibt.

Ausschlussbereich von 1.000 m um bekannte Neststandorte bei Windenergienanlagen; Prüfbereich um geplante Windenergienanlagen im Radius von 6.000 m.

Sonstige Hinweise

Meldungen von Bruthinweisen und -nachweise an die Vogelschutzwarte am LfU sind besonders erwünscht.

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