Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Purpurreiher (Ardea purpurea)

Rote Liste Bayern: Extrem seltene Arten und Arten mit geografischer Restriktion
Rote Liste Deutschland: Extrem seltene Arten und Arten mit geografischen Restriktion
Erhaltungszustand Kontinental: In Bezug auf Status Brutvorkommen: ungünstig/unzureichend
Erhaltungszustand Alpin:

Verbreitung und Bestandssituation

Das Areal des Purpurreihers erstreckt sich von Spanien über Frankreich, Mittel- und Südeuropa bis in die Ukraine. -- In Bayern brütet Ardea p. purpurea (Linnaeus 1766).

Der Purpurreiher brütet in Bayern sehr lokal an wenigen Brutplätzen. Das Brutareal hat sich seit der Erfassung von 1996-99 geringfügig verschoben. Regelmäßig besetzte Brutplätze finden sich im ostbayerischen Donautal (hier hat die Zahl besetzter Quadranten von drei auf einen abgenommen), im Aischgrund und in Mainfranken. Zudem gelang 2006 der erste Brutnachweis im Rötelseeweihergebiet.

Der Bestand des Purpurreihers erreichte im Kartierzeitraum 2005-09 den höchsten Stand seit Jahrzehnten. Im Vergleich zur Erfassung von 1996-99 hat sich die Zahl der Brutpaare verdoppelt. Trotzdem muss der Bestand aufgrund seiner geringen Größe, der Störanfälligkeit der Art und der wenigen geeigneten Brutplätze weiterhin als vom Aussterben bedroht eingestuft werden. Potenzial besteht dennoch, beispielsweise in Bereichen, wo in früheren Jahren bereits gebrütet wurde, wie etwa der Isarmündung oder der schwäbischen Donau.

Brutbestand BY: 10-13 Brutpaare.

Fundortkarte

Purpurreiher (Ardea purpurea)

Nachweise ab 1980



Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Fundorte als Tabelle anzeigen

Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1980

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
5832 Lichtenfels
5929 Haßfurt
6027 Grettstadt
6028 Gerolzhofen
6031 Bamberg Nord
6230 Höchstadt a.d.Aisch
6231 Adelsdorf
6330 Uehlfeld
6331 Röttenbach
6434 Hersbruck
6436 Sulzbach-Rosenberg Nord
6527 Burgbernheim
6627 Rothenburg ob der Tauber
6638 Schwandorf
6741 Cham West
6830 Gunzenhausen
6831 Spalt
7037 Kelheim
7040 Pfatter
7041 Münster
7233 Neuburg a.d.Donau
7235 Vohburg a.d.Donau
7329 Höchstädt a.d.Donau
7530 Gablingen
7627 Ichenhausen
7637 Erding
7736 Ismaning
8035 Sauerlach
8132 Weilheim i.OB
8138 Rosenheim
8140 Prien a.Chiemsee
8141 Traunstein
8233 Iffeldorf
8327 Buchenberg
8328 Nesselwang West
8339 Oberaudorf
Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Lebensraum und Lebensweise

Brutplätze des Purpurreihers in Bayern sind stark verlandete, mit dichter Schilf- und Weidenvegetation bestandene Altwässer und Seeufer. Regelmäßig werden auch Teichgebiete mit großflächiger Schilfverlandung besiedelt. Vereinzelte Bruten wurden auch aus Verlandungs- und Ufervegetation von Stauhaltungen bekannt, so z.B. am Unteren Inn oder an der Donaustauhaltung bei Straubing, an der 1996 ein Purpurreiherpaar in einer gemischten Kolonie zusammen mit Nacht- und Seidenreihern auf einer im Wasser stehenden Weide brütete.

Phänologie

Sehr seltener Brutvogel (-gast), Durchzügler, Langstreckenzieher.

Wanderungen: Heimzug APR/MAI, Dismigration der Jungvögel bis AUG, gerichteter Abzug AUG bis OKT.

Brut: Boden- und Freibrüter, die Nester stehen im dichten Schilf oder auf niedrigen Büschen und Bäumen im Schilf. -- Brutzeit: APR/MAI bis AUG.

Tagesperiodik: Überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, Balz und Nahrungssuche während der Brutzeit auch tags.


Brutzeit-Diagramm
Dunkle Sektorenfarbe weist auf die Hauptbrutzeit der Art in Bayern hin.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

Der Bestand des Purpurreihers ist in Bayern vom Aussterben bedroht. Die wenigen Brutpaare unterliegen einem unverändert hohen Risiko durch Störungen oder Brutplatzverlust.

In Struktur und Ausstattung geeignete Brutplätze stehen in Bayern grundsätzlich nur an wenigen Stellen zur Verfügung.

Der Purpurreiher ist eine äußerst störempfindliche Art. Freizeitaktivitäten, Fischerei oder Angelsport in der Nähe seines Neststandortes veranlassen ihn spätestens im darauffolgenden Jahr zur Aufgabe des Brutplatzes.

Die Erlaubnis zum Abschuss von Graureihern kann wegen leichter Verwechslungsmöglichkeit auch Purpurreiher gefährden, die bis Oktober in Bayern beobachtet werden.

Für den Langstreckenzieher kommen Gefährdungen außerhalb des Brutgebietes hinzu, z.B. lange Dürreperioden im westafrikanischen Überwinterungsgebiet.

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

Sicherung von störungsfreien Altwasserufern und -auen entlang der Donau und anderen großen Flüssen.

Anlage und Schutz von Verlandungszonen an Gewässern.

Bei Windenergienanlagen: Prüfbereich von 1.000 m um bekannte Neststandorte; Prüfbereich von 4.000 m für regelmäßig aufgesuchte Nahrungshabitate um geplante Windenergienanlagen, innerhalb derer zu prüfen ist, ob und in welchem Umfang die Zugriffsverbote nach § 44 Abs. 1 BNatschG erfüllt sind.

Sonstige Hinweise

Purpurreiher sind vor allem im Schilf und in dichter Verlandungsvegetation nicht leicht zu entdecken. Das gilt auch für Brutplätze, so dass sich bei Anwesenheit von Altvögeln zur Brutzeit in geeignetem Gelände vorsichtige (!) Kontrolle oder besser geduldiges Beobachten empfiehlt. Störungen an mutmaßlichen Nestern sind unbedingt zu vermeiden.

Ergänzende Informationen

Wahl, J., S. Garthe, T. Heinicke, W. Knief, B. Petersen, C. Sudfeldt & P. Südbeck 2007: Anwendung des internationalen 1%-Kriteriums für wandernde Wasservogelarten in Deutschland. Ber. Vogelschutz 44: 83-105.

Wahl, J. & T. Heinicke 2013: Aktualisierung der Schwellenwerte zur Anwendung des internationalen 1%-Kriteriums für wandernde Wasservogelarten in Deutschland. Ber. Vogelschutz 49/50: 85-97.

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