Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Lilienblättrige Becherglocke (Adenophora liliifolia)

Rote Liste Bayern: Vom Aussterben bedroht
Rote Liste Deutschland: Vom Aussterben bedroht
Erhaltungszustand Kontinental: Ungünstig/schlecht
Erhaltungszustand Alpin:
561752
Foto: Wolfgang Lorenz

Verbreitung und Bestandssituation

Der weltweite Verbreitungsschwerpunkt von Adenophora liliifolia liegt zwischen dem Altaigebirge und der Ukraine. (Süd)Östlich davon kommt die Art nur sehr zerstreut vor; die westlichsten Fundpunkte liegen in den schweizerischen Südalpen. In Deutschland beschränken sich die ungleichmäßig verteilten Teilpopulationen auf 3 Messtischblätter in Bayern im Bereich der unteren Isar und der Isarmündung.

Die dramatischen Bestandseinbrüche in den 1980er Jahren konnten zum Teil gestoppt werden; die Art ist aber weiterhin auf Artenhilfsmaßnahmen angewiesen.

Fundortkarte

Lilienblättrige Becherglocke (Adenophora liliifolia)

Nachweise ab 1980



Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

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Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1980

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
7242 Wallersdorf
7243 Plattling
7244 Osterhofen
Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Lebensraum und Lebensweise

Die kontinentale Art kommt in Bayern auf wechseltrockenen bis wechselnassen, optimalerweise lichten bis halbschattigen Standorten mit mäßig nährstoff- und basenreichen (kalkhaltigen) Böden vor (Hartholzaue, Pfeifengraswiesen, Grassäume). Es handelt sich um sandig-lehmige bis tonige und kiesige Böden.

Die Blütezeit liegt in Bayern zwischen Mitte Juli und Anfang September. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten (meist Hummeln und Bienen). Die Samen reifen spät, werden zunächst über Windstreu gering, dann aber eventuell durch Tiere entlang von Wegen etc. weiter verbreitet. Die Keimung dauert ca. 8 bis 11 Wochen; die Keimungsrate kann in Zucht bis zu 80% erreichen.

Die Pflanzen können sich nur unter konkurrenzarmen Bedingungen behaupten und reagieren negativ auf Mahd während der Vegetationszeit.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

  • Beschattung /Ausdunkelung,
  • Isolation der Bestände (Genetischer Flaschenhals),
  • Begradigung und Festlegung der Flüsse,
  • Aufforstung und Verbrachung von Streuwiesen, Säumen und Lichtungen,
  • Eutrophierung,
  • Konkurrenzdruck, v.a. Neophyten wie Solidago spec.,
  • Veränderungen im Wasserhaushalt,
  • Entnahme oder mutwillige Zerstörung,
  • Schädigung durch Wildverbiss (Reh, Feldhase).

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

Aufgrund der relativ geringen Individuenzahl und dem stark eingeengten Areal in Deutschland, müssen die bekannten Vorkommen in jedem Fall erhalten bleiben. Weitere Sicherungsmaßnahmen sind vor allem

  • Flächenankauf
  • Erhaltungszucht in der Stadtgärtnerei Straubing (erfolgreich vollzogen)
  • Mahdeinschränkungen (bis Ende Oktober)
  • Lichte bis halbschattige Lichtverhältnisse im Wald schaffen, z.B. durch Mittelwaldbewirtschaftung
  • Offenhaltung von Wald- und Wegrändern
  • Reduzierung des Wildbestands

Sonstige Hinweise

Stark variierende Blattformen sind Ausdruck von Phänotypen und deuten auf die Heterogenität der Art; populationsgenetische Untersuchungen fehlen noch.

Seit Anfang der 1990er Jahre findet ein intensives Monitoring der Bestände statt.

Ergänzende Informationen

Literatur

Gaggermeier, H. (1991): Die Waldsteppenpflanze Adenophora liliifolia (L.) A. DC. in Bayern. - Hoppea, Denkschr. Regensb. Bot. Ges. 50:287-322.

Scheuerer, M. & Späth, J. (2005): Erfolgreiche Artenhilfsmaßnahmen für die in Deutschland vom Aussterben bedrohte Adenophora liliifolia (Campanulaceae). - Hoppea, Denkschr. Regensb. Bot. Ges. 66:503-531.

Ssymank, A. & Scheuerer, M. (2005): Adenophora liliifolia (L.) DC. - in: Petersen, B. & Ellwanger, G (Hrsg.): Das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000. Band 3. - Schriftenr. Landschaftspflege u. Naturschutz 69(3):19-28.

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