Artenhilfsprogramm Großer Brachvogel und Kiebitz im „Königsauer Moos“ Erfassung der Bestände der Wiesenbrüter im SPA-Gebiet 7341-471 Teilgebiete 01 und 02 sowie Durchführung von Gelege-schutzmaßnahmen im Jahr 2025 im Landkreis Dingolfing-Landau Ergebnisbericht

Zusammenfassung
Im Isartal im Landkreis Dingolfing-Landau, finden seit dem Jahr 1986 Kartierungen der Wiesenbrüter statt. Die Ergebnisse dieser jährlichen Erfassungen dienen als Grundlage zur Lokalisierung der jährlichen Brutplätze und Reviere um dort gezielte Schutz- und Artenhilfsmaßnahmen durchzuführen. Außerdem sind sie Grundlage zur Aktualisierung und Anpassung der Pflege von Flächen und zur Durchführung von Entwicklungsmaßnahmen innerhalb des SPA-Gebietes „Wiesenbrütergebiete im Unteren Isartal“ [7341-471], Teilgebiet „Königsauer Moos“. Dabei steht neben der Durchführung von speziellen Entwicklungsmaßnahmen von Flächen für Wiesenbrüter auch die extensive Pflege von Landkreisflächen sowie von Flächen, die über Bewirtschaftungsvereinbarungen gemäß den Vorgaben des Vertragsnaturschutzprogrammes genutzt werden oder im Besitz der öffentlichen Hand liegen, im Vordergrund. Das Hauptaugenmerk der Erfassung wurde auch im Jahr 2025 auf die im Gebiet brütenden Wiesenbrüter Großer Brachvogel Numenius arquata und Kiebitz Vanellus vanellus gelegt. Diese sogenannten Leitarten reagieren empfindlich auf Veränderungen in Ihren Lebensräumen, bewirken einen Mitnahmeeffekt für zahlreiche weitere Arten und anhand ihrer Ansprüche lassen sich Schutzziele formulieren sowie konkrete Maßnahmen ableiten. Wie in den Vorjahren, wurde auch im Jahr 2025 das ca. 920 ha große Brachvogel-Untersuchungsgebiet „Königsauer Moos“ untersucht. Dies ist ein Teilgebiet des BayernNetzNaturgebietes „Königsauer Moos“ und liegt zwischen Moosthenning und Töding. Es wurden 38 Brutpaare des Großen Brachvogels nachgewiesen, fünf Brutpaare weniger als im Vorjahr 2024. Davon konnten bei 16 Paaren Gelege und davon bei 14 Paaren Schlupferfolg nachgewiesen werden. Für 22 Paare bestand Brutverdacht Brutstatus B. Der Bestandstrend ist im Vergleich zu den letzten Jahren leicht negativ. Langfristig liegt der Wert jedoch über den Beständen der Jahre 1980/1986 bis 2008. In der Zeitspanne 2009 bis 2018 waren die Bestandszahlen jedoch größer mit jährlich mindestens 43 Brutpaaren mit dem Höhepunkt im Jahr 2012 mit 60 Brutpaaren. Für den Zeitraum der letzten 10 Jahre 2016–225 lässt sich ein Bestandsrückgang von ca. 30 % konstatieren. In den beiden Großzäunen im Königsauer Moos nördlich des Behrhofes Großzaun West und nördlich des ehemaligen Modellflugplatzes, östlich der Kreisstraße DGF 15 Großzaun Ost, wurden wie in 2024 vier und drei Brutpaare festgestellt. Zusätzlich wurden im UG Königsauer Moos 16 Gelege einzeln gezäunt. Bei den sieben im Jahr 2025 festgestellten Brachvogel-Brutpaaren in den beiden Großzäunungen, konnte über das Registrieren von Kükenwarnrufen bei mindestens vier Paaren ein Schlupferfolg ermittelt werden ca. 57 % der Brutpaare. Bei 14 der 16 gezäunten Einzelgelege im UG Königsauer Moos wurde im Jahr 2025 der Schlupf von insgesamt 47 Küken nachgewiesen 87,5 % Schlupferfolg der Brutpaare. Von den vier einzeln gezäunten Nestern im Gebiet Parzen siehe unten kam es nur bei einem zu Schlupferfolg. Im Gegensatz dazu wird für die Brutpaare, die in den beiden Gebieten ihre Nester außerhalb der Großzäune besaßen und bei denen auch kein Einzelgelegeschutz stattfand, wie in den Vorjahren auch für das Jahr 2025 von einem vollständigen Verlust der Gelege und keinem Schlupferfolg ausgegangen. Sowohl Groß- als auch Einzelzäune haben einen hohen Wert um den Bruterfolg zu sichern. Auch zu einem späteren Stadium, kurz vor dem rechnerischen Erreichen der Flugfähigkeit der Jungvögel konnten Kükenwarnrufe sowohl in den Revieren der Paare, deren Gelege mit Einzelzäunen geschützt wurden als auch bei den Revieren innerhalb der Großzäunungen registriert werden. Dagegen ebbte in den übrigen Revieren der wenige Kükenalarm in beiden Gebieten und hier insbesondere in den Randbereichen des Wiesenbrüterschutzgebietes, relativ schnell nach dem Schlupf wieder ab. Zwölf flügge Jungvögel konnten im Jahr 2025 im UG Königsauer Moos festgestellt werden Bruterfolg: 0,32 flügge Jungvögel/Brutpaar, die alle nachweislich bzw. mit hoher Wahrscheinlichkeit aus einzeln gezäunten Gelegen sowie den Großzäunungen hervorgingen. Die in der Literatur angegebene erforderliche Reproduktionsrate von 0,4 flüggen Jungvögeln pro Brutpaar wird im Königsauer Moos bereits seit dem Jahr 2011 nicht mehr erreicht die Reproduktionsrate der Jahre 2011 bis 2024 lag im Schnitt bei 0,14 flüggen Jungvögeln/Brutpaar pro Jahr, obwohl seit mehreren Jahren aufwändige unterstützende Maßnahmen unterschiedlicher Art umgesetzt werden, um den Bruterfolg zu erhöhen. Da als sehr wahrscheinlicher hauptverantwortlicher Faktor für den ausbleibenden Bruterfolg weiterhin das hohe Prädationsrisiko im Gebiet anzunehmen ist, ist eine Zäunung größerer Flächen in Kombination mit Einzelschutzzäunungen derzeit das einzige probate Mittel um Gelegeverlusten vorzubeugen. Als weitere Hauptgefährdungsursachen müssen für das Gebiet auch die insbesondere in den Randbereichen aber auch teilweise im Kerngebiet vorliegende, intensive Flächennutzung mit mehrschürigem Wirtschaftsgrünland und Intensiväckern innerhalb des SPA-Gebietes und die damit entstehende Gefährdung insbesondere der Küken bei der Mahd sowie die Fragmentierung des Lebensraumes und menschliche Störungen genannt werden. Im Vergleich mit anderen Wiesenbrütergebieten, wie z. B. dem Donaumoos oder dem Altmühltal, ist im Königsauer Moos der Anteil von Ackerflächen und intensiv genutztem Grünland aber besonders gering RUPPRECHT 2022. Im Untersuchungsgebiet „Parzen“ Töding bis Großköllnbach wurden im Jahr 2025, wie im Vorjahr, sieben Brutpaare des Großen Brachvogels und damit ein Brutpaar weniger als in 2023 und zwei Brutpaare weniger als in 2022 ermittelt. Zuletzt wurde dieser Wert im Jahr 2012 erreicht. Damit bedeutet der Bestand 2025 die zweitgeringste Anzahl an Brutpaaren im Zeitraum 2008 bis 2025. Laut den vorliegenden Aufzeichnungen lag der Bruterfolg nur im Zeitraum 2015 bis 2019 über der erforderlichen Reproduktionsrate. 2025 konnten im Gegensatz zum Vorjahr 2024 keine flüggen Jungvögel beobachtet werden. In den beiden Kiebitz-Untersuchungsgebieten „Unteres Moos“ ca. 183 ha und „Parzen“ ca. 325 ha im westlichen und östlichen Teil des SPA-Vogelschutzgebietes, wurden in 2025 Jahr 2025 27 Brutpaare bzw. 21 Brutpaare erfasst. Damit war der Bestand wieder etwas höher als im Vorjahr 2024, dem Jahr mit dem niedrigsten Brutbestand seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2008. In beiden Gebieten entwickelten sich die Kiebitzbestände in den letzten Jahren stark negativ. Mit 15 flüggen Jungvögeln im Untersuchungsgebiet „Unteres Moos“ existiert im Jahr 2025, ein im Vergleich mit dem Vorjahr 2024 deutlich höherer Wert. Die Zahl für das Gebiet „Parzen“ liegt mit vier flüggen Jungvögeln auf ähnlich niedrigem Niveau wie in den Vorjahren. Als weitere naturschutzfachlich bedeutsame Vogelarten bzw. Arten, die nach Anhang I der Vogelschutz-Richtlinie geschützt sind und im Gebiet vorkommen, wurden in 2025 neben einem Revier der Grauammer, einzelne oder mehrere Reviere unter anderem der Arten Blaukehlchen, Neuntöter, Rebhuhn, Rohrweihe, Wiesenschafstelze und Wachtel ermittelt. In dem Bericht 2025 sind aufgrund des eingeschränkten Beauftragungs-Umfanges u. a. keine Ausführungen zu Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensraumsituation und zu direkten Schutzmaßnahmen für die Wiesenbrüter mit Fokus auf den Großen Brachvogel aufgeführt. Hierzu wird auf den Bericht des Vorjahres 2024 verwiesen.
Erstellt am: 01.12.2025
