Landesbund für Vogelschutz in Bayern e. V. LBV
2025

Artenhilfsprogramm Wiesenweihe Circus pygargus in Bayern - Jahresbericht 2025

Unveröffentlichtes Gutachten im Auftrag von: Bayerisches Landesamt für Umwelt, 52 Seiten, Augsburg
Landkreise: Bayern
Artengruppe:
Vögel
Stichwörter:
landwirtschaftliche Nutzfläche, Sekundärhabitat, Getreidefelder, Brutplatzschutz, Bruterfolg, Ehrenamt
Landkreis(e):
Bayern
Auftraggeber:
Bayerisches Landesamt für Umwelt

Zusammenfassung

Anfang der 1990er Jahre galt die Wiesenweihe in Bayern aufgrund des zunehmenden Verlusts ihres Primärhabitats als „vom Aussterben bedroht“. Die Trendwende brachte der intensive Schutz von Wiesenweihenbruten in ihrem damals neuen Sekundärhabitat auf landwirtschaftlichen Nutzflächen, vor allem in Getreidefeldern. Zunächst durch einzelne, engagierte Vogelschützer gemeinsam mit Behörden und Landwirten, seit dem Jahr 2000 im Rahmen eines Artenhilfsprogramms des Bayerischen Landesamts für Umwelt, das seit 2005 vom Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e.V. LBV umgesetzt wird. Aufgrund der gemeinsamen Bestrebungen, der Kooperation mit den Landnutzern und dem hohen Engagement der Ehrenamtlichen kommt es zu einer positiven Bestandsentwicklung. So kann die Wiesenweihe auf der Roten Liste der bayerischen Brutvögel seit 2016 zu den Arten der Kategorie „extrem seltene Arten und Arten mit geografischer Restriktion“ geführt werden Rudolph et al. 2016. Kein anderes Bundesland Deutschlands verzeichnet eine so deutliche Bestandssteigerung der Wiesenweihe ILLNER 2015. Nichtsdestotrotz wird die Wiesenweihe auf europäischer Ebene auch weiterhin als Vogelart mit abnehmender Population eingeschätzt Keller et al. 2020. Dies verdeutlicht, wie wichtig der Erhalt des bayerischen Bestands als Quell- und Spenderpopulation in Mitteleuropa ist. Gleichzeitig gilt nach wie vor: Der Brutplatzschutz – hauptsächlich durchgeführt von knapp 100 Ehrenamtlichen in Bayern – ist derzeit Voraussetzung für den Fortbestand der Wiesenweihe, als erfolgreicher Brutvogel in Bayern. Seit Beginn des Artenhilfsprogramms vor über 20 Jahren, hat sich die Populationsgröße in den letzten zehn Jahren bei durchschnittlich 220 Brutpaaren in ganz Bayern stabilisiert. Das Artenhilfsprogramm Wiesenweihe wurde 2025 vor große Herausforderungen gestellt: Mit den starken Haushaltskürzungen im Jahr 2025, war bis weit in die Feldsaison unklar, ob eine Finanzierung der Zahlungen an die Landwirtinnen und Landwirte durch Gelder der zuständigen Naturschutzbehörden erfolgen können. Somit stand eine erfolgreiche Umsetzung der Schutzmaßnahmen, wie sie seit vielen Jahren etabliert ist, lange auf der Kippe. Die erforderlichen Gelder wurden schließlich noch rechtzeitig vor der Ernte verbindlich zugesagt. Die Gesamtsituation führte zu Unsicherheiten, personellen Engpässen und großen Mehrbelastungen im Management rund um die Vogelart. Insbesondere die Ehrenamtlichen bemängelten die späte Zusage der Gelder und diesbezüglich zögerliche Kommunikation, da die Vermittlung der Schutzmaßnahmen an die Landwirtinnen und Landwirte nur unter Vorbehalt geschehen konnte. Von Seiten der Landwirtschaft wurde der Situation meist mit Verständnis begegnet - die Problematik war in vielen Fällen bereits über die fehlende Finanzierung von Agrarumweltmaßnahmen bekannt. In der Brutsaison 2025 kam es zu einem deutlichen Rückgang bei der Anzahl der Brutpaare und flüggen Jungvögel. Ursache hierfür war ein markanter Nahrungsmangel als Folge des Zusammenbruchs der Feldmaus-Population nach dem Gradationsjahr 2024. Im Jahr 2025 konnten in Bayern 207 Brutpaare und 423 flügge Jungvögel erfasst werden. Zum Vergleich: Im Vorjahr wurden 272 Brutpaare festgestellt, die 695 flügge Jungvögel zum Ausflug brachten. Die Fortpflanzungsrate und der Bruterfolg lagen mit 2,04 und 2,98 lagen deutlich unter den Vorjahreswerten 2024: 2,56 und 3,13. Der Anteil an erfolgreichen Brutpaaren, welche mindestens einen flüggen Jungvogel hervorbrachten, betrug 69 %, was im Durchschnitt seit Einrichtung des AHP liegt. Die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im AHP Wiesenweihe beteiligten sich nach Anfragen und Aufforderung der Behörden beratend an verschiedenen, laufenden Eingriffsverfahren in den Wiesenweihenbrutgebieten. Der Wiesenweihenschutz in Bayern ist im hohen Maße abhängig vom Ehrenamt. Insbesondere in Franken liegt der Schutz eines Großteils der Brutgebiete in der Hand weniger ehrenamtlicher Betreuerinnen und Betreuer. Einige dieser Ehrenamtlichen können oder wollen seit einigen Jahren aus verschiedenen Gründen weniger Zeit und Energie in den Wiesenweihenschutz investieren. Doch auch im Nördlinger Ries wird es in Zukunft notwendig sein, eine hauptamtliche Koordinationsstelle einzurichten und eine Unterstützung bei der Erfassungs- und Schutzarbeit zur Verfügung zu stellen. Die Unterstützungsanfragen an die AHP Koordination haben vor allem in der Saison 2023 drastisch zugenommen und hielten auch 2025 an. Durch den verstärkten Einsatz von Saisonkräften konnten Engpässe bei Erfassungs- und Schutzarbeiten aufgefangen werden. Um jedoch auch weiterhin die Kartierung und den Schutz der Wiesenweihenbruten gewährleisten zu können, konnte das ausgebaute Ehrenamtsmanagement bereits erste Maßnahmen ergreifen. Diese müssen in Zukunft weiter ausgebaut werden. Eine Drohne mit Wärmebildkamera – wie sie im Nördlinger Ries bereits seit Jahren erfolgreich durch den Ehrenamtlichen Konrad Bauer zum Einsatz kommt – kann Erfassung und Kontrolle der Bruten erleichtern. Seit 2022 wird eine LBV-eigene Drohne bei der Erfassungsarbeit eingesetzt. Hierdurch konnten die Ehrenamtlichen in den Hochphasen der Brutsaison entlastet werden. Weiter kann durch die Kontrolle aus der Luft durch ausbleibende Spurenlegung das Prädationsrisiko reduziert werden. Eine wichtige Aufgabe des AHP ist es, über die Artansprüche der Wiesenweihe, sowie die erforderlichen Schutzmaßnahmen aufzuklären. Eine umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit trägt nicht nur zum Verständnis für Schutzmaßnahmen unter der lokalen Bevölkerung und den Landwirtinnen und Landwirte bei, sondern ist auch notwendig, um neue Ehrenamtliche als Unterstützung im Wiesenweihenschutz zu finden. Trotz der im Durchschnitt hohen Bestandszahlen bleibt die Wiesenweihe derzeit weiterhin stark von den Schutzmaßnahmen im Rahmen des AHP abhängig. Um den zukünftigen Herausforderungen im Wiesenweihenschutz begegnen zu können, müssen haupt- und ehrenamtliche Kapazitäten entsprechend ausgebaut und neu eingeteilt werden.

Erstellt am: 15.12.2025