Landesbund für Vogelschutz in Bayern e. V. LBV
2025

Artenhilfsprogramm Ortolan Emberiza hortulana in Bayern - Abschlussbericht 2023–2025

Unveröffentlichtes Gutachten im Auftrag von: Bayerisches Landesamt für Umwelt, 58 Seiten, Augsburg
Landkreise: Kitzingen, Schweinfurt, Würzburg
Artengruppe:
Vögel
Stichwörter:
Bestandsrückgang, Schutzmaßnahmen, Landwirtschaft, Eingriffsverfahren, Öffentlichkeitsarbeit, Arbeitsgruppe Ortolanschutz
Landkreis(e):
Kitzingen, Schweinfurt, Würzburg
Auftraggeber:
Bayerisches Landesamt für Umwelt

Zusammenfassung

Der Ortolan Emberiza hortulana gehört zu den Feldvogelarten, die in den letzten Jahrzehnten besonders starke Bestandsrückgänge zu verzeichnen haben. In Bayern ist er vom Aussterben bedroht und kommt nur noch in den Landkreisen Würzburg, Schweinfurt und Kitzingen vor. Um die Restbestände zu stabilisieren, koordiniert und implementiert der Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e.V. LBV seit 2006 das Artenhilfsprogramm AHP Ortolan im Auftrag des Bayerischen Landesamts für Umwelt LfU. Das AHP konzentriert sich auf die Umsetzung von Schutzmaßnahmen in den Ortolangebieten in Zusammenarbeit mit Landwirtinnen und Landwirten. Zusätzlich umfasst das AHP auch Bestandsmonitoring, Beteiligung an Eingriffsverfahren in Ortolangebieten sowie Öffentlichkeitsarbeit. Im vorliegenden Abschlussbericht wird über den Vertragszeitraum 2023 bis 2025 informiert. Der Bestand wurde seit 2006 in zunächst acht, seit 2017 dann in zehn Probeflächen jährlich erfasst. Die seither festgestellten Revieranzahlen liegen für die acht langjährig erfassten Probeflächen zwischen 44 und 104. Im Jahr 2023 wurden 64 Reviere festgestellt, 2024 noch 54 Männchen und in diesem Jahr waren es nur noch 44 Reviere. Dieser Wert ist der tiefste Stand seit Beginn des AHPs vor 20 Jahren. Die zwei seit 2017 neu hinzugekommenen Probeflächen Hemmersheim und Järkendorf sind in diesen Zahlen nicht enthalten. In der Probefläche Järkendorf gab es 5 Reviere, zwei mehr als im Vorjahr. In der Probefläche Hemmersheim wurde seit 2022 keine Ortolane mehr nachgewiesen. Dieses - bei reiner Betrachtung der Probeflächen sehr alarmierende - Ergebnis muss allerdings relativiert werden, denn teilweise lässt sich dieser Rückgang durch eine Verlagerung der Vorkommen auf Gebiete direkt außerhalb der Probeflächen erklären, welche in den langjährigen Vergleichen nicht mitgezählt werden. Während die Probeflächen in früheren Jahren tatsächlich die größten Ortolanvorkommen enthielten, hat sich hier einiges verändert und die Bestandsentwicklung rein innerhalb der Probeflächen spiegelt nicht unbedingt exakt die Entwicklung der Gesamtpopulation wider. Im Vertragszeitraum stand dem Ortolan bei seiner Ankunft im Brutgebiet jeweils eine große Auswahl an Brut- und Nahrungsflächen zur Verfügung. Im Jahr 2023 wurden auf 229 Flächen Schutzmaßnahmen mit einer Gesamtfläche von 75 Hektar umgesetzt. Im Folgejahr 2024 stieg die Zahl der Flächen auf 249 und die Gesamtfläche auf 104,5 Hektar, was einem Zuwachs von rund 30 Hektar entspricht. 2025 setzte sich der positive Trend fort: In der Brutsaison 2025 wurden auf 316 Flächen Schutzmaßnahmen mit einer Gesamtfläche von 150 ha umgesetzt, sodass sich die Gesamtfläche innerhalb der drei Jahre verdoppelt hat. Daran waren 83 kooperierende Landwirtinnen und Landwirte beteiligt. In den drei Jahren begleitete das AHP mehrere Eingriffsverfahren, die Ortolanlebensräume unmittelbar betreffen, dabei handelte es sich vor allem um den Bau von Photovoltaik-Freiflächenanlagen. Außerdem wurde erneut Einiges an Öffentlichkeitsarbeit zum Ortolan umgesetzt. Dazu zählen drei Veröffentlichungen, mehrere Vorträge, zwei Exkursionen sowie die Fortführung des ArtenschutzWein-Projekts. Anfang 2025 organisierte das AHP Ortolan Team in Würzburg einen Expertenworkshop, bei dem sich Ortolanfachleute aus ganz Deutschland austauschten. Hierbei wurden die neuesten Erkenntnisse zu den Themen landwirtschaftliche Maßnahmen, Monitoring, Prädation und Eingriffsverfahren diskutiert. Um die regionalen Bemühungen künftig stärker zu bündeln und die Energie der einzelnen Akteure zu vereinen, wurde dort die Arbeitsgruppe Ortolanschutz Deutschland gegründet.

Erstellt am: 02.01.2026