Die Große Hufeisennase in Bayern

In der Oberpfalz lebt die gegenwärtig einzige bekannte Wochenstubenkolonie der Großen Hufeisennase (Rhinolophus ferrumequinum) in Deutschland. In den 1980er Jahren wurden in den als Winterquartier dienenden Jurahöhlen noch neun bis zwölf Tiere der Art gefunden. Hierauf begründete sich die Hoffnung, dass womöglich noch eine Wochenstube existieren könnte. 1992 wurden zwei Weibchen durch die Koordinationsstelle für Fledermausschutz in Nordbayern telemetriert und das bis zu diesem Zeitpunkt unbekannte Wochenstubenquartier (21 adulte Weibchen mit zehn Jungtieren) entdeckt. Das nicht mehr bewohnte Anwesen wurde daraufhin von der Regierung der Oberpfalz angepachtet und ist heute als "Fledermaushaus Hohenburg" bekannt.

2008 konnte es durch die Gemeinde Hohenburg mit Mitteln des Bayerischen Naturschutzfonds, des Landkreises Amberg-Sulzbach und dreier Naturschutzverbände (BN, LBV, VSL) erworben werden. Im Jahr 2009 ermöglichte das "Konjunkturpaket II" der Bundesregierung die grundlegende Sanierung des einsturzgefährdeten Anwesens. Die Baumaßnahmen wurden eng auf den Fortpflanzungszyklus der Fledermäuse abgestimmt und von der Regierung der Oberpfalz, Höhere Naturschutzbehörde, fachlich begleitet. In das Artenhilfsprogramm sind auch der Bundesforst und die Umweltabteilung der amerikanischen Streitkräfte eingebunden, die Lebensraumverbesserungen und neue Quartiere auf einem nahe gelegenen Truppenübungsplatz geschaffen haben. Die Hufeisennasen honorierten alle diese Maßnahmen mit Rekordzahlen: 2011 konnten bereits 67 adulte Tiere im Quartiergebäude gezählt werden und nur zehn Jahre später ist die Wochenstube mit 341 Individuen auf mehr als das Fünffache angewachsen. 2021 wurden 137 Jungtiere geboren. Die Winterquartierzählungen zeigten mit 337 Individuen im Winter 2020/21 den bisher höchsten beobachteten Bestand. Auf einer Webcam lässt sich das Leben der Kolonie und das Aufwachsen der Jungtiere verfolgen.

Die Große Hufeisennase hat nicht nur ihre Wochenstubenkolonie vergrößert, sondern konnte sich in den letzten Jahren auch wieder in frühere Vorkommensgebiete ausbreiten. Während Mitte der 1990er Jahre nur mehr in zwei bis drei Höhlen Winternachweise gelangen, wurden in den vergangenen Jahren schon wieder in insgesamt 41 unterirdischen Quartieren überwinternde Große Hufeisennasen gefunden. Darunter sind auch Fernfunde in Entfernungen bis zu 80 km, hauptsächlich in der Fränkischen Schweiz, aber auch in westlicher, östlicher und südöstlicher Richtung. Das weist darauf hin, dass Tiere der gut geschützten Hohenburger Kolonie abwandern und sich ihren früheren Lebensraum in der Frankenalb wieder erschließen.

Die positive Bestandsentwicklung lässt sich auf langfristige Anstrengungen zum Schutz der Art zurückführen. Zur Verbesserung der Quartiersituation und des Quartierverbundes – die Große Hufeisennase ist auf geräumige Dachböden mit freiem Einflug angewiesen – wurden bereits 2003 bis 2006 etwa 90 Gebäude im näheren und weiteren Umkreis um die Wochenstube inspiziert. An 20 Gebäuden wurden in der Folge konkrete Verbesserungen der Einflüge vorgenommen. Von 2012 bis 2018 hat der Landesbund für Vogelschutz in Bayern e. V. ein EU Life+-Projekt "Große Hufeisennase in der Oberpfalz – Optimierung der Habitate und der Öffentlichen Wahrnehmung" durchgeführt. Assoziierter Partner war die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) – Bundesforstbetrieb Hohenfels, welcher Maßnahmen auf dem Truppenübungsplatz Hohenfels umsetzte. Gefördert wurde das Projekt durch den Bayerischen Naturschutzfonds und den Naturpark Hirschwald.

Im Zuge dessen wurde das "Fledermaushaus Hohenburg" als Besucherzentrum ausgestattet und über das Life+-Projekt konnten auf etwa 70ha Fläche Jagdlebensräume in Form von ökologischer Rinderbeweidung, neu angelegter Streuobstflächen und lichter Waldweideflächen geschaffen und aufgewertet werden. Der Erfolg des Projektes erhielt aus weiten Kreisen große Anerkennung und wurde letztlich sogar als Projekt des Jahres 2019 der "UN-Dekade Biologische Vielfalt" ausgezeichnet.

Im Rahmen des Artenhilfsprogramms Große Hufeisennase ließ das LfU darüber hinaus umfangreiche Nahrungsanalysen durchführen, um eine mögliche Abhängigkeit der Großen Hufeisennase von bestimmten Insektenarten feststellen zu können. Dabei konnte festgestellt werden, dass die Hauptbeute der Großen Hufeisennasen die drei Beutetierordnungen der Käfer, Schmetterlinge und Zweiflügler bildeten. Dem Gelbbraunen Brachkäfer Rhizotrogus cicatricosus kommt eine Schlüsselrolle in der kritischen Zeit nach dem Winterschlaf und während der Trächtigkeit der Weibchen für das Überleben der Großen Hufeisennasen an diesem Standort zu. Die Hauptbeute im Herbst waren Dungkäfer der Gattung Aphodius und Mistkäfer der Gattung Geotrupes. Die Schmetterlinge und Zweiflügler waren in den Beutespektren der drei Untersuchungsjahre bis Mitte Mai nur mit geringen bis mittleren Nachweiswerten vertreten. Erst ab Anfang Juni spielten sie in allen drei Untersuchungsjahren eine nennenswerte Rolle. Beide Insektenordnungen prägten das Sommerbeutespektrum der Großen Hufeisennasen aus Hohenburg und erreichten bis in den Herbst hinein hohe Nachweisraten.

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