Immissionsschutzanforderungen an Tierwohlställe in Bayern

Projekttitel

Immissionsschutzanforderung bei der Errichtung von Tierwohlställen in Bayern – Schwerpunkt Schweinehaltung.

Kurzbeschreibung

Nachdem die Entwicklung bei der Schweine- und Geflügelhaltung in den letzten Jahrzehnten hauptsächlich unter dem Fokus einer möglichst kosteneffizienten Produktion lag, steigt gegenwärtig der gesellschaftliche Anspruch nach mehr Tierwohl und umweltgerechteren Produktionsverfahren. Ersteres wurde nun sowohl von der Politik, als auch vom Handel durch gezielte Förderungsmaßnahmen für sog. "Tierwohlställe" aufgegriffen. Eine Umstellung von zwangsgelüfteten Stallungen mit guten Ableitbedingungen (Kamine teilweise mit Abgasreinigungsanlagen) hin zu frei gelüfteten Ställen mit bodennahen Emissionsquellen, z.T. mit Auslauf, kann jedoch zu einem höheren Belastungspotential insbesondere für Geruch in der näheren Umgebung führen. Bei den Ammoniakemissionen kann derzeit nicht ausgeschlossen werden, dass durch die Zunahme von verschmutzen Flächen auch die Emissionen steigen. Dabei sind gerade in diesem Bereich zukünftig hohe Minderungsziele von der EU für Deutschland vorgegeben (NERC-RL 2003/35/EG vom 08.12.2016).

Bayern hat bereits eine große Zahl von Offenhaltungen, die meist im Zuge von Ökohaltungen bei kleineren Beständen in den letzten Jahrzehnten genehmigt wurden. Derzeit kommen auch bei größeren Bestandgrößen Umstellungen, Erweiterung und Neuanlagen hinzu.

Bundesweit gibt es keine einheitliche Vorgehensweise, wie diese Anlagen aus immissionsschutzfachlicher Sicht bewertet werden sollen. Ebenso gibt es kaum Untersuchungen, durch welche technischen Maßnahmen und Managementvorgaben die Emissionen bei diesen Stallsystemen gemindert werden können.

Im Projekt "Immissionsschutzanforderungen bei der Errichtung von Tierwohlställen in Bayern" werden Immissionen von bestehenden Tierwohlställen im Bereich der Schweinehaltung erfasst, bewertet und mit Immissionsprognosen verglichen. Auf eine intensive Zusammenarbeit mit ähnlich gelagerten Projekten und einem offenen Erfahrungsaustausch mit Experten aus der Landwirtschaft und Veterinären, sowie aus dem Bereich Grundwasserschutz wird besonders Wert gelegt.

Zielsetzung und Untersuchungsprogramm

Das Projekt "Immissionsschutzanforderungen bei der Errichtung von Tierwohlställen in Bayern – Schwerpunkt Schweinehaltung" soll Wege zur Genehmigungsfähigkeit von Tierwohlställen aufzeigen. Das Untersuchungsprogramm gliedert sich folgendermaßen:

  • Vertiefte Recherche zu bereits bestehenden Tierwohlställen im Bereich Schweinehaltung in Bayern, um Kenntnisse über deren Immissionspotential zu erlangen.
  • Durchführung von Immissionsmessungen, u.a. Geruchsfahnenbegehungen, Polaritätsprofile und Ammoniak an drei bis vier Tierwohlställen.
  • Erstellung von Immissionsprognosen und Vergleich der max. ermittelten Geruchsfahne unter Einbeziehung der Beschwerdesituation bzw. der ermittelten Ammoniakimmissionskonzentrationen zur Abschätzung einer möglichst realistischen Mindestabstandsermittlung.

Durch die Zusammenführung der Recherche- und Untersuchungsergebnisse sollen Handlungs-empfehlungen für den Vollzug in Bezug auf eine einheitliche und rechtssichere Vorgehensweise bei der Genehmigung erstellt werden. Es werden Auflagenvorschläge für die Genehmigung definiert, um die Emissionen dauerhaft zu minimieren und schädliche Umwelteinwirkungen zu vermeiden. Im Hinblick auf den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit wird auch geprüft, ob für kleinere Tierwohlställe – ähnlich wie bei der bayerischen Rinderabstandsregelung – einfache Abstandsregelungen für die Geruchsbewertung zielführend sind.

Projektleitung

Bayerisches Landesamt für Umwelt, Referat 21
Ansprechpartner: Fabian Krischke

Projektbeteiligte

Bayerisches Landesamt für Umwelt, Referate 24, 71, 72, ggf. 52 sowie 91

Projektfinanzierung

Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz

Laufzeit

16.11.2020 bis 15.11.2023