Der Bau und Rückbau von Windenergieanlagen beanspruchen in der Regel große Flächen. Daher sollten bereits in der Vorplanung Maßnahmen zum Bodenschutz berücksichtigt werden. Hierzu zählen auch bauvorbereitende Arbeiten (z. B. Fällungen und Rodungen) sowie sonstige Vorerkundungen (z. B. Kampfmittelräumung und archäologische Sondagen).
Maßnahmen zum Bodenschutz sind vorwiegend von den Standortbedingungen am Ort der Baumaßnahme abhängig. Wichtige Standortbedingungen sind insbesondere das Relief, die Bodeneigenschaften, die Art der Bodennutzung sowie die Erschließung bzw. vorhandene Infrastruktur im Gebiet des Vorhabens.
Hinweise für die Planungsphase
- Zuwegungsplanung: Es sollte möglichst auf bestehende Infrastruktur zurückgegriffen werden, da Kranstellflächen und Baustraßen spätestens nach Betriebsende der Anlage wieder zurückzubauen und die Bodenfunktionen wiederherzustellen sind,
- Schutzmaßnahmen: Die Errichtung von WEA erfordert in der Regel eine Kombination von Maßnahmen zur Vermeidung von Bodenverdichtungen. Neben schwerlastfähigen Baustraßen (schwerer Wegebau und Kranstellflächen) kommen bedarfsweise auch leichte Wegebaumaßnahmen (Plattensysteme) auf temporären Arbeits- und Lagerflächen zum Einsatz,
- Vorbegrünung: Eine dichte Grasnarbe (Grünland) bzw. ein hoher Bedeckungsgrad (Acker) insbesondere für die Lager- und Kranauslegeflächen stabilisieren den Boden zusätzlich gegenüber Befahrungen außerhalb befestigter Flächen.
Bodenschutz bei der Bauausführung
- Witterungsangepasstes Arbeiten: Bodenarbeiten und Befahrungen auf ungeschützten Böden sollten möglichst bei geeigneter Bodenfeuchte („trocken“ bis maximal „feucht“ nach DIN 19639) stattfinden,
- Erdarbeiten und Bodenmanagement: Erforderlich sind ein schichtgerechter Ein- und Ausbau sowie fachgerechte Lagerung von Bodenmaterialien und eine möglichst hochwertige Wiederverwendung von überschüssigem Ober- und Unterboden bzw. Verwertung von Untergrundmaterial,
- Angepasste Fahrzeugtechnik: Einsatz von bodenschonenden Baufahrzeugen, bestenfalls kettenbetriebene und leichte Fahrzeuge außerhalb der befestigten Flächen.
Weitere Maßnahmen
- Größere Anlagen- und Bauteile erfordern größere Lager-, Zuwegungs- und Kranstell- und -Auslegeflächen sowie ggf. auch größere Fundamente. Dabei erfolgt die Errichtung von Auslege- oder Lagerflächen meist ohne direkten Bodeneingriff,
- Zur Herstellung von Kranstellflächen und schwerlastfähige Baustraßen sind häufig Bodenverbesserungen und -verfestigungen im Untergrund (z. B. mit Kalk-Zement oder Mischbindemittel) erforderlich. Bodenverbesserungen aus dem Bereich der Geotechnik sind aus bodenschutzfachlicher Sicht regelmäßig mit einem Verlust der Bodenfunktionen verbunden. Daher ist spätestens im Zuge des Rückbaus der Anlage eine Wiederherstellung dieser Funktionen mit geeigneten Maßnahmen anzustreben,
- Nach Abschluss der Baumaßnahme empfiehlt sich ggf. eine Rekultivierung der temporär genutzten Fläche. Beim Rückbau von WEA empfiehlt sich eine Wiederherstellung der durchwurzelbaren Bodenschicht der dauerhaft in Anspruch genommenen Flächen.
Es wird empfohlen, sich bei Planung, Genehmigung und Bau von Windenergieanlagen umfangreich zu informieren. Detaillierte Ausführungen finden sich z.B. im Energie-Atlas des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie sowie in der LABO-Arbeitshilfe - Bodenschutz bei Standortauswahl, Bau, Betrieb und Rückbau von Windenergieanlagen.
Weiterführende Informationen
- Energie-Atlas Bayern
- LABO Arbeitshilfe - Bodenschutz bei Standortauswahl, Bau, Betrieb und Rückbau von Freiflächenanlagen für Photovoltaik und Solarthermie
- Entwicklung eines Konzepts und Maßnahmen zur Sicherung einer guten Praxis bei Rückbau und Recycling von Windenergieanlagen
- Trinkwasserschutz bei Planung und Errichtung von Windenergieanlagen - Merkblatt Nr. 1.2/8


