Bayerische Klimawoche 11. bis 17. Juli 2009: Nr. 37 / Donnerstag, 16. Juli 2009

Landesamt-Präsident Göttle: Konsequente Seenreinhaltung ist wirksame Anpassung gegen Folgen des Klimawandels / Wissenschaftliche Studie zeigt: Tiefenwasser der Seen erwärmt sich um bis zu 0,2 Grad in zehn Jahren

(Augsburg) +++ Ammersee, Bodensee und Genfer See – sie haben eines gemeinsam: Ihre Wassertemperaturen in der Tiefe steigen. Eine wissenschaftliche Studie an zwölf großen und tiefen Seen ergab, dass sich das Tiefenwasser innerhalb von zehn Jahren von 0,1 bis 0,2 Grad erwärmt. Bei vorsichtiger Schätzung ergibt sich daraus eine Erwärmung um mehr als ein Grad innerhalb von 100 Jahren. Dieser Trend ist seit mehr als 20 Jahren nachweisbar und wird sich nachteilig auf den Stoffhaushalt der Seen auswirken, so das internationale Forscherteam. Denn die höheren Temperaturen in der Tiefe können zu unerwünschter Nährstoffanreicherung und schlechterer Sauerstoffversorgung im Sommer führen. Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) sieht dadurch jedoch keine Gefahr für die Wasserqualität der großen bayerischen Seen. "Ringkanäle an allen großen bayerischen Seen halten Abwasser zuverlässig von den bayerischen Seen fern und haben sich als großer Erfolg erwiesen. Eine konsequente Seenreinhaltung ist eine wirksame Anpassung an die Folgen des Klimwandels", sagte LfU-Präsident Albert Göttle heute anlässlich der bayerischen Klimawoche. Je besser die Reinhaltung der Seen, desto eher könnten die Gewässer mit den Folgen der Erwärmung fertig werden, so Göttle. In Bayern sorgen rund 300 Kilometer Ringkanäle für die Reinhaltung von 20 Seen und erfassen das Abwasser von mehr als 400.000 Einwohnern. Sie halten damit pro Jahr 25 Millionen Kubikmeter Abwasser von den Seen fern. Die noch vor 30 Jahren drohende Eutrophierung konnte damit gestoppt und vielfach sogar umgekehrt werden: In Gewässern wie dem Chiemsee oder dem Ammersee haben sich die Phosphorgehalte seitdem auf weniger als Drittel der damaligen Menge reduziert und liegen jetzt auf sehr niedrigem Niveau – ein wichtiger Gradmesser für den Erfolg der Seenreinhaltung. +++

Die meisten Seen in Bayern durchmischen zwei Mal im Jahr bei gleichmäßig niedrigen Wassertemperaturen: im Herbst und im Frühjahr. Die neue Studie ergab, dass sich der Wasserkörper vor allem im Frühjahr stärker als bisher erwärmt. Ursache dafür ist eine großräumige Wetterlage, die nordatlantische Oszillation. Sie hat in den letzten Jahrzehnten an Stärke und Häufigkeit zugenommen. Die Erwärmung verändert vor allem den Stoffhaushalt in mehr als 20 Metern Tiefe. Gravierendste Folge: Der Sauerstoffgehalt sinkt – mit zahlreichen Folgen für die Seen. Um dem entgegenzuwirken, müssen vor allem die Nährstoffgehalte und damit das Pflanzenwachstum begrenzt werden, so das LfU. Daher sind auch die Ringkanalisationen so wichtig: So ist es zum Beispiel am Bodensee gelungen, die Gehalte des Phosphors von über 80 Mikrogramm pro Liter Wasser (Ende der 70er Jahre) auf heute deutlich unter 10 Mikrogramm zu senken. Das entspricht einem Rückgang von rund 90 Prozent in 30 Jahren.

Weitere Informationen
Download der Studie: www.aslo.org/lo/toc/vol_51/issue_6/2787.pdf

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