Natur: Nr. 41 / Donnerstag, 30. Juli 2026

Ein Artenhilfsprogramm des LfU hilft der stark gefährdeten Kreuzkröte in Bayern
 

Ein Winzling, aus dem einmal eine fünf bis sieben Zentimeter große Kreuzkröte wird; Quelle Ein Winzling, aus dem einmal eine fünf bis sieben Zentimeter große Kreuzkröte wird; Quelle (Quelle: Stephanie Millonig/LfU)

Nicht einmal einen Zentimeter groß ist der kleine Hüpferling, der versucht, von Uli Meßlingers Hand zu krabbeln. „Kreuzkröten hüpfen nicht, sie laufen ähnlich wie eine Maus“, erklärt der Diplom-Biologe und zeigt auf die wuselige Jungkröte. Kreuzkröten nutzen temporäre Tümpel zum Laichen und freie Flächen für die Insektenjagd. Sand- und Kiesgruben sind ein idealer menschengemachter Lebensraum, aber die Kröte braucht Hilfe.

Im Auftrag des Landesamtes für Umwelt (LfU) erfasst Meßlinger in Mittelfranken Vorkommen dieser Art. Kreuzkröten sind nicht nur in der Fortbewegung, sondern auch in der Fortpflanzung etwas anders als die meisten Amphibien, die oft zeitlich begrenzt im Frühjahr laichen. Kreuzkröten pflanzen sich von April bis August fort – an seichten, immer wieder austrocknenden Gewässern.

Tümpel ohne Fische sind wichtig

Die Überlebensstrategie dieser Amphibienart: Laichen in flachen Tümpeln, die nicht durchgehend Wasser führen, sodass sich keine Fressfeinde wie Libellenlarven und Fische ansiedeln, eine schnelle Entwicklung innerhalb von vier bis sechs Wochen vom Ei bis zum Hüpferling und eine hohe Anzahl von Eiern. Sie brauchen Rohboden beziehungsweise Flächen mit wenig Vegetation, um dort nachts kleine Insekten jagen zu können. Holz- und Steinhaufen dienen tagsüber als Verstecke.

Und hier beginnt das Problem der Kreuzkröte: Ihre Lebensräume sind Rohbodenflächen, die sich immer wieder verändern und neu entstehen, sowohl die Tümpel als auch die freien Flächen. „Früher waren es Fluss- und Bachauen sowie Seeufer mit geringem Pflanzenbewuchs, die sich bei Hochwasser und unterschiedlichen Wasserständen veränderten. Heute gibt es nur noch wenige Gewässer mit diesen natürlichen Abläufen“, erklärt Max Prietzel, der beim Bayerischen Artenschutzzentrum am LfU das Artenhilfsprogramm Kreuzkröte betreut.

Ein von Menschen gemachter Lebensraum

Dafür haben die Kreuzkröte und auch andere Amphibien Abbauflächen wie Kies- oder Sandgruben für sich entdeckt: Dort werden immer wieder Bereiche aufgebrochen, Material umgelagert, viel Wasser ist beim Reinigen des Materials im Spiel und es entstehen auch grundwassergespeiste Tümpel. Andrea Kerskes von der Regierung von Mittelfranken beschäftigt sich schon seit mehreren Jahren mit dem Projekt „Lebensraum Abbaustellen“, unter anderem als wichtiger Sekundärlebensraum für Amphibien. „In unserem Biodiversitäts-Projekt geht es um kommunale Abbauflächen, die nicht mehr genutzt werden und zum größten Teil als geschützte Landschaftsbestandteile ausgewiesen sind“, berichtet sie.

Gerade für die Kreuzkröte sind jedoch auch Sandgruben wichtig, die noch bewirtschaftet werden und dadurch immer wieder ihre Oberfläche verändern. Trotzdem braucht die Kreuzkröte Unterstützung: Der Klimawandel, der flache Tümpel zu schnell austrocknen lässt und die Herausforderung, dass Abbauflächen geschlossen und rekultiviert werden oder der Abbau intensiviert wird, bringt die Kreuzkröte bayernweit in Bedrängnis. Hier kommen die Wirtschaftsakteure ins Spiel: Uli Meßlinger ist schon länger mit dem Abbauunternehmer Josef Haas im Gespräch, der den Belangen des Naturschutzes gegenüber offen ist und sich über tierische Mitbewohner auf seinem Gelände freut.

Gewusst wie und wo

Wenn klar ist wo ein helfender Eingriff sinnvoll ist, hält sich der Arbeitsaufwand in Grenzen. Hier einen schon bestehenden Tümpel noch etwas vertiefen, damit er nicht austrocknet, dort neben einem Schlammteich eine kleine Grube ausheben, die sich mit sauberem Wasser füllt. Und beim Umlagern von Material und Verfüllen von Tümpeln im Frühjahr und Sommer darauf achten, dass noch eine kleine Wasserstelle offenbleibt. Der Austausch zwischen dem Biologen des LfU und Haas bringt Klarheit:

„Ich weiß ja jetzt, was die Kröten brauchen“, sagt Haas und kündigt an, immer wieder mal in den Abbaustellen vorbeizuschauen und entsprechende Arbeiten anzuweisen. Meßlinger wiederum will im Luftbild markieren, wo er bereits Kreuzkröten gefunden hat. „Die Männchen kommen zum Wasser und rufen“, sagt der Kartierer und freut sich, auch in einer weiteren Sandabbaustelle einen Tümpel mit Laich gefunden zu haben. Max Prietzel und Andrea Kerskes ist wichtig, dass noch weitere Abbauunternehmer dafür gewonnen werden können, der Kreuzkröte auf ihren Flächen Überlebensmöglichkeiten anzubieten.

Weitere Informationen im Webangebot des LfU:

 

 



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