Natur: Nr. 07 / Freitag, 20. Februar 2026

Ein Artenhilfsprogramm sorgt für verbesserte Lebensräume

Eine weibliche Kreuzotter liegt im Anhauser Tal im Schilf Juveniles Kreuzotterweibchen (Quelle: Carolin Rolle, Naturpark Augsburg - Westliche Wälder)

Früher gab es Prämien für tote Tiere, heute ist die Kreuzotter in Bayern außerhalb der Alpen vom Aussterben bedroht. Das Landesamt für Umwelt (LfU) versucht die verbliebenen Populationen über ein Artenhilfsprogramm (AHP) zu schützen. Ein vielschichtiges Unterfangen, denn Kreuzottern brauchen je nach Jahreszeit und Entwicklungsstadium verschiedenartige Lebensräume.

Für das LfU begutachtet Thomas Lindner Kreuzotterbestände und ihre Lebensräume in verschiedenen Teilen Bayern. „Die Kreuzotter ist eine sogenannte Leitart, ihr Vorkommen zeigt auf, dass Lebensräume intakt sind“, erläutert der 31-Jährige, der sich schon als Bub für diese Schlangenart begeistert hat. Im Anhauser Tal (Naturpark Augsburg - Westliche Wälder) ist seit Jahrzehnten ein kleiner, isolierter Bestand nachgewiesen. Anhand von Fotos und eigenen Sichtungen konnte Lindner dort 2025 vier Tiere identifizieren. Ist das aussagekräftig? „Bei dieser Begutachtung liegt der Fokus auf den Lebensräumen. Wir wissen seit Jahren, dass dort eine kleine Kreuzotter-Population vorkommt und die Tiere sich erfolgreich fortpflanzen. Wir wollen die wichtigen Lebensräume im Anhauser Tal erhalten und erweitern“, sagt der Reptilien-Experte des Bayerischen Artenschutzzentrums im LfU, Max Prietzel. Die Nahrungsgrundlage südwestlich von Augsburg ist sehr gut: Kröten und Frösche sind in großer Zahl in und um die Teiche zu finden, Ringelnattern und Blindschleichen wurden gezählt und Wald- und Zauneidechsen leben im Wald beziehungsweise an Dämmen und an der Schotterstraße.

Rangerin Carolin Rolle vom Naturpark Augsburg - Westliche Wälder ist mit ihrem Kollegen Stefan Schonath beim Ortstermin mit von der Partie. Denn eines ihrer Aufgabenfelder, Besucherlenkung, spielt auch beim Schutz der Kreuzotter eine Rolle. Beispielsweise sollte an der Schotterstraße parallel zum Bachlauf der Auto- und Radverkehr abgebremst werden, damit keine Tiere überfahren werden. Auch Infotafeln sind im Gespräch.

An den Teichen liegen die Jagdgründe der jungen Kreuzottern: Jungtiere ernähren sich von Eidechsen, Fröschen und Kröten. Den Lebensraum für Nahrungstiere fördern, hilft auch der Schlange. An Dämmen und Teichen wird deutlich, dass beim Artenschutz darauf geachtet werden muss, dass bewirtschaftete Landschaftsteile auch weiterhin funktionieren – etwa für Fischwirtschaft oder Zufahrtswege. Oft lassen sich im Gespräch Kompromisslösungen finden, so die Naturpark-Gebietsbetreuerin Eva Liebig.

Zwischen Bach und Wald liegt ein Schilfgürtel – ein fast perfekter Teillebensraum für Kreuzottern, mit nur geringfügigem Optimierungsbedarf. Thomas Lindner erläutert, wie wichtig ausreichend große Buchten sind, damit der richtige Sonneneinfall gewährleistet ist. Das gemähte Schilf soll in den Buchten zu kleinen Haufen geschichtet werden, auf denen sich die Schlangen sonnen können. Denn Wärmetanken ist für die wechselwarme Art überlebensnotwendig. Eva Liebig organisiert den Ablauf der Mahd, der richtige Zeitpunkt ist entscheidend, um beispielsweise trächtige Weibchen nicht zu stören. Mit Lindner und Prietzel spricht sie beim Ortstermin das Mahdkonzept für einzelne Flächen zur Aufwertung des Gesamtlebensraums durch Verbindungskorridore ab.

Beim angrenzenden Hangwald will Liebig den Kontakt zum Waldbesitzer herstellen und versuchen auf derartige Lösungen hinzuwirken. Stein-, Reisig- und Totholzhaufen sind weitere wichtige Strukturen für Schlangen – und auch andere Tierarten.

Eine grundsätzliche Problematik kann nur durch einen Eingriff des Menschen gesteuert werden: Bei kleinen, isolierten Populationen besteht Inzuchtgefahr. Beim Ortstermin wird auch darüber diskutiert, Tiere aus nahen Lech-Beständen umzusetzen. Welchen Genpool einzelne Kreuzotterpopulationen haben, soll heuer auch in einer bayernweiten Studie untersucht werden.

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