PRESSEMITTEILUNG

Nr. 12 / Donnerstag, 24. März 2022

Natur
Biodiversitätszentrum Rhön: Mittel- und Niederwälder in Franken gesucht

Projekt zum Erhalt der artenreichen Lebensräume
Mittelwald bei Bad Windsheim: In den ersten Jahren nach der Ernte dringt sehr viel Licht auf den Waldboden und lässt Pflanzen aus im Boden schlummernden Samen, Wurzeln, Knollen etc. wieder kräftig blühen, bevor sie durch den Baumaufwuchs erneut verschattet werden.
Mittelwald bei Bad Windsheim: In den ersten Jahren nach der Ernte dringt sehr viel Licht auf den Waldboden und lässt Pflanzen aus im Boden schlummernden Samen, Wurzeln, Knollen etc. wieder kräftig blühen, bevor sie durch den Baumaufwuchs erneut verschattet werden. (Quelle: Sven Finnberg)

+++ Mittel- und Niederwälder sind vom Menschen geschaffene, lichte Laubwälder und zählen dank der besonderen Form der Bewirtschaftung zu den artenreichsten Lebensräumen Bayerns. Früher weit verbreitet, wurden die arbeitsintensiven Bewirtschaftungsformen jedoch vielerorts aufgegeben und sind heute bayernweit fast nur noch in Franken zu finden. Um die verbliebenen Bewirtschafter zu unterstützen, bietet das Umweltministerium bereits seit einigen Jahrzehnten Fördermöglichkeiten – seit 17 Jahren im Rahmen des Vertragsnaturschutz Wald. Ergänzt wird dieses Angebot zum Erhalt der seltenen Wälder nun mit einem Projekt am Biodiversitätszentrum Rhön (BioZ) im Bayerischen Landesamt für Umwelt, für das noch Teilnehmer gesucht werden.  +++

In Zusammenarbeit mit der Bayerischen Forstverwaltung bietet das BioZ Bewirtschaftern im Rahmen des Projekts „Lichte Wälder in Franken“ ein umfassendes Leistungspaket. Im Vordergrund steht dabei der fachliche Austausch mit den Bewirtschaftern. Dabei beraten die Spezialisten der Forstverwaltung und die unteren Naturschutzbehörden die Waldbesitzer u.a. zu Fragen der multifunktionalen Waldbewirtschaftung bzw. den Fördermöglichkeiten im Vertragsnaturschutzprogramm Wald (VNP Wald). Das BioZ führt begleitende Forschungsprojekte z. B. zur Trockenheitsresistenz von Mittel- und Niederwäldern durch und unterstützt die teilnehmenden Bewirtschafter mit einem wissenschaftlichen Monitoring der vorkommenden Arten in ihren Wäldern. So soll ihre ökologische Bedeutung fachlich untermauert werden und die aufwendige Bewirtschaftung dieser Lebensräume durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit, wie zum Beispiel der Umsetzung von Lehrtafeln oder der Konzeption einer Wanderausstellung, eine angemessene öffentliche Wertschätzung erhalten. Die Projektergebnisse fließen in die Weiterentwicklung des VNP Wald ein.

Mittel- und Niederwälder werden in regelmäßigen Zeitabständen und auf wechselnden Teilflächen auf Stock gesetzt, um möglichst viel Brennholz ernten zu können. Die Wurzelstöcke treiben wieder aus und reifen bis zum nächsten Hieb erneut zu arm- bis beindicken Stämmen. Mit dem Ziel, auch Bauholz zu produzieren, werden in Mittelwäldern zudem einzelne Bäume, die aus einem Samen hervorgegangen sind, vom Hieb des Unterholzes ausgenommen und bilden eine zweite sehr lichte Oberschicht. Durch das Nebeneinander von frischen Hiebsflächen, solchen, auf denen die letzte Holzernte schon eine Weile zurückliegt und unterschiedlich alten Bäumen im Oberholz entsteht insbesondere in Mittelwäldern eine enorme Strukturvielfalt. „Auf relativ geringem Raum bieten sie damit verschiedenste Kleinstlebensräume und werden den Ansprüchen besonders vieler Tier- und Pflanzenarten gerecht,“ erklärt Dr. David Vollmuth, Mittelwaldexperte am BioZ. Aufgrund des phasenweise sehr lichten Waldbildes gehören dazu viele licht- und wärmeliebende Arten, wie die vom Aussterben bedrohten Falter Heckenwollafter und Maivogel oder der in Bayern stark gefährdete Hirschkäfer.

Weil jeder Hektar zählt, lädt das BioZ in Zusammenarbeit mit den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (ÄELF) Bewirtschafter ein, mit ihren Wäldern an dem Projekt zum Erhalt der Mittel- und Niederwälder teilzunehmen. Interessierte Waldbewirtschafter können unter biodiversitaetszentrum@lfu.bayern.de Kontakt aufnehmen und sich an den örtlich zuständigen ÄELF und unteren Naturschutzbehörden über das Projekt und die finanziellen Fördermöglichkeiten informieren.

Im Rahmen des VNP Wald honoriert das Umweltministerium die Fortführung der Mittel- und Niederwaldwirtschaft mit einer jährlichen Grundprämie von 95 bzw. 135 € pro Hektar. Zusätzlich ist je nach Eingriffsstärke eine Prämie zwischen 1.950 € bzw. 4.000 € pro Hektar für den Stockhieb auf der jeweiligen Teilfläche möglich. In Einzelfällen kann darüber hinaus der Erhalt besonders wertvoller Biotopbäume wie uralter Huteeichen oder das Belassen von Starktotholz zusätzlich gefördert werden. Dieses Jahr ist eine Antragstellung im Vertragsnaturschutzprogramm Wald noch bis Ende Mai möglich. Zur naturschutzfachlichen Beratung wenden Sie sich bitte an die zuständige untere Naturschutzbehörde am Landratsamt. Bei der Antragstellung und in forstfachlichen Fragen berät und unterstützt Sie die zuständige staatliche Revierleiterin bzw. der staatliche Revierleiter am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF).

Informationen zum Projekt finden Sie unter: Lichte Wälder in Franken - LfU Bayern

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