PRESSEMITTEILUNG

Nr. 03 / Donnerstag, 13. Januar 2022

Natur
Bayerisches Artenschutzzentrum: Bayerns Rote Liste für Weichtiere aktualisiert

Viele Schnecken und Muscheln sind in ihrem Bestand gefährdet
Die Bayerische Quellschnecke (Bythinella bavarica) lebt in Quellen und quellnahen Gewässerbereichen. Sie ist selten und kommt in Bayern vor allem im Einzugsbereich von Isar und Lech vor. Im kurzfristigen Bestandstrend nimmt die Art stark ab. Foto: Manfred Colling.
Die Bayerische Quellschnecke (Bythinella bavarica) lebt in Quellen und quellnahen Gewässerbereichen. Sie ist selten und kommt in Bayern vor allem im Einzugsbereich von Isar und Lech vor. Im kurzfristigen Bestandstrend nimmt die Art stark ab. (Quelle: Manfred Colling, Unterschleissheim)

+++ Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) hat die Rote Liste gefährdeter Arten für Schnecken und Muscheln aktualisiert. Sie enthält 202 der 299 in Bayern als bodenständig geltenden Schnecken- und Muschelarten. Das sind 68 Prozent der heimischen Weichtierfauna. Damit sind Schnecken und Muscheln eine überdurchschnittlich gefährdete Tiergruppe.  +++

Im Naturhaushalt spielen Schnecken und Muscheln beim Abbau organischer Stoffe und für die Ernährung anderer Organismen eine wichtige Rolle. Wasserschnecken und insbesondere Muscheln sind bedeutende Indikatoren für die Gewässergüte. Weichtiere (Mollusken) besiedeln in einer großen Vielfalt nahezu alle Lebensräume. Einige Arten kommen überwiegend in Bayern vor, wie beispielsweise die Bayerische Quellschnecke. Bayern trägt somit eine besondere Verantwortung, eine ganze Reihe von Schnecken- und Muschelarten zu erhalten. „Viele Schnecken, aber auch Muscheln brauchen spezielle Lebensräume und sind dort nur in kleiner Anzahl zu finden. Hinzu kommt, dass Weichtiere sich nicht so gut verbreiten können wie andere Tiergruppen“, sagt Mollusken-Experte Manfred Colling, der die Rote Liste im Auftrag des LfU erstellt hat. Im Einzelnen sind die Gefährdungsfaktoren der heimischen Schnecken und Muscheln so vielfältig wie ihre Lebensräume. Doch diese Lebensräume schwinden und mit der Landnutzungsänderung verändern sich auch die Feuchtigkeitsverhältnisse.

„Eine zunehmende Herausforderung stellt der Klimawandel dar. Wir stellen bei verschiedenen gefährdeten Arten aufgrund von Trocken- und Dürreperioden deutliche Bestandsrückgänge fest“, erläutert Johannes Voith vom Bayerischen Artenschutzzentrum im LfU, welcher die Fortschreibung der Roten Listen im LfU koordiniert. Für Wasserschnecken und Muscheln gilt dies insbesondere im Hinblick auf höhere Wassertemperaturen und häufiger werdende Niedrigwasserstände bis hin zum Trockenfallen von Gewässern. Mit Artenhilfsprogrammen – etwa für die beiden vom Aussterben bedrohten Muschelarten Bachmuschel und Flussperlmuschel – wirkt der Freistaat hier entgegen. Mit diversen Erfassungs- und Schutzprojekten leistet das Bayerische Artenschutzzentrum einen bedeutenden Beitrag zum Schutz der vielgestaltigen, faszinierenden und ökologisch bedeutsamen Tiergruppe der Weichtiere.

 

Link zur Roten Liste Weichtiere:
Rote Liste und Gesamtartenliste Bayern - Weichtiere

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