Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Sibirische Winterlibelle (Sympecma paedisca)

Rote Liste Bayern: Stark gefährdet
Rote Liste Deutschland: Stark gefährdet
Erhaltungszustand Kontinental: Ungünstig/schlecht
Erhaltungszustand Alpin: Ungünstig/unzureichend

Verbreitung und Bestandssituation

Das geschlossene Verbreitungsgebiet der Art reicht von Japan bis Osteuropa. In Mitteleuropa ist es in zwei Teilareale aufgeteilt: das nördliche erstreckt sich von Nordpolen über Mecklenburg-Vorpommern, Nordbrandenburg und Niedersachsen bis nach Holland, das südliche verläuft entlang des nördlichen Alpenrands bis zum Wallis. Dazwischen liegt ein isoliertes Vorkommen im südlichen Erzgebirgsvorland, das gerade noch das ostoberfränkische Grenzgebiet im Landkreis Wunsiedel erreicht. Ansonsten besiedelt die Art in Bayern mit Ausnahme von zwei Vorkommen im Naturraum Donau-Iller-Lech-Platte (D64) ausschließlich das Südliche Alpenvorland (D66).

Fundortkarte

Sibirische Winterlibelle (Sympecma paedisca)

Nachweise ab 1980



Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Fundorte als Tabelle anzeigen

Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1980

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
5939 Waldsassen
7829 Ettringen
7931 Landsberg am Lech
7933 Weßling
7934 Starnberg Nord
8031 Denklingen
8033 Tutzing
8034 Starnberg Süd
8035 Sauerlach
8038 Rott a.Inn
8040 Eggstätt
8127 Bad Grönenbach
8129 Kaufbeuren
8130 Bidingen
8131 Schongau
8132 Weilheim i.OB
8133 Seeshaupt
8135 Sachsenkam
8137 Bruckmühl
8138 Rosenheim
8139 Stephanskirchen
8228 Wildpoldsried
8229 Marktoberdorf
8230 Lechbruck
8231 Peiting
8232 Uffing a.Staffelsee
8233 Iffeldorf
8234 Penzberg
8238 Neubeuern
8324 Wangen im Allgäu West
8325 Wangen im Allgäu Ost
8327 Buchenberg
8328 Nesselwang West
8329 Nesselwang Ost
8330 Roßhaupten
8331 Bad Bayersoien
8332 Unterammergau
8333 Murnau a.Staffelsee
8423 Kressbronn am Bodensee
8424 Lindau (Bodensee)
8429 Pfronten
8430 Füssen
Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Lebensraum und Lebensweise

Die Sibirische Winterlibelle ist stark an Moorgewässer gebunden. Sie besiedelt im Alpenvorland Verlandungsriede von Seen und Weihern, deren Wasserstände schwanken und an die Flachmoore oder Streuwiesen angrenzen, sowie Staumulden und Senken mit quelligen Grundwasseraufstößen. Reproduktionsgewässer zeichnen sich durch periodische Wasserstandsschwankungen mit sommerlicher Wasserführung aus. Meist sind dies Schlenken in leicht verschilften Steifseggenrieden, Schneidriede und andere Großseggengesellschaften. Die Fundorte liegen meist in der Nähe von Gehölzen, die den Imagines wahrscheinlich als Überwinterungsquartier dienen.

Die Arten der Gattung Sympecma sind die einzigen Libellen in Mitteleuropa, die im Adultstadium überwintern - daher der Name "Winterlibellen". Dabei verteilen sich die Imagines, die erst Anfang bis Mitte August schlüpfen, im Herbst um die Entwicklungsgewässer und suchen gezielt luftfeuchte, vollständig beschattete Plätze auf, wo sie sich absetzen und in Kältestarre fallen.

Erst im Frühjahr erscheinen die Libellen wieder am Gewässer, wo dann die Paarung erfolgt. Bei der anschließenden Eiablage stechen die Weibchen schwimmende, lebende oder tote Pflanzenteile an und legen darin ihre Eier ab.

Die Larven leben in geringer Tiefe auf verschiedenen Unterlagen. Ihre Entwicklung dauert 10 bis 12 Wochen. Die gesamte Entwicklung von der Eiablage bis zum Schlupf dauert nur etwa 3 Monate. Durch ihre besondere Lebensweise können die Imagines eine Lebensdauer von bis zu 11 Monaten erreichen.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

  • Entwässerung von Mooren und damit verbundenen Verlusten geeigneter Fortpflanzungsgewässer,
  • Eutrophierung der Fortpflanzungsgewässer durch angrenzende, intensive landwirtschaftliche Nutzung und/oder durch Nährstofffreisetzung nach Eingriffen in den Wasserhaushalt,
  • Fortschreitende Gehölzsukzession bzw. Aufforstung von Moorflächen im Umfeld der Larvalgewässer,
  • Aussetzen von Fischen,
  • Nutzungsintensivierung oder Nutzungsaufgabe von Streuwiesen
  • Fortschreitende Isolation der Populationen

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

  • Hydrologische Restitution von Mooren und Seggenrieden
  • Nachhaltige Entnahme von Fischen in Gewässern mit potenziellen oder aktuellen Vorkommen der Art
  • Auflichten von dichten Gehölzen um die Larvalgewässer
  • Wiederaufnahme der extensiven (Streu-) Nutzung im Gewässerumfeld mit Abräumen des Mähguts; allerdings sind ausreichend umgemähte Bereiche im Kontakt zu Gehölzen zu erhalten

Ergänzende Informationen

Bönisch, R. & A. Kraus (1998): Sibirische Winterlibelle Sympecma paedisca (Brauer 1877). - In: Kuhn, K. & K. Burbach (Bearb.): Libellen in Bayern: 60-61; - Ulmer, Stuttgart.

Keim, C. (o. J.): ARTENSCHUTZBLATT - Sympecma paedisca (Brauer 1877); 6 S. - http://www2.unine.ch/webdav/site/cscf/shared/documents/Sympecma_paedisca_D.pdf

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