Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Sibirische Winterlibelle (Sympecma paedisca)

Rote Liste Bayern: Stark gefährdet
Rote Liste Deutschland: Vom Aussterben bedroht
Erhaltungszustand Kontinental: Ungünstig/schlecht
Erhaltungszustand Alpin: Ungünstig/unzureichend

Verbreitung und Bestandssituation

Das geschlossene Verbreitungsgebiet der Art reicht von Japan bis Osteuropa. In Mitteleuropa ist es in zwei Teilareale aufgeteilt: das nördliche erstreckt sich von Nordpolen über Mecklenburg-Vorpommern, Nordbrandenburg und Niedersachsen bis nach Holland, das südliche verläuft entlang des nördlichen Alpenrands bis zum Wallis. Dazwischen liegt ein isoliertes Vorkommen im südlichen Erzgebirgsvorland, das Bayern im ostoberfränkischen Grenzgebiet gerade noch erreicht (Lkr. WUN; dort zuletzt nicht mehr bestätigt). Verbreitungsschwerpunkt in Bayern ist das voralpine Hügel- und Moorland.

Fundortkarte

Sibirische Winterlibelle (Sympecma paedisca)

Nachweise ab 1980



Letzter Daten-Import erfolgte am 31.7.2018.

Fundorte als Tabelle anzeigen

Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1980

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
5939 Waldsassen
7829 Ettringen
7931 Landsberg am Lech
7933 Weßling
7934 Starnberg Nord
8033 Tutzing
8034 Starnberg Süd
8035 Sauerlach
8038 Rott a.Inn
8040 Eggstätt
8127 Bad Grönenbach
8129 Kaufbeuren
8130 Bidingen
8131 Schongau
8132 Weilheim i.OB
8133 Seeshaupt
8135 Sachsenkam
8137 Bruckmühl
8138 Rosenheim
8139 Stephanskirchen
8228 Wildpoldsried
8229 Marktoberdorf
8230 Lechbruck
8231 Peiting
8232 Uffing a.Staffelsee
8233 Iffeldorf
8234 Penzberg
8238 Neubeuern
8324 Wangen im Allgäu West
8327 Buchenberg
8328 Nesselwang West
8329 Nesselwang Ost
8330 Roßhaupten
8331 Bad Bayersoien
8332 Unterammergau
8333 Murnau a.Staffelsee
8423 Kressbronn am Bodensee
8424 Lindau (Bodensee)
8429 Pfronten
8430 Füssen
Letzter Daten-Import erfolgte am 31.7.2018.

Lebensraum und Lebensweise

Die Sibirische Winterlibelle besiedelt im Alpenvorland Verlandungsriede von Still- und Moorgewässern mit schwankendem Wasserstand und angrenzenden Niedermooren, Streuwiesen, Staumulden und Senken mit quelligen Grundwasseraufstößen. Reproduktionsgewässer sind meist Schlenken in leicht verschilften Steifseggenrieden, Schneidrieden und anderen Großseggen-Gesellschaften.

Die Fundorte liegen meist in der Nähe von Gehölzen, in denen die adulten Libellen wahrscheinlich überwintern. Ansonsten dienen den Imagines Streuwiesen mit lückiger Vegetation, die nicht zu stark verbuscht sein dürfen, als Reifungs-, Ruhe- und Jagdgebiete.

Die Arten der Gattung Sympecma sind die einzigen Libellen in Mitteleuropa, die im Adultstadium überwintern - daher der Name "Winterlibellen". Dabei verteilen sich die Imagines, die erst Anfang bis Mitte August schlüpfen, im Herbst um die Entwicklungsgewässer und suchen gezielt luftfeuchte, vollständig beschattete Plätze auf, wo sie sich absetzen und in Kältestarre fallen.

Erst im Frühjahr erscheinen die Libellen wieder am Gewässer, wo dann die Paarung erfolgt. Bei der anschließenden Eiablage stechen die Weibchen schwimmende, lebende oder tote Pflanzenteile an und legen darin ihre Eier ab.

Die Larven leben in geringer Tiefe auf verschiedenen Unterlagen. Ihre Entwicklung dauert 10 bis 12 Wochen. Die gesamte Entwicklung von der Eiablage bis zum Schlupf dauert nur etwa 3 Monate. Durch ihre besondere Lebensweise können die Imagines eine Lebensdauer von bis zu 11 Monaten erreichen.

Phänologie

  • Lebensdauer der Imagines von August bis Mai des Folgejahres mit Ruhephase im Winter

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

  • Eutrophierung der Gewässer mit übermäßigem Wasserpflanzen-Wachstum (Zuwachsen) und beschleunigter Verlandung
  • Aussetzen von Fischen in den Larvalgewässern.
  • Tourismus- und Freizeitaktivitäten (Camping, Fischen, Baden, Bootfahren) an besiedelten bzw. beflogenen Uferabschnitten.
  • Drainage, Düngung mit Nutzungsintensivierung oder Nutzungsaufgabe der Streuwiesen
  • Errichtung von Barrieren zwischen den Populationen.

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

  • Abfischen von potenziellen oder noch besiedelten Gewässern
  • Beruhigung von Gewässerumfeldern (Betretungsverbote)
  • Auflichten von dichten Gehölzen um die Larvalgewässer
  • Wiederaufnahme der extensiven (Streu-) Nutzung im Gewässerumfeld mit Abräumen des Mähguts; allerdings sind ausreichend umgemähte Bereiche im Kontakt zu Gehölzen zu erhalten

Sonstige Hinweise

Fortpflanzungsgewässer der Art sollten angesichts der hochgradigen Gefährdung in der Regel "Tabuflächen" sein.

Ergänzende Informationen

Keim, C. (o. J.): ARTENSCHUTZBLATT - Sympecma paedisca (Brauer 1877); 6 S. - http://www2.unine.ch/webdav/site/cscf/shared/documents/Sympecma_paedisca_D.pdf

Bönisch, R. & A. Kraus (1998): Sibirische Winterlibelle Sympecma paedisca (Brauer 1877). - In: Kuhn, K. & K. Burbach (Bearb.): Libellen in Bayern: 60-61; - Ulmer, Stuttgart.

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