Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Waldbirkenmaus (Sicista betulina)

Rote Liste Bayern: Stark gefährdet
Rote Liste Deutschland: Vom Aussterben bedroht
Erhaltungszustand Kontinental: Unbekannt
Erhaltungszustand Alpin: Unbekannt

Verbreitung und Bestandssituation

Ostdeutschland, Tschechien, Österreich, Skandinavien bis Sibirien.

Die Birkenmaus stellt bei uns ein "Eiszeitrelikt" dar. Wegen der Präferenz für kontinental getöntes, boreales Klima wird einerseits die Bergwaldzone der europäischen Mittelgebirge (Karpaten, Beskiden, Gesenke, Tatra, Slowakisches Erzgebirge, Bayerisch-Böhmischer Wald, Gratzner Bergland, Ostalpen, Kaukasus, Altai und Sajan) besiedelt, andererseits gibt es eine nordosteuropäische Tieflandpopulationen (u. a. Bialowieza).

Verbreitung und Bestand in Bayern sind unzureichend bekannt. Von der Art gibt es aus der Zeit vor dem Jahr 2000 nur elf ASK-Nachweise. Gezielte Nachsuchen im Oberallgäu (hier zuletzt 2000 nachgewiesen) im Bereich des Fellhorns und des Riedberger Horns bzw. des Riedbergpasses, die im Auftrag des LfU vor wenigen Jahren durchgeführt wurden, waren erfolglos. Untersuchungen im Zuge des Monitorings nach der FFH-Richtlinie im Hinteren Bayerischen Wald ergaben jedoch aktuelle Nachweise in den Jahren 2013 bis 2017 auf insgesamt vier TK-Blättern (Malec et al. 2015, Kraft et al. 2013, 2016, LfU unveröff.).

Fundortkarte

Waldbirkenmaus (Sicista betulina)

Nachweise ab 1990



Letzter Daten-Import erfolgte am 31.7.2018.

Fundorte als Tabelle anzeigen

Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1990

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
7047 Finsterau
7147 Freyung
7148 Bischofsreut
7248 Jandelsbrunn
8627 Einödsbach
Letzter Daten-Import erfolgte am 31.7.2018.

Lebensraum und Lebensweise

In Bayern liegen nur drei Angaben zu Fundorten vor: "Straßen-/ Wegböschung" (in Waldnähe), "anmoorige Wiese" und "Mischwald".

Birkenmäuse bevorzugen offene, gestörte Stellen im Wald (Windbrüche, im Stadium der Sukzession befindliche Stellen), lichte Feuchtwälder oder Waldränder, z. B. an der Waldgrenze. Im Bayerischen Wald besiedelt sie bevorzugt Moore und anmoorige Wiesen.

Sie ist darüber hinaus auch an Blockhalden mit Quellaustritten, kleinen Tümpeln, einmähdigen Wiesen und Almen zu finden. Geschlossene Wälder werden meist nur zur Überwinterung aufgesucht.

Hable & Spitzenberger (1989) beschreiben die dichteste Birkenmauskonzentration Österreichs am Südabfall der Wölzer Tauern, im Bereich von Almen, Zwergstrauchheiden und alpinen Rasen, in die auch kleine sumpfige Stellen eingebettet sein können, zwischen der anthropogen weit herabgedrückten oberen Baumgrenze und der Gipfelregion. Die Birkenmaus sucht dort vor allem Flächen auf, die durch starken Viehtritt und durch Frosteinwirkung entstanden sind und sogenannte "Gangsteigeln" (parallel verlaufende Furchen) aufweisen. In diesen Mulden herrscht ein Kleinklima, in dem die Luft- und Bodenfeuchtigkeit wesentlich höher sind als auf den kleineren Kuppen. Diese Mulden garantieren auch eine sichere Schneebedeckung in dem sonst sehr windausgesetzten Gelände.

Die dämmerungs- und nachtaktiven Birkenmäuse ernähren sich von Insekten, Baumfrüchten, Beeren und Samen. Das Nest aus Gras und dünnen wird an Ästen oder in der hohen Vegetation befestigt.

Birkenmäuse halten 6-8 Monate Winterschlaf, vermutlich in Erdhöhlen oder ähnlichen Hohlräumen. Tagsüber oder bei ungünstiger Witterung verfallen die Tiere in einen Lethargiezustand, um Energie zu sparen. Österreichische Birkenmäuse sind von Mai bis September (Oktober) aktiv, die Würfe werden offenbar 1-2 Monate später als im östlichen Tiefland geboren (Hable & Spitzenberger 1989). Birkenmäuse werden nach dem ersten Winterschlaf geschlechtsreif und gebären jeden Sommer nach einer Tragezeit von ca. 3-4 Wochen nur einen Wurf mit 2-7 Jungen. Insgesamt werden sie nur wenige Jahre alt.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

  • Beeinträchtigung der Habitate, vor allem durch Entwässerung und Nutzungsintensivierung

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

Keine bekannt; jeder Fundort bzw. Nachweis in Bayern ist angesichts der Seltenheit hochgradig schützenswert.

Sonstige Hinweise

Hable & Spitzenberger (1989) nehmen an, dass die ab dem Boreal einsetzende dichte Fichtenbewaldung der Ostalpen die Birkenmaus in die Region subalpiner Matten und Wiesen über der Baumgrenze bzw. offene Standorte (z. B. Moore) in der montanen Höhenstufe verdrängt hat.

Neufunde müssen unbedingt durch eindeutige Fotografien oder (falls Totfunde) durch Abgabe des Tiers, Schädels etc. an die ZSM verifiziert werden. Darüber hinaus sollten detaillierte Angaben zur Struktur und Umgebung des Fundorts gemacht werden.

Der Einsatz von Wildkameras mit angepasstem Nahfokus hat sich in jüngster Zeit als geeignetste Nachweismethode erwiesen (LfU unveröff.).

Ergänzende Informationen

Literatur

Engleder T., E. Lego & J. PLass (2005): Aktuelles zur Birkenmaus (Sicista betulina, Pallas, 1779) in der Dreiländerregion Tschechien/Deutschland/Österreich. - Beiträge zur Naturkunde Oberösterreichs 14: 19-25.

Hable, E. & F. Spitzenberger (1989): Die Birkenmaus, Sicista betulina PALLAS, 1779 (Mammalia, Rodentia) in Österreich [Mammalia austriaca 16]. - Mitt. Abt. Zool. Landesmus. Joanneum 43: 3-22.

Pucek Z. (1982): Sicista betulina (PALLAS, 1778) - Waldbirkenmaus. - In: Niethammer, J. & F. Krapp (Hrsg.): Handbuch der Säugetiere Europas, 2/1, Nagetiere II: 516-538. - Akademische Verlagsgesellschaft, Wiesbaden.

KRAFT, R., MALEC, F., LUDING, H., STILLE, D., HOLLER, J. & MÜLLER, J. (2013): Aktuelle Nachweise der Waldbirkenmaus, Sicista betulina (Pallas, 1779) im Bayerischen Wald. Säugetierkundliche Informationen 9, 95-104.

KRAFT, R., MALEC, F., LUDING, H., STILLE, D., HOLLER, J. & MÜLLER, J. (2016): Die Waldbirkenmaus (Sicista betulina) im Bayerischen Wald - Aktuelle Nachweise und Methodentests für ein Monitoring im Rahmen der FFH-Richtlinie. Säugetierkundliche Informationen 10, 155-174.

MALEC, F., STILLE, D., KRAFT, R., MÜLLER, J. & LUDING, H. (2015): Weitere Nachweise der Waldbirkenmaus, Sicista betulina (Pallas, 1779), im Bayerischen Wald. -Säugetierkundl. Inform. 9, 429-434.

Spitzenberger F. & K. Bauer (2001): Birkenmaus Sicista betulina (PALLAS, 1779). - In: Spitzenberger F. (Bearb.): Die Säugetierfauna Österreichs. - Grüne Reihe des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft 13: 401-405.

http://www.boehmerwaldnatur.at/birkenmaus.htm

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