Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Birkenmaus (Sicista betulina)

Rote Liste Bayern: Gefährdung anzunehmen, aber Status unbekannt
Rote Liste Deutschland: Vom Aussterben bedroht
Erhaltungszustand Kontinental: Unbekannt
Erhaltungszustand Alpin: Unbekannt

Verbreitung und Bestandssituation

Ostdeutschland, Tschechien, Österreich, Skandinavien bis Sibirien.

Die Birkenmaus stellt bei uns ein "Eiszeitrelikt" dar. Wegen der Präferenz für kontinental getöntes, boreales Klima wird einerseits die Bergwaldzone der europäischen Mittelgebirge (Karpaten, Beskiden, Gesenke, Tatra, Slowakisches Erzgebirge, Bayerisch-Böhmischer Wald, Gratzner Bergland, Ostalpen, Kaukasus, Altai und Sajan) besiedelt, andererseits gibt es eine nordosteuropäische Tieflandpopulationen (u. a. Bialowieza).

Verbreitung und Bestand in Bayern sind unbekannt. Von der Art gibt es nur elf ASK-Nachweise. Sechs der Funde - der letzte von 1996 - stammen aus dem Lkr. Freyung-Grafenau, fünf der Funde - der letzte von 2000 - aus dem Oberallgäu. Gezielte Nachsuchen im Oberallgäu, im Bereich des Fellhorns und des Riedberger Horns bzw. des Riedbergpasses, die im Auftrag des LfU vor wenigen Jahren durchgeführt wurden, waren erfolglos.

Die österreichischen Fundorte rezenter Birkenmäuse liegen in der montanen und subalpinen Höhenstufe, wobei die niedrig gelegenen Fundorte auf Verbindungen der einzelnen Hochgebirgspopulationen untereinander hinweisen (Hable & Spitzenberger 1989).

Fundortkarte

Birkenmaus (Sicista betulina)

Nachweise ab 1980



Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Fundorte als Tabelle anzeigen

Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1980

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
7047 Finsterau
7147 Freyung
7148 Bischofsreut
7248 Jandelsbrunn
8526 Balderschwang
8527 Oberstdorf
8627 Einödsbach
Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Lebensraum und Lebensweise

In Bayern liegen nur drei Angaben zu Fundorten vor: "Straßen-/ Wegböschung" (in Waldnähe), "anmoorige Wiese" und "Mischwald".

Birkenmäuse bevorzugen offene, gestörte Stellen im Wald (bevorzugt Moore und anmoorige Wiesen auf Lichtungen, Windbrüchen, im Stadium der Sukzession befindliche Stellen), lichte Feuchtwälder oder Waldränder, z. B. an der oberen Waldgrenze, kommen aber auch in Laub- und Nadelwäldern mit dichten Unterwuchs vor.

Ihre Sommerhabitate sind anmoorige Wiesen, submontane Moore und Latschenhochmoore. Sie ist auch an Blockhalden mit Quellaustritten, kleinen Tümpeln, einmähdigen Wiesen und Almen zu finden. Geschlossene Wälder werden meist nur zur Überwinterung aufgesucht.

Hable & Spitzenberger (1989) beschreiben die dichteste Birkenmauskonzentration Österreichs am Südabfall der Wölzer Tauern, im Bereich von Almen, Zwergstrauchheiden und alpinen Rasen, in die auch kleine sumpfige Stellen eingebettet sein können, zwischen der anthropogen weit herabgedrückten oberen Baumgrenze und der Gipfelregion. Die Birkenmaus sucht dort vor allem Flächen auf, die durch starken Viehtritt und durch Frosteinwirkung entstanden sind und sogenannte "Gangsteigeln" (parallel verlaufende Furchen) aufweisen. In diesen Mulden herrscht ein Kleinklima, in dem die Luft- und Bodenfeuchtigkeit wesentlich höher liegt als auf den kleineren Kuppen. Diese Mulden garantieren auch eine sichere Schneebedeckung in dem sonst sehr windausgesetzten Gelände.

Die dämmerungs- und nachtaktiven Birkenmäuse ernähren sich von Insekten, Baumfrüchten, Beeren und Samen. Das Nest aus Gras und dünnen wird an Ästen oder in der hohen Vegetation befestigt.

Birkenmäuse halten 6-8 Monate Winterschlaf, vermutlich in Erdhöhlen oder ähnlichen Hohlräumen. Tagsüber oder bei ungünstiger Witterung verfallen die Tiere in einen Lethargiezustand, um Energie zu sparen. Österreichische Birkenmäuse sind von Mai bis September (Oktober) aktiv, die Würfe werden offenbar 1-2 Monate später als im östlichen Tiefland geboren (Hable & Spitzenberger 1989). Birkenmäuse werden nach dem ersten Winterschlaf geschlechtsreif und gebären jeden Sommer nach einer Tragezeit von ca. 3-4 Wochen nur einen Wurf mit 2-7 Jungen. Insgesamt werden sie nur wenige Jahre alt.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

  • Unklar

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

Keine bekannt; jeder Fundort bzw. Nachweis in Bayern ist angesichts der Seltenheit hochgradig schützenswert.

Sonstige Hinweise

Hable & Spitzenberger (1989) nehmen an, dass die ab dem Boreal einsetzende dichte Fichtenbewaldung der Ostalpen die Birkenmaus in die Region subalpiner Matten und Wiesen über der Baumgrenze bzw. offene Standorte (z. B. Moore) in der montanen Höhenstufe verdrängt hat.

Neufunde müssen unbedingt durch eindeutige Fotografien oder (falls Totfunde) durch Abgabe des Tiers, Schädels etc. an die ZSM verifiziert werden. Darüber hinaus sollten detaillierte Angaben zur Struktur und Umgebung des Fundorts gemacht werden.

Ergänzende Informationen

Literatur

Engleder T., E. Lego & J. PLass (2005): Aktuelles zur Birkenmaus (Sicista betulina, Pallas, 1779) in der Dreiländerregion Tschechien/Deutschland/Österreich. - Beiträge zur Naturkunde Oberösterreichs 14: 19-25.

Hable, E. & F. Spitzenberger (1989): Die Birkenmaus, Sicista betulina PALLAS, 1779 (Mammalia, Rodentia) in Österreich [Mammalia austriaca 16]. - Mitt. Abt. Zool. Landesmus. Joanneum 43: 3-22.

Pucek Z. (1982): Sicista betulina (PALLAS, 1778) - Waldbirkenmaus. - In: Niethammer, J. & F. Krapp (Hrsg.): Handbuch der Säugetiere Europas, 2/1, Nagetiere II: 516-538. - Akademische Verlagsgesellschaft, Wiesbaden.

Spitzenberger F. & K. Bauer (2001): Birkenmaus Sicista betulina (PALLAS, 1779). - In: Spitzenberger F. (Bearb.): Die Säugetierfauna Österreichs. - Grüne Reihe des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft 13: 401-405.

http://www.boehmerwaldnatur.at/birkenmaus.htm

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