Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus)

Rote Liste Bayern: Daten defizitär
Rote Liste Deutschland: Daten defizitär
Erhaltungszustand Kontinental: Ungünstig/unzureichend
Erhaltungszustand Alpin: Unbekannt

Verbreitung und Bestandssituation

Die Mückenfledermaus ist über fast ganz Europa verbreitet. Im Norden erreicht sie den 63. Breitengrad, im Osten die Ukraine und das westliche Russland. Ihr Verbreitungsschwerpunkt liegt jedoch in Mittel- und Südeuropa, wo sie sympatrisch mit der Zwergfledermaus vorkommt. Details ihrer Verbreitung sind jedoch noch unzureichend bekannt, da sie erst vor wenigen Jahren als eigene Art erkannt und von der Zwergfledermaus unterschieden wurde.

In Deutschland ist die Art vermutlich überall präsent, aber im Norden häufiger als im Süden. Die Kenntnisse über die Verbreitung der Mückenfledermaus in Bayern sind noch gering. Prinzipiell ist sie im ganzen Land mit Ausnahme des Hochgebirges zu erwarten. Kolonien wurden bislang in Landshut und Lindau gefunden, doch gibt es eine Reihe weiterer Fortpflanzungsnachweise durch den Fund von Jungtieren. Insgesamt ist sie aber wohl deutlich seltener als die Zwergfledermaus.

Fundortkarte

Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus)

Nachweise ab 1980



Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Fundorte als Tabelle anzeigen

Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1980

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
5637 Hof
5725 Stangenroth
5726 Bad Kissingen Nord
5731 Coburg
5826 Bad Kissingen Süd
5923 Rieneck
5925 Gauaschach
5927 Schweinfurt
6020 Aschaffenburg
6022 Rothenbuch
6031 Bamberg Nord
6035 Bayreuth
6122 Bischbrunn
6126 Dettelbach
6128 Ebrach
6131 Bamberg Süd
6133 Muggendorf
6137 Kemnath
6225 Würzburg Süd
6226 Kitzingen
6231 Adelsdorf
6232 Forchheim
6236 Eschenbach i.d.OPf.
6237 Grafenwöhr
6240 Flossenbürg
6331 Röttenbach
6332 Erlangen Nord
6338 Weiden i.d.OPf.
6432 Erlangen Süd
6440 Moosbach
6531 Fürth
6532 Nürnberg
6533 Röthenbach a.d.Pegnitz
6632 Schwabach
6729 Ansbach Süd
6739 Bruck i.d.OPf.
6740 Neukirchen-Balbini
6830 Gunzenhausen
6842 Miltach
6844 Lam
6943 Viechtach
6944 Bodenmais
6945 Zwiesel
6946 Hirschbach
7033 Titting
7034 Kipfenberg
7036 Riedenburg
7037 Kelheim
7040 Pfatter
7041 Münster
7043 Ruhmannsfelden
7046 Spiegelau
7133 Eichstätt
7134 Gaimersheim
7136 Neustadt a.d.Donau
7142 Straßkirchen
7143 Deggendorf
7146 Grafenau
7230 Donauwörth
7231 Genderkingen
7233 Neuburg a.d.Donau
7234 Ingolstadt
7235 Vohburg a.d.Donau
7243 Plattling
7244 Osterhofen
7245 Schöllnach
7246 Tittling
7247 Waldkirchen
7329 Höchstädt a.d.Donau
7330 Mertingen
7331 Rain
7335 Geisenfeld
7339 Ergoldsbach
7340 Dingolfing West
7344 Pleinting
7346 Hutthurm
7347 Hauzenberg
7433 Schrobenhausen
7434 Hohenwart
7438 Landshut West
7439 Landshut Ost
7445 Ortenburg
7446 Passau
7447 Obernzell
7536 Freising Nord
7537 Moosburg a.d.Isar
7545 Griesbach i.Rottal
7631 Augsburg
7636 Freising Süd
7637 Erding
7638 Taufkirchen (Vils)
7736 Ismaning
7737 Altenerding
7738 Dorfen
7741 Mühldorf a.Inn
7743 Marktl
7834 München-Pasing
7835 München
7836 München-Trudering
7840 Kraiburg a.Inn
7842 Burghausen
7941 Trostberg
7943 Tittmoning Ost
8040 Eggstätt
8041 Traunreut
8043 Laufen
8129 Kaufbeuren
8137 Bruckmühl
8138 Rosenheim
8139 Stephanskirchen
8140 Prien a.Chiemsee
8141 Traunstein
8142 Teisendorf
8143 Freilassing
8227 Kempten (Allgäu)
8229 Marktoberdorf
8232 Uffing a.Staffelsee
8238 Neubeuern
8239 Aschau i.Chiemgau
8243 Bad Reichenhall
8344 Berchtesgaden Ost
8423 Kressbronn am Bodensee
8424 Lindau (Bodensee)
8427 Immenstadt i.Allgäu
8432 Oberammergau
8442 Hirschbichl
8443 Königssee
8527 Oberstdorf
8532 Garmisch-Partenkirchen
Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Lebensraum und Lebensweise

Die Mückenfledermaus ist besonders in gewässer- und waldreichen Gebieten zu finden. Hierzu zählen besonders Flussauen mit Auwäldern und Parkanlagen in der Nähe von Gewässern. Auch relativ offene Kiefernwälder mit Teichketten und alte Laub- und Mischwälder werden genutzt.

Kolonien von Mückenfledermäusen wurden in Spalträumen an Gebäuden wie Fassadenverkleidungen oder hinter Fensterläden gefunden. In Nordostdeutschland wurden natürliche Kolonien in den Spalten abgebrochener Bäume beobachtet. Daten zur Fortpflanzung liegen aus Bayern bislang kaum vor. Zwillingsgeburten scheinen häufig zu sein. Die Männchen der Mückenfledermäuse locken nach der Aufzucht der Jungtiere mehrere (beobachtet wurden bis zu 12) Weibchen mit Balzrufen und Balzflügen zu ihren Balzquartieren (Baumhöhlen oder Nistkästen). Diese Paarungsquartiere werden nicht selten über mehrere Jahre wieder bezogen. Generell scheinen die Kolonien der Mückenfledermaus individuenreicher als die der Zwergfledermaus zu sein. In Nürnberg waren Mückenfledermäuse an Invasionen der Zwergfledermaus beteiligt.

Über die Winterquartiere dieser Fledermausart ist nur wenig bekannt. Die wenigen Funde in Bayern bzw. Deutschland befanden sich hinter Baumrinde sowie an Gebäuden hinter Wandverkleidungen, in Mauerspalten und in Zwischendecken.

Für die Jagd bevorzugen Mückenfledermäuse gewässernahe Wälder und Gehölze, z. B. Kleingewässer in Wäldern, Ufergebiete mit Schilfzonen oder Gehölzen. Sie jagen aber auch in Parkanlagen oder anderen Baumbeständen in Siedlungen. Meist halten sie bei ihrem schnellen und wendigen Flug Abstände von einem bis wenigen Metern zum Gehölz. Ihre Beute sind meist kleine Fluginsekten (hauptsächlich Mücken). Auch an Insektensammelpunkten wie unter Straßenlampen oder großen Bäumen gehen sie gezielt auf Beutefang.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

  • Beeinträchtigungen/Zerstörung der Wochenstubenquartiere an Gebäuden durch unsachgemäße Renovierungsmaßnahmen (z. B. Holzschutz, Streichen von Fensterläden im Sommer, Wärmedämmung) oder Vertreibung
  • Zerstörung der Winterquartiere durch Gebäuderenovierungen oder Sanierungsmaßnahmen (v. a. Altbausanierung, Verschluss von Mauerfugen etc.)
  • Verluste von Quartieren an Bäumen, speziell in Auwäldern, durch Nutzung von Altholzbeständen und Mangel an Biotopbäumen in ausreichend hoher Dichte; im besiedelten Bereich möglicherweise auch durch Baumsanierungen
  • Möglicherweise gelegentlich hohe Mortalitätsrate bei den spätsommerlichen Invasionen, ähnlich wie bei der Zwergfledermaus
  • Gifte im Jagdgebiet (Insektizide, Herbizide) und in den Quartieren (Holzschutzmittel)
  • Unfälle im Straßenverkehr, an Windkraftanlagen, Katzenopfer

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

  • Verbesserung der Lebensraumqualität von Auwäldern und gewässernahen Wäldern: Extensivierung der Nutzung, Förderung von Altholz bis hin zum Nutzungsverzicht
  • Erhaltung / Förderung von Biotopbäumen und anbrüchigen Bäumen in ausreichender Anzahl, insbesondere von abgebrochenen Baumtorsos
  • Förderung von (Klein)Gewässern in Wäldern
  • Anlage neuer (unzerschnittener) linearer Strukturen zwischen Wochenstuben und Nahrungshabitat (benötigt lange Vorlaufzeit)
  • Sicherung und Bereitstellung von Winterquartieren in (historischen) Gebäuden, d. h. Erhaltung / Ermöglichung der Zugänglichkeit und der Mauerspalten und -hohlräume

Sonstige Hinweise

Die beiden Schwesterarten Zwergfledermaus und Mückenfledermaus konnten erst im letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts unterschieden werden. Bei Auswertungen von Literatur und Artnachweisen zwischen 1990 und 2000 ist zu beachten, dass die Mückenfledermaus noch nicht als eigene Art erkannt wurde.

Die Mückenfledermaus kann leicht mit der Zwergfledermaus verwechselt werden. Ein hilfreiches Unterscheidungsmerkmal der beiden Arten besteht darin, dass die Endfrequenz der Rufe der Mückenfledermaus bei etwa 55 kHz, die der Zwergfledermaus bei etwa 45 kHz liegt.

Ergänzende Informationen

Meschede, A. & B.-U. Rudolph (Bearb.) (2004): Fledermäuse in Bayern. - Ulmer, Stuttgart.

Meschede, A. & B.-U. Rudolph (2010): 1985 - 2009: 25 Jahre Fledermausmonitoring in Bayern. - Schriftenr. des Bayerischen Landesamtes für Umwelt. Augsburg.

Artensteckbriefe Thüringen (www.tlug-jena.de).

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