Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Weißrandfledermaus (Pipistrellus kuhlii)

Rote Liste Bayern: Daten defizitär
Rote Liste Deutschland:
Erhaltungszustand Kontinental: Günstig
Erhaltungszustand Alpin:

Verbreitung und Bestandssituation

Die Weißrandfledermaus kommt als Wärme liebende Art von den Kanarischen und Kapverdischen Inseln über die Iberische Halbinsel, Westfankreich und ganz Südeuropa bis zum Kaukasus vor, außerdem in Teilen Afrikas und in Südasien.

In Mitteleuropa durchzieht die nördliche Verbreitungsgrenze die Nordschweiz, Süddeutschland, Österreich und die Slowakei, nur in Frankreich kommt sie weiter nördlich bis zur Kanalküste vor. In Südeuropa ist sie zum Teil die häufigste Fledermausart.

Die Weißrandfledermaus wurde in Bayern erstmalig 1996 in München nachgewiesen, 2002 erfolgte der erste Wochenstubenfund in Augsburg. Es handelt sich also um eine - vermutlich im Rahmen des Klimawandels - zugewanderte Fledermausart. Inzwischen tritt sie im Raum München-Dachau sowie in Augsburg häufig auf.

Fundortkarte

Weißrandfledermaus (Pipistrellus kuhlii)

Nachweise ab 1980



Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Fundorte als Tabelle anzeigen

Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1980

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
7134 Gaimersheim
7234 Ingolstadt
7430 Wertingen
7527 Günzburg
7531 Gersthofen
7630 Westheim b.Augsburg
7631 Augsburg
7632 Dasing
7633 Altomünster
7634 Markt Indersdorf
7731 Mering
7734 Dachau
7735 Oberschleißheim
7736 Ismaning
7834 München-Pasing
7835 München
7836 München-Trudering
8138 Rosenheim
Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Lebensraum und Lebensweise

Als synanthrope Art kommt die Weißrandfledermaus vor allem in Großstädten und anderen dichten Siedlungsräumen vor.

Die Wochenstuben beherbergen meist 20-100 weibliche Tiere, während die Männchen allein oder in kleinen Gruppen leben. Als Unterschlupf dienen in beiden Fällen Gebäudequartiere wie Spalten und kleine Hohlräume, Rollladenkästen, Fensterläden oder Räume hinter Dach- und Wandverschalungen. Die größte Kolonie in Bayern umfasste 2010 250 Weibchen und besiedelte Spalten hinter einer Holzfassade. Wochenstubenquartiere in Bayern befinden sich ansonsten hinter Blechverkleidungen, in Rollladenkästen und im Dachbereich unter Dachrinnen. Häufige Quartierwechsel sind belegt, so dass gelegentlich ein Quartierverbund besteht.

Lebensraum und Lebensweise ähneln der Zwergfledermaus, mit welcher außerhalb Bayerns auch schon gemischte Kolonien gefunden wurden.

Winterquartiere sind bisher nur sehr wenige bekannt geworden. Sie liegen demnach ebenfalls an Gebäuden in Fassadenhohlräumen, Mauerspalten etc., teilweise sind sie mit den Wochenstubenquartieren identisch.

Die Jagdgebiete der Weißrandfledermaus decken das gesamte Spektrum an städtischen Lebensräumen ab, von Parkanlagen über Hinterhöfe, Gärten bis hin zu Gewässern und Straßenlaternen. Gewässer mit ihren Gehölzsäumen spielen dabei eine besonders große Rolle.

Da es sich um eine sehr sesshafte und standortstreue Art handelt, sind keine Fälle von saisonaler Migration bekannt.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

  • Beeinträchtigungen/Zerstörung der Wochenstubenquartiere an Gebäuden durch Vertreibung, unsachgemäße Renovierungsmaßnahmen oder Gebäudemodernisierungen (Wärmedämmung, Holzschutz)
  • Zerstörung der Winterquartiere durch Gebäuderenovierungen oder Sanierungsmaßnahmen (v. a. Altbausanierung, Verschluss von Mauerfugen etc.)
  • Gifte im Jagdgebiet (Insektizide, Herbizide) und in den Quartieren (Holzschutzmittel)
  • Unfälle im Straßenverkehr; Katzenopfer

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

  • Öffnung / Erhaltung alternativer Wochenstubenquartiere zur Sicherstellung eines Quartierverbundes.
  • Sicherung und Bereitstellung von Winterquartieren in (historischen) Gebäuden, d. h. Erhaltung / Ermöglichung der Zugänglichkeit von Mauerspalten und -hohlräumen

Sonstige Hinweise

Die Weißrandfledermaus ähnelt in Verhalten und Habitatwahl der Zwerg- sowie der Rauhautfledermaus; alle drei Arten treten häufig gleichzeitig in den Jagdgebieten auf.

Rauhaut- und Weißrandfledermaus sind anhand ihrer Ortungsrufe im Feld nicht sicher zu unterscheiden. Das bedeutet, dass Detektor- oder Batcorder-Nachweise von Rauhautfledermäusen kritisch hinterfragt werden müssen! Bei Lautaufnahmen ist besonders auf die Sozialrufe zu achten, die arttypisch sind.

Ergänzende Informationen

MESCHEDE, A. & B. - U. RUDOLPH (Bearb.) (2004): Fledermäuse in Bayern. - Ulmer, Stuttgart.

RUDOLPH, B.-U., LICHTI, H., LIEGL, C. & S. PICHL (2010): Verbreitung, Status und erste Erkenntnisse zum Verhalten und zur Ökologie der Weißrandfledermaus, Pipistrellus kuhlii (Kuhl, 1817), in Bayern. - Nyctalus (N. F.) 15, 191-212.

http://www.lfu.bayern.de/natur/fachinformationen/artenhilfsprogramm_fledermaus/doc/bericht_bayern_flmabkommen.pdf

Themen

Service

Wir

Presse