Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Weißrandfledermaus (Pipistrellus kuhlii)

Rote Liste Bayern:
Rote Liste Deutschland:
Erhaltungszustand Kontinental: Günstig
Erhaltungszustand Alpin:

Verbreitung und Bestandssituation

Die Weißrandfledermaus kommt als Wärme liebende Art von den Kanarischen und Kapverdischen Inseln über die Iberische Halbinsel, Westfankreich und ganz Südeuropa bis zum Kaukasus vor, außerdem in Teilen Afrikas und in Südasien.

Seit Jahrzehnten breitet sie sich in Europa nach Norden aus. Nordfrankreich, Süddeutschland Tschechien und die Slowakei markieren zurzeit die nördliche Verbreitungsgrenze in West- und Mitteleuropa. In Südeuropa ist sie zum Teil die häufigste Fledermausart.

Die Weißrandfledermaus wurde in Bayern erstmalig 1996 in München nachgewiesen, 2002 erfolgte der erste Wochenstubenfund in Augsburg. Es handelt sich also um eine - vermutlich im Rahmen des Klimawandels - zugewanderte Fledermausart. Inzwischen tritt sie im Raum München-Dachau sowie in Augsburg häufig auf. Fortpflanzung wurde in den letzten Jahren auch an der Donau (Neu-Ulm, Ingolstadt) und in Südostbayern (Rosenheim) nachgewiesen.

Fundortkarte

Weißrandfledermaus (Pipistrellus kuhlii)

Nachweise ab 1990



Letzter Daten-Import erfolgte am 31.7.2018.

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Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1990

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
7134 Gaimersheim
7230 Donauwörth
7234 Ingolstadt
7430 Wertingen
7527 Günzburg
7531 Gersthofen
7625 Ulm-Südwest
7630 Westheim b.Augsburg
7631 Augsburg
7632 Dasing
7633 Altomünster
7634 Markt Indersdorf
7731 Mering
7734 Dachau
7735 Oberschleißheim
7736 Ismaning
7834 München-Pasing
7835 München
7836 München-Trudering
8034 Starnberg Süd
Letzter Daten-Import erfolgte am 31.7.2018.

Lebensraum und Lebensweise

Als synanthrope Art kommt die Weißrandfledermaus vor allem in Städten und anderen Siedlungsräumen vor.

Die Wochenstuben beherbergen meist 20-100 weibliche Tiere, während die Männchen allein oder in kleinen Gruppen leben. Als Unterschlupf dienen in beiden Fällen Gebäudequartiere wie Spalten und kleine Hohlräume, Rollladenkästen, Fensterläden oder Räume hinter Dach- und Wandverschalungen. Die größte Kolonie in Bayern umfasste 2010 250 Weibchen und besiedelte Spalten hinter einer Holzfassade. Wochenstubenquartiere in Bayern befinden sich ansonsten hinter Blechverkleidungen, in Mauerspalten und im Dachbereich unter Dachrinnen. Häufige Quartierwechsel sind belegt, so dass gelegentlich ein Quartierverbund besteht.

Lebensraum und Lebensweise ähneln der Zwergfledermaus, mit welcher außerhalb Bayerns auch schon gemischte Kolonien gefunden wurden.

Winterquartiere sind bisher nur wenige bekannt geworden. Sie liegen demnach ebenfalls an Gebäuden in Fassadenhohlräumen, Mauerspalten etc., teilweise sind sie mit den Wochenstubenquartieren identisch.

Die Jagdgebiete der Weißrandfledermaus decken das gesamte Spektrum an städtischen Lebensräumen ab, von Parkanlagen über Hinterhöfe, Gärten bis hin zu Gewässern und Straßenlaternen. Gewässer mit ihren Gehölzsäumen spielen dabei eine besonders große Rolle.

Da es sich um eine sehr sesshafte und standortstreue Art handelt, sind keine Fälle von saisonaler Migration bekannt.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

  • Beeinträchtigungen/Zerstörung der Wochenstubenquartiere an Gebäuden durch Vertreibung, unsachgemäße Renovierungsmaßnahmen oder Gebäudemodernisierungen (Wärmedämmung, Holzschutz)
  • Zerstörung der Winterquartiere durch Gebäuderenovierungen oder Sanierungsmaßnahmen (v. a. Altbausanierung, Verschluss von Mauerfugen etc.)
  • Gifte im Jagdgebiet (Insektizide, Herbizide) und in den Quartieren (Holzschutzmittel)
  • Unfälle im Straßenverkehr; Katzenopfer

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

  • Öffnung / Erhaltung alternativer Wochenstubenquartiere zur Sicherstellung eines Quartierverbundes.
  • Sicherung und Bereitstellung von Winterquartieren in (historischen) Gebäuden, d. h. Erhaltung / Ermöglichung der Zugänglichkeit von Mauerspalten und -hohlräumen

Sonstige Hinweise

Die Weißrandfledermaus ähnelt in Verhalten und Habitatwahl der Zwergfledermaus, in Bezug auf innerstädtische Jagdhabitate auch der Rauhautfledermaus; alle drei Arten treten im Siedlungsraum häufig gleichzeitig in den Jagdgebieten auf.

Rauhaut- und Weißrandfledermaus sind anhand ihrer Ortungsrufe im Feld nicht sicher zu unterscheiden. Das bedeutet, dass Detektor- oder Batcordernachweise von Rauhautfledermäusen kritisch hinterfragt werden müssen! Bei Lautaufnahmen ist besonders auf die Sozialrufe zu achten, die arttypisch sind.

Die Weißrandfledermaus ist in Bayern nicht gefährdet.

Ergänzende Informationen

Meschede, A. & B.-U. Rudolph (Bearb.) (2004): Fledermäuse in Bayern. - Ulmer, Stuttgart.

Rudolph, B.-U., Lichti, H., Liegl, C. & S. Pichl (2010): Verbreitung, Status und erste Erkenntnisse zum Verhalten und zur Ökologie der Weißrandfledermaus, Pipistrellus kuhlii (Kuhl, 1817), in Bayern. - Nyctalus (N. F.) 15, 191-212.

https://www.lfu.bayern.de/natur/artenhilfsprogramme_zoologie/fledermaeuse/index.htm

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