Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Kleiner Wasserfrosch (Pelophylax lessonae)

Rote Liste Bayern: Daten defizitär
Rote Liste Deutschland: Gefährdung anzunehmen, aber Status unbekannt
Erhaltungszustand Kontinental: Unbekannt
Erhaltungszustand Alpin: Unbekannt

Verbreitung und Bestandssituation

Das Verbreitungsgebiet des Kleinen Wasserfrosches ist fast identisch mit dem des Teichfroschs und erstreckt sich praktisch über das gesamte gemäßigte Europa von der französischen Atlantikküste im Westen bis zur mittleren Wolga im Osten. Die Nordgrenze erreicht erst in Polen die Ostseeküste und erstreckt sich über das Baltikum bis nach St. Petersburg. Die Südgrenze verläuft von der Garonne-Mündung in Frankreich östlich über Grenoble und Nord-Italien etwa entlang der Save und des Donau-Unterlaufs.

Die genaue Verbreitung innerhalb Deutschlands ist unklar, da die Bestimmung der Art nicht immer ganz sicher erfolgt (s. sonstige Hinweise). Verbreitungsschwerpunkte sind Ober- sowie Niederrhein, Brandenburg, Sachsen, Thüringen, Teile Nordbayerns und das Alpenvorland (nicht über 1000 m).

Aufgrund der bisher nicht konsequenten Bestimmung und Übertragung von Daten aus Gutachten u. ä. (vgl. sonstige Hinweise) ist die genaue Verbreitung des Kleinen Wasserfroschs auch in Bayern nicht ganz klar. Schwerpunkte der derzeitigen lessonae-Nachweise liegen eindeutig im Alpenvorland, weitere in der Region um Nürnberg, im Steigerwald und im Landkreis Hof.

Fundortkarte

Kleiner Wasserfrosch (Pelophylax lessonae)

Nachweise ab 1980



Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Fundorte als Tabelle anzeigen

Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1980

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
5526 Bischofsheim a.d.Rhön
5527 Mellrichstadt
5537 Gefell
5626 Sandberg
5627 Bad Neustadt a.d.Saale
5628 Bad Königshofen i.Grabfeld
5629 Römhild
5631 Meeder
5636 Naila
5637 Hof
5638 Triebel (Vogtland)
5724 Zeitlofs
5725 Stangenroth
5726 Bad Kissingen Nord
5727 Münnerstadt
5728 Oberlauringen
5729 Alsleben
5732 Sonnefeld
5736 Helmbrechts
5737 Schwarzenbach a.d.Saale
5738 Rehau
5824 Gräfendorf
5835 Stadtsteinach
5924 Gemünden a.Main
5927 Schweinfurt
5928 Obertheres
5931 Ebensfeld
5934 Thurnau
5935 Marktschorgast
6029 Knetzgau
6031 Bamberg Nord
6039 Mitterteich
6136 Kirchenlaibach
6137 Kemnath
6139 Falkenberg
6228 Wiesentheid
6229 Schlüsselfeld
6231 Adelsdorf
6232 Forchheim
6233 Ebermannstadt
6235 Pegnitz
6236 Eschenbach i.d.OPf.
6237 Grafenwöhr
6238 Parkstein
6239 Neustadt a.d.Waldnaab
6328 Scheinfeld
6330 Uehlfeld
6331 Röttenbach
6335 Auerbach i.d.OPf.
6336 Vilseck
6337 Kaltenbrunn
6338 Weiden i.d.OPf.
6430 Emskirchen
6431 Herzogenaurach
6432 Erlangen Süd
6433 Lauf a.d.Pegnitz
6437 Hirschau
6438 Schnaittenbach
6440 Moosbach
6441 Eslarn
6527 Burgbernheim
6528 Marktbergel
6533 Röthenbach a.d.Pegnitz
6537 Amberg
6628 Leutershausen
6629 Ansbach Nord
6631 Roßtal
6632 Schwabach
6633 Feucht
6640 Neunburg vorm Wald
6731 Abenberg
6732 Roth
6733 Allersberg
6738 Burglengenfeld
6740 Neukirchen-Balbini
6829 Ornbau
6830 Gunzenhausen
6831 Spalt
6832 Heideck
6833 Hilpoltstein
6836 Parsberg
6929 Wassertrüdingen
6936 Hemau
7030 Wolferstadt
7031 Treuchtlingen
7041 Münster
7042 Bogen
7129 Deiningen
7130 Wemding
7131 Monheim
7138 Langquaid
7141 Straubing
7142 Straßkirchen
7143 Deggendorf
7230 Donauwörth
7232 Burgheim Nord
7233 Neuburg a.d.Donau
7234 Ingolstadt
7236 Münchsmünster
7238 Rottenburg a.d.Laaber
7239 Mallersdorf
7243 Plattling
7244 Osterhofen
7329 Höchstädt a.d.Donau
7330 Mertingen
7333 Karlshuld
7334 Reichertshofen
7339 Ergoldsbach
7340 Dingolfing West
7347 Hauzenberg
7428 Dillingen a.d.Donau West
7430 Wertingen
7431 Thierhaupten
7432 Pöttmes
7433 Schrobenhausen
7434 Hohenwart
7435 Pfaffenhofen a.d.Ilm
7437 Bruckberg
7438 Landshut West
7439 Landshut Ost
7444 Aidenbach
7446 Passau
7526 Ulm Nordost
7530 Gablingen
7531 Gersthofen
7534 Petershausen
7536 Freising Nord
7537 Moosburg a.d.Isar
7538 Buch a.Erlbach
7539 Geisenhausen
7540 Vilsbiburg
7542 Eggenfelden
7543 Pfarrkirchen
7544 Bad Birnbach
7627 Ichenhausen
7628 Jettingen
7629 Dinkelscherben
7630 Westheim b.Augsburg
7631 Augsburg
7632 Dasing
7636 Freising Süd
7638 Taufkirchen (Vils)
7639 Velden
7640 Egglkofen
7641 Neumarkt-Sankt Veit
7645 Rotthalmünster
7726 Illertissen
7727 Buch
7732 Mammendorf
7734 Dachau
7737 Altenerding
7738 Dorfen
7739 Schwindegg
7740 Ampfing
7741 Mühldorf a.Inn
7742 Altötting
7826 Kirchberg an der Iller
7829 Ettringen
7832 Türkenfeld
7833 Fürstenfeldbruck
7834 München-Pasing
7837 Markt Schwaben
7838 Albaching
7839 Haag i.OB
7841 Garching a.d.Alz
7842 Burghausen
7928 Mindelheim
7931 Landsberg am Lech
7932 Utting am Ammersee
7933 Weßling
7936 Zorneding
7937 Grafing b.München
7938 Steinhöring
7939 Wasserburg a.Inn
7940 Obing
7941 Trostberg
7942 Tittmoning
7943 Tittmoning Ost
8027 Memmingen
8031 Denklingen
8032 Dießen a.Ammersee
8033 Tutzing
8034 Starnberg Süd
8035 Sauerlach
8037 Glonn
8038 Rott a.Inn
8039 Bad Endorf
8040 Eggstätt
8041 Traunreut
8042 Waging a.See
8043 Laufen
8127 Bad Grönenbach
8131 Schongau
8132 Weilheim i.OB
8133 Seeshaupt
8134 Königsdorf
8135 Sachsenkam
8136 Holzkirchen
8138 Rosenheim
8139 Stephanskirchen
8140 Prien a.Chiemsee
8141 Traunstein
8142 Teisendorf
8143 Freilassing
8226 Isny im Allgäu-Nord
8227 Kempten (Allgäu)
8228 Wildpoldsried
8229 Marktoberdorf
8230 Lechbruck
8231 Peiting
8233 Iffeldorf
8234 Penzberg
8235 Bad Tölz
8236 Tegernsee
8240 Marquartstein
8241 Ruhpolding
8324 Wangen im Allgäu West
8325 Wangen im Allgäu Ost
8327 Buchenberg
8328 Nesselwang West
8329 Nesselwang Ost
8330 Roßhaupten
8331 Bad Bayersoien
8332 Unterammergau
8333 Murnau a.Staffelsee
8334 Kochel a.See
8335 Lenggries
8424 Lindau (Bodensee)
8425 Weiler-Simmerberg
8427 Immenstadt i.Allgäu
8430 Füssen
8433 Eschenlohe
Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Lebensraum und Lebensweise

Kleine Wasserfrösche sind unter den drei Grünfrosch-Arten diejenige, die am wenigsten stark an das Gewässerumfeld als Lebensraum gebunden sind. Sie bewohnen Au- und Bruchwälder sowie andere Laub- und Mischwaldgebiete abseits großer Flussauen, innerhalb derer sie auf der Suche nach Nahrung oder neuen Lebensräumen (vor allem Jungtiere) regelmäßige Wanderungen über Land unternehmen und dabei auch in steppenähnliche, feuchte und halboffene (verbuschte) Landschaften vordringen. Vielfach kommt die Art zusammen mit dem Teichfrosch (P. esculentus) vor; reine lessonae-Populationen finden sich typischerweise in Moorgebieten innerhalb von Wäldern. Große oder vegetationsarme Stillgewässer werden eher gemieden; hier dominieren dann Teich- und Seefrosch.

Die meisten Kleinen Wasserfrösche überwintern an Land. Zwischen April und September wandern die Tiere wieder in ihre Laichgewässer ein. Bevorzugt werden kleinere, eher nährstoffarme, auch saure Gewässer in Abbaustellen, Flussauen, Nieder- und Übergangsmooren, die sonnenexponiert, vegetationsreich und gut strukturiert sind. Die Tiere sitzen meist an flachen Uferstellen, wo sie bei Störungen mit einem Sprung ins tiefere Wasser flüchten können.

In der Paarungszeit von Mai bis Juni besetzen die Männchen zwar kleine Reviere, bilden an flachen Wasserstellen aber größere Rufgemeinschaften. Die Weibchen setzen mehrere Laichballen nacheinander in kleinen Klümpchen von je "nur" einigen hundert Eiern (insgesamt max. ca. 3.000 Eier) im seichten Wasser ab und heften sie meist an Pflanzen an. Die nach wenigen Tagen schlüpfenden Kaulquappen entwickeln sich abhängig von Temperatur und Nahrungsangebot (Blau- und Grünalgen) innerhalb von ca. 1-3 Monaten.

Kleine Wasserfrösche fressen terrestrisch lebende Insekten, Spinnen, Schnecken und Würmer, aber auch andere Amphibien, die sie oft mehrere hundert Meter vom Gewässer in Sümpfen, Mooren, feuchten Wiesen und Wäldern finden. Aquatische Organismen wie Wasserläufer oder -käfer machen weniger als die Hälfte der Nahrung aus.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

  • Intensivierung der teichwirtschaftlichen oder fischereilichen Nutzung in Teichen und Weihern,
  • Entwertung der Laichgewässer durch Beseitigung von Verlandungs- und Unterwasservegetation,
  • Habitatverluste durch
  • anhaltende Entwässerung von Feuchtgebieten,
  • Absenkung des Grundwassers, wodurch Kleingewässer zu schnell (= während der Larvalentwicklung) trocken fallen bzw. erst gar nicht mehr entstehen,
  • Rekultivierung von Abbaustellen mit Beseitigung von Kleinstrukturen und Gewässern,
  • Intensivierung der Landbewirtschaftung im direkten Umfeld (Einzugsgebiet) der Laichgewässer, insbesondere Umwandlung von Grünland in Ackerflächen,
  • Zerschneidung von Lebensräumen, insbesondere Trennung von Laichgewässern und Landlebensräumen / Winterquartieren,
  • Verdrängung durch den Seefrosch,
  • Ausbringung von Fischen in Laichgewässer.

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

  • Anlage geeigneter Laichgewässer oder deren Wiederherstellung (z. B. durch vorsichtige Entlandung und Freistellung von Verbuschung)
  • Entnahme von Gehölzen, die frühere oder potenzielle Laichgewässer stark beschatten
  • Anlage von Pufferstreifen um nachgewiesene Laichgewässer (-komplexe), die Nähr- und Schadstoffeinträge aus angrenzenden Intensivnutzungen verhindern, sowie Umwandlung von Ackerflächen in extensiv genutzte Gründlandflächen im Umfeld
  • Abfischen von Gewässern (insbesondere bei gebietsfremden Arten wie Goldfischen)
  • Renaturierung von Fließgewässern mit Altwässern (benötigt längere Vorlaufzeit)
  • Umsetzung geeigneter Amphibienschutzmaßnahmen an Straßen im Bereich der Wanderkorridore

Allgemein gilt: Neben der Anlage der Laichgewässer muss eine dauerhafte Pflege der Strukturen gewährleistet sein.

Sonstige Hinweise

Für Pelophylax lessonae wurden und werden immer wieder abweichende deutsche Namen verwendet, z. B. Kleiner Wasserfrosch oder auch nur "Teichfrosch", auch "Tümpelfrosch".

Der gesamte Grünfrosch-Komplex ("Wasserfrösche"), der die Arten lessonae und ridibundus sowie den Hybrid oder Bastard (sog. "Klepton", kurz "kl.") esculentus enthält, ist grundsätzlichschwer bestimmbar. Insofern ist insbesondere bei Einzelnachweisen oder reinen Sicht- oder Ruf-Nachweisen Vorsicht geboten, ob lessonae auch sicher nach morphologischen Kriterien bestimmt wurde. Das ist zeitaufwändig, da man eine größere Anzahl Tiere fangen muss, um insbesondere die Relation Fersenhöcker : 1. Zehe zu vermessen.

Ergänzende Informationen

Sowig, P., Plötner, J. & K. Fritz (2007): Kleiner Wasserfrosch Rana lessonae Camerano, 1882. In: Laufer, H., K. Fritz & P. Sowig (Bearb., 2007): Die Amphibien und Reptilien Baden-Württembergs: 477-486. - Ulmer.

Eine sehr gute Hintergrundbeschreibung des Grünfrosch-Komplexes ("Wasserfrösche") einschließlich Bestimmungshilfen gibt http://herpetofauna-nrw.de/Arten/2.16Wasserfroesche.htm.

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