Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Schwarzer Apollo (Parnassius mnemosyne)

Rote Liste Bayern: Stark gefährdet
Rote Liste Deutschland: Stark gefährdet
Erhaltungszustand Kontinental: Ungünstig/schlecht
Erhaltungszustand Alpin: Günstig
417727
Foto: Wilhelm Gailberger

Verbreitung und Bestandssituation

Das Areal reicht von den Pyrenäen über verschiedene europäische Mittel- und Hochgebirge (Griechenland bis Finnland) bis nach Zentralasien. In Deutschland kommt die Art außerhalb von Bayern aktuell noch am Vogelsberg und auf der Schwäbischen Alb vor. Erloschen sind u. a. die Vorkommen im Harz und im Schwarzwald.

In Bayern sind aktuell noch die Rhön und die Alpen besiedelt. Alle übrigen bayerischen Vorkommen sind erloschen, z.B. im Alpenvorland und im Raum Passau. Zwischen Ammergebirge und Karwendel scheint eine natürliche Verbreitungslücke zu existieren. Die Alpen beherbergen die größten Populationen Deutschlands, u.a. mit Populationen von mehreren Tausend Individuen. Der Bestand scheint weitgehend stabil. Die Rhön bildet mit den angrenzenden Vorkommen in Hessen und Thüringen ebenfalls ein Vorkommenszentrum. Dort hat es in den letzten Jahrzehnten u.a. durch Windwürfe und nachfolgende Gehölzsukzession sowie aufgrund gezielter Schutzmaßnahmen stärkere Bestandsschwankungen gegeben. Die aktuelle Bestandsituation wird derzeit untersucht.

Fundortkarte

Schwarzer Apollo (Parnassius mnemosyne)

Nachweise ab 1980



Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

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Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1980

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
5426 Hilders
5525 Gersfeld (Rhön)
5526 Bischofsheim a.d.Rhön
5625 Wildflecken
8238 Neubeuern
8239 Aschau i.Chiemgau
8240 Marquartstein
8241 Ruhpolding
8338 Bayrischzell
8340 Reit im Winkl
8341 Seegatterl
8342 Schneizlreuth
8343 Berchtesgaden West
8344 Berchtesgaden Ost
8426 Oberstaufen
8427 Immenstadt i.Allgäu
8429 Pfronten
8443 Königssee
8444 Hoher Göll
8526 Balderschwang
8528 Hinterstein
8627 Einödsbach
8628 Hochvogel
8727 Biberkopf
Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Phänologie

Als Lebensraum dienen Saum- und Gebüschgesellschaften sowie extensiv genutztes Grünland im Kontaktbereich zu Laub- und Mischwäldern oder einzelnen Baumgruppen. Voraussetzung ist das Vorkommen von als Raupennahrung geeigneten Lerchensporn-Arten in gut besonnter Lage. Geschlossene, lichtarme Wälder eignen sich auch bei großen Lerchensporn-Beständen nicht als Lebensraum. Schnee- und Windbruch sowie Schädlingskalamitäten, in den Alpen auch Lawinen und Hangrutschungen stellen dynamische Prozesse zur Entstehung von Larvalhabitaten dar.

Bei den besiedelten Biotopen in der Rhön handelt es sich um sonnige Stellen in frischen Laubwäldern wie Waldwiesen, Waldschneisen, Waldränder und Kahlschläge.

In den Alpen lebt die Art überwiegend auf waldnahen, oft verhochstaudeten Almflächen und im Bereich größerer Waldlichtungen bei bis zu 1600m. Auch hier herrscht i.d.R. eine gute Besonnung bei gleichzeitig guter Wasser- und Nährstoffversorgung vor. P. mnemosyne ist ähnlich seiner Schwesternart P. apollo ein eifriger, unspezifischer Blütenbesucher mit hohem Nektarbedarf.

Als Raupennahrungspflanzen werden Hohler Lerchensporn (Corydalis cava) und Mittlerer Lerchensporn (C. intermedia) befressen. Die Eiablage erfolgt in der Nähe der abgestorbenen Fraßpflanzen meist dicht am Boden an dürren Pflanzenstängeln, trockenen Zweigen o. ä.

Die Entwicklung der Raupen verläuft wegen der kurzzeitigen Verfügbarkeit der Fraßpflanzen außerordentlich schnell und schon nach drei Häutungen und etwa 45-50 Tagen erfolgt die bodennahe Verpuppung. Die Flugzeit reicht von Mitte Mai bis Anfang August mit Schwerpunkt im Juni (Juli).

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

Die Larvalhabitate sind vielfach eng begrenzt und damit sehr empfindlich gegenüber Beeinträchtigungen.

  • Verluste von Larvalhabitaten z.B. durch Befahrung oder Wegebau,
  • Habitatverluste durch Aufforstungen und natürliche Gehölzsukzession,
  • Grünlandintensivierung, insbesondere Mahd/intensive Beweidung vor Beendigung der Flugzeit Anfang Juli.

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

Der ausschließliche Rückzug auf Regionen mit hohen Anteilen extensiver Landnutzungsformen verdeutlicht, dass die Vorkommen langfristig nur durch den Erhalt von Populationen auf Landschaftsebene erhalten werden können.

  • Erhalt und Förderung strukturreicher Waldränder mit großflächigen Saumstandorten und gut besonnten Lerchensporn-Beständen.
  • Erhalt, Wiederherstellung und Förderung blütenreicher Wiesen und Säume im Umfeld als Nektar- und Ruhehabitate der Falter
  • Erhalt der extensiven Almwirtschaft in den Alpen als habitatsichernde Nutzungsform. Vermeidung einer (intensiven) Beweidung oder Mahd vor Beendigung der Flugzeit (ca. Anfang Juli) auf ausgewählten, potentiell geeigneten Standorten im Umfeld bekannter Vorkommen.
  • Schonendes Auslichten von Waldrändern und Gehölzbeständen und Extensivierung angrenzender Grünlandflächen

Sonstige Hinweise

Ergänzende Informationen

Literatur

Kudrna, O. & W. Seufert (1991): Ökologie und Schutz von Parnassius mnemosyne (Linnaeus, 1758) in der Rhön. - Oedippus 2: 1-44

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