Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Wimperfledermaus (Myotis emarginatus)

Rote Liste Bayern: Stark gefährdet
Rote Liste Deutschland: Stark gefährdet
Erhaltungszustand Kontinental: Ungünstig/unzureichend
Erhaltungszustand Alpin: Unbekannt

Verbreitung und Bestandssituation

Die Wimperfledermaus bewohnt weite Teile Süd- und Mitteleuropas bis in die südlichen Niederlande und nach Südpolen, allerdings mit einer großflächigen Verbreitungslücke auf deutschem Staatsgebiet.

In Deutschland kommt die Art nur randlich in drei getrennten Regionen in Südbaden, der Südpfalz und in Bayern vor, die besonders wärmebegünstig sind.

In Bayern stellt der Südosten mit den Naturräumen Isar-Inn-Schotterplatten, Alpen und das Voralpine Hügel- und Moorland in Oberbayern den Verbreitungsschwerpunkt dar. Bei zweii Nachweisen (2009 und 1950, letzterer in der Karte nicht dargestellt) aus der südlichen und mittleren Frankenalb handelt es sich um Einzeltiere.

Der Bestand in Bayern wird auf 3.000 bis 4.000 Individuen geschätzt (etwa 1.500 Weibchen in 13 Kolonien). Er ist seit etwa zehn Jahren konstant.

Fundortkarte

Wimperfledermaus (Myotis emarginatus)

Nachweise ab 1980



Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Fundorte als Tabelle anzeigen

Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1980

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
6736 Velburg
7132 Dollnstein
7839 Haag i.OB
7841 Garching a.d.Alz
7939 Wasserburg a.Inn
7941 Trostberg
7942 Tittmoning
8034 Starnberg Süd
8038 Rott a.Inn
8039 Bad Endorf
8040 Eggstätt
8041 Traunreut
8042 Waging a.See
8043 Laufen
8135 Sachsenkam
8137 Bruckmühl
8139 Stephanskirchen
8140 Prien a.Chiemsee
8141 Traunstein
8142 Teisendorf
8143 Freilassing
8237 Miesbach
8239 Aschau i.Chiemgau
8241 Ruhpolding
8242 Inzell
8243 Bad Reichenhall
8334 Kochel a.See
8336 Rottach-Egern
8343 Berchtesgaden West
8344 Berchtesgaden Ost
8433 Eschenlohe
8443 Königssee
Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Lebensraum und Lebensweise

Die Wochenstuben der Wimperfledermaus befinden sich in West- und Mitteleuropa fast ausschließlich in Dachstühlen von großen Gebäuden wie Kirchen und Schlössern oder Ställen und Heuschobern. Präferiert werden weiterhin helle, geräumige Dachböden.

Die Wimperfledermauskolonie hängt frei und sichtbar an Decken oder Balken und reagiert besonders empfindlich auf ungewohnte Geräusche und Störungen (Annäherung von Personen im Quartier).

In der Regel sind Wimperfledermäuse größtenteils quartier- und ortstreu, nutzen aber von Zeit zu Zeit andere nahe gelegene Quartiere bzw. wechseln zwischen eng benachbarten Kolonien. Die Wochenstuben werden meist ab der ersten Maiwoche bezogen, wobei die Geburt der Jungtiere ab Mitte Juni bis Anfang Juli stattfindet.

Einzeltiere (meist Männchen) haben ihre Quartiere in Baumhöhlen und in Gebäuden.

Wimperfledermäuse sind spezialisiert auf das Absammeln von Beuteinsekten von einem Untergrund. Dies können Blätter von Bäumen sein oder Decken und Wände von Viehställen. Dabei fliegen sie dicht an der Decke entlang und nehmen die ruhenden Fliegen auf. Ställe können wichtige Teiljagdhabitate darstellen, vor allem zur Wochenstubenzeit, da hier auf kleinem Raum viel Nahrung vorhanden ist. Die Hauptjagdgebiete befinden sich ansonsten in Misch- und Laubwäldern, Nadelwälder werden eher gemieden. Auf ihrem Weg in die Jagdgebiete meiden sie freies Gelände und orientieren sich an Leitlinien wie Hecken und anderen Gehölzen.

Winterquartiere sind in Bayern kaum bekannt. Aufgrund von schwärmenden Tieren im Spätsommer an Höhlen wird vermutet, dass die Tiere überwiegend in Höhlen in den Alpen überwintern. In der Pfalz befinden sich die Winterschlafplätze in Stollen weit entfernt vom Eingang.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

  • Beeinträchtigung der Jagdlebensräume durch schleichende Habitatveränderungen
  • Strukturwandel in der Landwirtschaft durch Rückgang der Milchviehwirtschaft
  • Beeinträchtigungen/Zerstörung der Wochenstubenquartiere an Gebäuden durch unsachgemäße Renovierungsmaßnahmen
  • Mangel an geeigneten, ungestörten und zugänglichen Dachbodenquartieren
  • Gifte im Jagdgebiet (Insektizide, Herbizide) und in den Quartieren (Holzschutzmittel)
  • Zerschneidung von Jagdgebieten durch neue Verkehrstrassen
  • Sonstige Störungen, z. B. Störungen im Winterquartier
  • Reduktion von altem Laubholzbestand
  • Unfälle durch Klebstreifen / Fliegenfänger bei der Jagd in Ställen

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

  • Sicherung alter und strukturreicher Laub- und Mischwaldbestände für den Fledermausschutz
  • Sicherung / Erhöhung des Quartierangebots in Wäldern durch gezielte Förderung von Alt- und Totholz (Verbesserung der Lebensbedingungen von Spechten zur Gewährleistung von genügend Höhlen)
  • Öffnung / Optimierung alternativer Wochenstubenquartiere im Sinne eines Quartierverbundes in der Nähe bestehender Wochenstuben
  • Anlage neuer (unzerschnittener) linearer Strukturen zwischen Wochenstube und Nahrungshabitaten
  • Minimierung von Störungen an Winter- und Schwarmquartieren (Vergitterung, Besucherlenkung, Informationstafeln)

Sonstige Hinweise

Die Tiere der Kolonie in Dettendorf vermeiden den direkten Überflug der Autobahn A8, sondern nehmen einen Umweg zu einer Unterführung in Kauf, um zu ihren Jagdgebieten jenseits der Autobahn zu gelangen.

Ergänzende Informationen

Meschede, A. & B.-U. Rudolph (Bearb.) (2004): Fledermäuse in Bayern. - Ulmer, Stuttgart.

Meschede, A. & B.-U. Rudolph (2010): 1985 - 2009: 25 Jahre Fledermausmonitoring in Bayern. - Schriftenr. des Bayerischen Landesamtes für Umwelt. Augsburg.

DREILÄNDER-NATURPARK RAAB: Artbericht über die Wimperfledermaus (www.naturparkraab.at)

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