Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Große Bartfledermaus (Myotis brandtii)

Rote Liste Bayern: Stark gefährdet
Rote Liste Deutschland: Arten der Vorwarnliste
Erhaltungszustand Kontinental: Ungünstig/unzureichend
Erhaltungszustand Alpin: Unbekannt

Verbreitung und Bestandssituation

Die Große Bartfledermaus (auch Brandtfledermaus) ist eine Art mittlerer und nördlicher Breitengrade: vom Südosten Frankreichs erstreckt sich das Verbreitungsgebiet bis in den Westen Sibiriens. Im Mittelmeerraum fehlt die Art bis auf wenige Funde in Mittelitalien und auf dem Balkan (Kenntnisdefizit?). Im Norden bildet etwa der 65. Breitengrad die Grenzlinie

In Deutschland ist die Art in fast allen Bundesländern anzutreffen.

Bayern ist fast flächendeckend, aber überall nur sehr dünn von der Großen Bartfledermaus besiedelt.

Fundortkarte

Große Bartfledermaus (Myotis brandtii)

Nachweise ab 1980



Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Fundorte als Tabelle anzeigen

Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1980

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
5527 Mellrichstadt
5534 Lehesten
5624 Bad Brückenau
5626 Sandberg
5627 Bad Neustadt a.d.Saale
5631 Meeder
5632 Neustadt b.Coburg
5635 Nordhalben
5731 Coburg
5732 Sonnefeld
5738 Rehau
5829 Hofheim i.UFr.
5831 Seßlach
5833 Burgkunstadt
5924 Gemünden a.Main
5925 Gauaschach
5928 Obertheres
5935 Marktschorgast
5937 Fichtelberg
5938 Marktredwitz
6025 Arnstein
6029 Knetzgau
6030 Eltmann
6031 Bamberg Nord
6125 Würzburg Nord
6128 Ebrach
6129 Burgwindheim
6130 Burgebrach
6131 Bamberg Süd
6133 Muggendorf
6139 Falkenberg
6225 Würzburg Süd
6231 Adelsdorf
6232 Forchheim
6233 Ebermannstadt
6234 Pottenstein
6236 Eschenbach i.d.OPf.
6237 Grafenwöhr
6240 Flossenbürg
6330 Uehlfeld
6331 Röttenbach
6332 Erlangen Nord
6335 Auerbach i.d.OPf.
6337 Kaltenbrunn
6338 Weiden i.d.OPf.
6433 Lauf a.d.Pegnitz
6435 Pommelsbrunn
6438 Schnaittenbach
6440 Moosbach
6441 Eslarn
6527 Burgbernheim
6529 Markt Erlbach
6532 Nürnberg
6538 Schmidgaden
6636 Kastl
6643 Furth i.Wald
6736 Velburg
6738 Burglengenfeld
6741 Cham West
6742 Cham Ost
6744 Rittsteig
6830 Gunzenhausen
6844 Lam
6845 Bayerisch Eisenstein
6931 Weißenburg i.Bay.
6938 Regensburg
6942 Sankt Englmar
6943 Viechtach
6944 Bodenmais
6945 Zwiesel
6946 Hirschbach
7032 Bieswang
7036 Riedenburg
7037 Kelheim
7040 Pfatter
7042 Bogen
7043 Ruhmannsfelden
7044 Regen
7045 Frauenau
7046 Spiegelau
7047 Finsterau
7130 Wemding
7142 Straßkirchen
7143 Deggendorf
7144 Lalling
7145 Schöfweg
7146 Grafenau
7147 Freyung
7230 Donauwörth
7233 Neuburg a.d.Donau
7234 Ingolstadt
7243 Plattling
7244 Osterhofen
7246 Tittling
7328 Wittislingen
7331 Rain
7337 Pfeffenhausen
7341 Dingolfing Ost
7346 Hutthurm
7347 Hauzenberg
7432 Pöttmes
7441 Frontenhausen
7442 Arnstorf
7446 Passau
7531 Gersthofen
7532 Aichach
7625 Ulm-Südwest
7631 Augsburg
7632 Dasing
7638 Taufkirchen (Vils)
7645 Rotthalmünster
7734 Dachau
7738 Dorfen
7739 Schwindegg
7740 Ampfing
7741 Mühldorf a.Inn
7743 Marktl
7826 Kirchberg an der Iller
7827 Babenhausen
7828 Kirchheim i.Schw.
7833 Fürstenfeldbruck
7838 Albaching
7840 Kraiburg a.Inn
7842 Burghausen
7926 Rot a.d.Rot
7927 Amendingen
7928 Mindelheim
7930 Buchloe
7932 Utting am Ammersee
7940 Obing
7942 Tittmoning
8026 Aitrach
8027 Memmingen
8029 Kaufbeuren-Neugablonz
8038 Rott a.Inn
8040 Eggstätt
8043 Laufen
8127 Bad Grönenbach
8129 Kaufbeuren
8135 Sachsenkam
8137 Bruckmühl
8139 Stephanskirchen
8140 Prien a.Chiemsee
8141 Traunstein
8227 Kempten (Allgäu)
8230 Lechbruck
8233 Iffeldorf
8234 Penzberg
8238 Neubeuern
8239 Aschau i.Chiemgau
8240 Marquartstein
8327 Buchenberg
8329 Nesselwang Ost
8333 Murnau a.Staffelsee
8335 Lenggries
8337 Josefsthal
8338 Bayrischzell
8341 Seegatterl
8342 Schneizlreuth
8343 Berchtesgaden West
8430 Füssen
8432 Oberammergau
8433 Eschenlohe
8442 Hirschbichl
8443 Königssee
8532 Garmisch-Partenkirchen
8534 Östl. Karwendelspitze
8544 Funtensee Ost
Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Lebensraum und Lebensweise

Die Große Bartfledermaus bevorzugt wald- und gewässerreiche Landschaften, wobei sowohl Laub-, als auch Misch- und Nadelwälder geeignet sein können.

Das Wissen zum Jagdverhalten der Art ist noch sehr lückenhaft, aber eine breit gefächerte Nutzung von Jagdhabitaten im Wald und an Gewässern ist wahrscheinlich: Jagd findet in verschiedenen Höhenstufen statt, auch nahe an der Vegetation oder dicht über einem Gewässer. Nahrungsanalysen nennen Schmetterlinge, Zweiflügler, aber auch Spinnen und Weberknechte als Beutetiere und belegen damit ein breites Beutespektrum. Zur Wochenstubenzeit können regelmäßig genutzte Jagdhabitate bis zu 11 km vom Quartier entfernt liegen.

Wochenstuben- und Sommerquartiere der Großen Bartfledermaus befinden sich in Bayern ganz überwiegend in spaltenförmigen Quartieren an Gebäuden wie unter Verschalungen, in Spalten zwischen Balken, hinter Fassaden oder ähnliches. Die Nutzung von Baumhöhlen, Hangplätzen hinter abstehender Rinde toter oder kranker Bäume und Flachkästen ist für die Art jedoch ebenfalls typisch und wird vermutlich nur seltener bekannt.

Häufig liegen die Quartierstandorte im Wald oder in Waldnähe als dem bevorzugten Jagdhabitat. Quartierwechsel von Kolonien innerhalb einer Saison kommen wohl regelmäßig vor.

Zur Überwinterung suchen Große Bartfledermäuse frostsichere unterirdische Winterquartiere wie Höhlen, größere Keller oder Stollen mit Temperaturen zwischen 2 und 7°C und hoher Luftfeuchtigkeit auf, wo sie sowohl frei an den Wänden hängend als auch in Spalten anzutreffen sind. Nicht selten teilt sich die Art das Winterquartier auch mit der Kleinen Bartfledermaus. Schwärmverhalten vor manchen Winterquartieren im Frühherbst kommt vor.

In den Winterquartieren können die Tiere zwischen November und April angetroffen werden. Die eigentliche Wochenstubenzeit erstreckt sich von Mai bis etwa Anfang August, die Weibchen gebären meist im Juni ein Junges.

Die Große Bartfledermaus ist eine langlebige Art (das älteste gefundene Tier war 38 Jahre alt).

Insgesamt ist die Große Bartfledermaus als nicht sonderlich wanderfreudig einzustufen.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

  • Beeinträchtigung der Jagdlebensräume durch schleichende Habitatveränderungen, z. B. Förderung von Nadelholz in Wäldern, Entwässerung
  • Beeinträchtigungen/Zerstörung der Wochenstubenquartiere an Gebäuden durch unsachgemäße Renovierungsmaßnahmen oder Vertreibung
  • Quartierverluste durch Reduzierung von Alt- und Totholzbeständen oder Baumsanierungen und dadurch entstehenden Mangel an Biotopbäumen in ausreichend hoher Dichte
  • Gifte im Jagdgebiet (Insektizide, Herbizide) und in den Quartieren (Holzschutzmittel)
  • Sonstige Störungen, z. B. Störungen im Winterquartier
  • Unfälle im Straßenverkehr; Katzenopfer

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

  • Sicherung / Erhöhung des Quartierangebots in Wäldern durch gezielte Förderung von Alt- und Totholz, insbesondere Erhaltung von Biotopbäumen mit Spaltenquartieren und Gewährleistung eines ständigen Angebots an Bäumen mit Rindenquartieren
  • Sicherung alter Laubbaumbestände für den Fledermausschutz (Nutzungsverzicht)
  • Laubholzförderung in der Forstwirtschaft
  • Anlage / Optimierung von Gewässern (ungenutzte Waldteiche) in Wäldern
  • Verbesserungen und Neuschaffungen von Quartieren durch Flachkästen oder Brettverschalungen an Forsthütten und Feldscheunen oder Jagdkanzeln im Wald bzw. am Waldrand
  • Öffnung / Optimierung alternativer Wochenstubenquartiere in der Nähe von Kolonien.
  • Anlage neuer (unzerschnittener) linearer Strukturen zwischen Wochenstube und Nahrungshabitaten, insbesondere in Dorfnähe
  • Errichtung von Querungshilfen im Rahmen von Verkehrsplanungen
  • Minimierung von Störungen an bekannten Winter- und Schwarmquartieren (Vergitterung, Besucherlenkung, Informationstafeln)

Ergänzende Informationen

Meschede, A. & B.-U. Rudolph (Bearb.) (2004): Fledermäuse in Bayern. - Ulmer, Stuttgart.

Meschede, A. & B.-U. Rudolph (2010): 1985 - 2009: 25 Jahre Fledermausmonitoring in Bayern. - Schriftenr. des Bayerischen Landesamtes für Umwelt. Augsburg.

BAFF: Fledermausarten (www.der-baff.de)

Magazin Naturspot: Tierartikel über Fledermäuse (http://magazin.naturspot.de)

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