Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Nymphenfledermaus (Myotis alcathoe)

Rote Liste Bayern: Vom Aussterben bedroht
Rote Liste Deutschland: Vom Aussterben bedroht
Erhaltungszustand Kontinental:
Erhaltungszustand Alpin:
2509284
Foto: Jana Stepanek

Verbreitung und Bestandssituation

Das Verbreitungsgebiet der Nymphenfledermaus ist weitgehend auf Europa beschränkt, allerdings noch unzureichend bekannt. Die Art ist erst 2001 als eigene Art beschrieben worden. Nachweise, die meistens genetisch überprüft wurden, stammen aus Süd- und Westeuropa (Spanien, Frankreich bis zum Balkan und der Türkei), Mitteleuropa (Deutschland, Tschechien, Polen, Ungarn) bis nach Südschweden und Großbritannien.

In Deutschland konzentrieren sich die bisherigen Funde auf Süd- und Mitteldeutschland (z. B. Baden-Württemberg: Rheinauen, Sachsen-Anhalt: Kyffhäuser, Harzvorland, Thüringen, Sachsen).

In Bayern ist die Nymphenfledermaus 2012 erstmals in drei Waldgebieten sowie an einer Höhle der Fränkischen Schweiz nachgewiesen worden: im Kellerwald bei Forchheim mit über 200 Jahre alten Eichen, im Universitätswald Würzburg bei Haßfurt sowie im Rainer Wald im Landkreis Straubing-Bogen. An der Schönstein- und an der Esperhöhle (Lkr. FO) gelangen Nachweise je eines Tieres während der Schwärmzeit.

Weitere Nachweise wurden mit Unterstützung vieler ehrenamtlicher Helfer mittels Einsatzes von Batcordern in den Jahren 2013 und 2014 sowie eines weiteren konzertierten akustischen Monitorings in den Wälder Frankens in den Jahren 2019 und 2020 erbracht. Durch diese Projekte der Koordinationsstellen für Fledermausschutz Nordbayern, des LfU und des Ehrenamtes ist die Verbreitung der Art in Bayern heute - mit einigen Lücken - deutlich besser bekannt und die Art scheint in Unterfranken, im nördlichen Mittelfranken sowie im westlichen Oberfranken weiterverbreitet und häufiger zu sein, als bisher angenommen.

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Fundortkarte

Nymphenfledermaus (Myotis alcathoe)

Nachweise ab 2000



Letzter Daten-Import erfolgte am 18.12.2022.

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Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 2000

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
5630 Bad Rodach
5631 Meeder
5726 Bad Kissingen Nord
5731 Coburg
5831 Seßlach
5832 Lichtenfels
5928 Obertheres
5930 Ebern
5931 Ebensfeld
5932 Uetzing
6028 Gerolzhofen
6029 Knetzgau
6030 Eltmann
6032 Scheßlitz
6128 Ebrach
6129 Burgwindheim
6131 Bamberg Süd
6133 Muggendorf
6227 Iphofen
6232 Forchheim
6233 Ebermannstadt
6328 Scheinfeld
6331 Röttenbach
6527 Burgbernheim
6528 Marktbergel
6529 Markt Erlbach
6532 Nürnberg
6837 Kallmünz
7040 Pfatter
7130 Wemding
7235 Vohburg a.d.Donau
Letzter Daten-Import erfolgte am 18.12.2022.

Lebensraum und Lebensweise

Die Nymphenfledermaus ist eine typische "Waldfledermaus". Sie bevorzugt Laubwälder, die überdurchschnittlich alt sowie mit Feuchtstellen ausgestattet sind. Solche Wälder bieten ein großes Angebot an natürlichen Quartieren in Baumhöhlen, was vermutlich einen Schlüsselfaktor für die Existenz von Kolonien der Art darstellt.

Es wurde vermutet, dass sich die Tiere überwiegend im Kronenraum aufhalten. Im Rahmen des akustischen Monitorings 2019 und 2020 wurden zur Überprüfung dieser Hypothese Batcorder paarweise in Bodennähe und im Kronenbereich gestellt. Beim Großteil der beobachteten Flächen ergab sich kein Hinweis auf ein Aktivitätsmaximum im Kronenbereich. Entsprechend sollte die Art per akustischem Monitoring auch zuverlässig in Bodennähe nachgewiesen werden können, was für Kartierungen die einfachere technische Lösung darstellt. Von Netzfängen her weiß man, dass sie abends auch regelmäßig über Gewässern (kleinen Bachläufen, Tümpeln) jagt.

Aus den Beschreibungen der Lebensräume in Mitteleuropa kann man schließen, dass die Nymphenfledermaus auf sehr alte Laubwälder (vor allem Eichenwälder und Hartholzauwälder mit einem Alter über 180-200 Jahre) als Lebensraum spezialisiert ist. Dies hat sich auch im Zuge des akustischen Monitorings in Nordbayern (2019-2020) bestätigt. Wenige Winterquartiere der Art in Deutschland sind bisher in Sachsen-Anhalt in Höhlen und in Bayern in einem ehemaligen Bierkeller (Lkr. NEA) gefunden worden.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

Da die als Lebensraum bevorzugten alten Wälder nur noch sehr kleinflächig und vereinzelt vorkommen, ist eine starke Gefährdung durch Verinselung und Isolation der Vorkommen sowie fehlende Vernetzung anzunehmen (wobei die Nutzung von ca. 50 ha großen Waldinseln noch nachgewiesen werden konnte). Die Habitate haben häufig den Charakter von Reliktlebensräumen. Forstwirtschaftliche Maßnahmen, d. h. die Nutzung alter Bestände (besonders in der Vegetationsperiode) stellen konkrete Gefährdungen dar, ebenso alle Maßnahme, die zu Flächenverlusten alter Wälder führen (Infrastruktur u. Ä.). Bundes- und bayernweit ist die Nymphenfledermaus als vom Aussterben bedroht eingestuft.

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

  • Sicherung alter Laubbaumbestände für den Fledermausschutz (Nutzungsverzicht)
  • Vergrößerung und Vernetzung alter Waldbestände
  • Sicherung / Erhöhung des Quartierangebots in Wäldern durch gezielte Förderung von Alt- und Totholz sowie von Laubholz (Verbesserung der Lebensbedingungen von Spechten)