Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Luchs (Lynx lynx)

Rote Liste Bayern: Vom Aussterben bedroht
Rote Liste Deutschland: Stark gefährdet
Erhaltungszustand Kontinental: Ungünstig/schlecht
Erhaltungszustand Alpin:

Verbreitung und Bestandssituation

Natürliche Luchsvorkommen gibt es in Europa heute noch in weiten Teilen Skandinaviens, im östlichen Polen, entlang des Karpatenbogens und in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion, wobei diese Vorkommen verschiedenen Unterarten zugerechnet werden (Nordluchs, Karpatenluchs). Die nächstgelegene ursprüngliche Luchspopulation lebt in den slowakischen Karpaten. Alle anderen derzeitigen Luchspopulationen in Europa sind auf Wiederansiedlungen zurückzuführen: so in Teilen Sloweniens und Kroatiens, in der Schweiz, in Österreich und in Frankreich.

In Deutschland gibt es neben dem nordostbayerischen Vorkommen wenige Tiere im Pfälzerwald und im Schwarzwald, im Harz sind seit dem Jahr 2000 insgesamt 26 Gehegetiere freigelassen worden. Immer wieder gab es Hinweise auf einzelne Luchse fernab bekannter Vorkommen, ihre Herkunft ist unklar.

Nahe Zwiesel wurde im Jahr 1846 der letzte Luchs im Bayerischen Wald geschossen. Im unzugänglichen Böhmerwald konnten sich Luchse dagegen noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts halten. Heute ist die Art - durch Wiederansiedlungsprojekte und Zuwanderung -wieder in Bayern vertreten und hat sich seit Anfang der neunziger Jahre in den grenznahen Hochlagen etabliert, bleibt aber hochgradig gefährdet und selten.

Luchse kommen in Bayern vor allem entlang der tschechischen Grenze vom Bayerischen Wald bis ins Fichtelgebirge vor und reproduzieren in diesem Gebiet. Die bisherige Datenauswertung ergibt von 1996 bis 1998 ein Maximum an Meldungen und Beobachtungen, danach einen deutlichen Rückgang der Hinweise mit anschließender Stabilisierung auf deutlich niedrigerem Niveau. Dieser Trend ist in der gesamten Population, also auch in Tschechien und Österreich sichtbar. Das Monitoring wird seit 2008 im Wesentlichen über den Einsatz von automatischen Kameras ("Fotofallen") durchgeführt. Aufgrund der individuell unterschiedlichen Fleckenmuster lassen sich die einzelnen Tiere so gut unterscheiden. So ist eine verlässliche Zählung möglich.

Bayern hat in Mitteleuropa potentiell Anteil an zwei verschiedenen Populationen (Böhmerwald/Karpaten und Alpenraum). Zudem fungieren gerade Fichtelgebirge und Frankenwald als wichtige Ausbreitungsachsen in andere deutsche Mittelgebirge wie Erzgebirge und Thüringer Wald. Einzelne Nachweise gibt es im Frankenwald und Rhön/Spessart. Dort handelt es sich um einzelne Kuder, die aus Harz bzw. Nordhessen abwandern.

Fundortkarte

Luchs (Lynx lynx)

Nachweise ab 1990



Letzter Daten-Import erfolgte am 31.7.2018.

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Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1990

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
5937 Fichtelberg
6642 Waldmünchen
6743 Neukirchen b.Hl.Blut
6844 Lam
7043 Ruhmannsfelden
7047 Finsterau
7147 Freyung
7245 Schöllnach
8344 Berchtesgaden Ost
8442 Hirschbichl
Letzter Daten-Import erfolgte am 31.7.2018.

Lebensraum und Lebensweise

Luchse leben besonders in wald- und wildreichen, unzerschnittenen großflächigen Regionen. Letzteres ist darin begründet, dass Männchen Territoriumsgrößen von 150-400 km², Weibchen von 50-200 km² benötigen. Störungsarme Rückzugsräume sind vor allem in Gebieten mit größeren Wäldern zu finden. Als Tageslager dienen felsreiche Gebiete oder Wald mit guten Versteckmöglichkeiten. Luchse können aber auch in unserer reich strukturierten Kulturlandschaft gut leben. Besonders die Wald-Feld-Grenzen sind attraktive Jagdgebiete vor allem während der Dämmerung und nachts. Tagsüber schlafen die Tiere oder betreiben ausgiebig Körperpflege.

Luchse sind Einzelgänger und besetzen eigene Reviere. Dabei schließen sich gleichgeschlechtliche Tiere untereinander aus, während sich die Gebiete von Männchen und Weibchen großflächig überlappen. Dabei besetzen die Kuder oft mehr als doppelt so große Reviere wie die Katzen. Kuder und Katze sind jedoch nur während der Paarungszeit, der so genannten Ranz, im Februar und März einige Tage zusammen.

Nach einer Tragzeit von etwa zwei Monaten bringt das Weibchen im Mai/Juni durchschnittlich 2 Junge zur Welt, die 10 Monate bei der Mutter bleiben und sich dann im Frühjahr des Folgejahres ein eigenes Revier suchen. Allerdings besteht eine hohe Jungensterblichkeit von bis zu 80 Prozent; Todesursachen sind Verhungern, Krankheiten wie Katzenseuche oder Räude sowie Unfälle auf Straße, Schiene oder beim Beutemachen. In der freien Wildbahn werden Luchse 10-15 Jahre alt, in Gefangenschaft auch über 20 Jahre.

Luchse sind Pirsch- und Lauerjäger und gehen alleine auf Beutefang. In Mitteleuropa werden vor allem mittelgroße Schalenwildarten wie Reh, Gemse oder Mufflon gejagt, aber auch Rotwild, Hasen, Füchse, Wildschweine, Marder, Wild- und Hauskatzen, Kleinsäuger und Vögel. Gelegentlich kommen Übergriffe auf Kleinvieh wie Schafe und Ziegen sowie Wild in landwirtschaftlicher Gehegehaltung vor.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

  • illegale Tötung
  • Zerschneidung von Lebensräumen, insbesondere Straßenbau ohne Grünbrücken oder Durchlässe,
  • Wander- und Ausbreitungsbarrieren durch ausgeräumte Offen-/Agrarlandschaften und Siedlungsbau in der Fläche,
  • Verluste von ausgedehnten, störungsarmen Wäldern,
  • Verluste ausgedehnter, störungsarmer Wälder,
  • Störungen in Wäldern mit Jungenaufzuchtsgebieten durch alle Formen moderner Freizeitnutzung, während der Jungenaufzucht im Juni-August,
  • Wildernde Hunde
  • Rückgang von Beutetierpopulationen
  • Genetische Verarmung/Inzuchtdepression wegen zu kleiner, isolierter Subpopulationen.

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

  • Anlage von Wanderkorridoren durch Pflanzung von Hecken und Feldgehölzen im Offenland (benötigt mindestens 4-5 Jahre Vorlauf) an nachgewiesenen oder zu vermutenden kritischen Punkten, die einer Vernetzung bedürfen
  • Erhalt großer, unzerschnittener Waldgebiete
  • Kanalisierung touristischer Nutzung, um Ruhezonen zu schaffen - insbesondere in Schwerpunktgebieten der Jungenaufzucht
  • Sicherstellung eines ausreichenden Beutetierangebots (Querschnittsaufgabe von Jagd, Forst und Naturschutz)
  • Etablierung eines standardisierten genetischen Monitorings; Translokationen falls notwendig
  • Sicherstellung eines ausreichenden Beutetierangebots (Querschnittsaufgabe von Jagd, Forst und Naturschutz)
  • Etablierung eines standardisierten genetischen Monitorings; Translokationen falls notwendig

Sonstige Hinweise

Querungshilfen wie Grünbrücken oder Durchlässe - in Verbindung mit luchssicheren Wildschutzzäunen - bei der Planung von linearen Infrastrukturprojekten sind keine CEF-, sondern Vermeidungsmaßnahmen.

Ergänzende Informationen

www.luchs-bayern.de (mit diversen Links und Downloads)

StMUGV (2008): Managementplan "Luchse in Bayern". - München; 16 S.

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