Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Fischotter (Lutra lutra)

Rote Liste Bayern: Gefährdet
Rote Liste Deutschland: Gefährdet
Erhaltungszustand Kontinental: Ungünstig/unzureichend
Erhaltungszustand Alpin: Unbekannt
417673
Foto: Astrid Brillen

Verbreitung und Bestandssituation

Der Fischotter kommt - an Gewässer gebunden - in fast ganz Europa vor; nur auf Island und den Mittelmeerinseln fehlt er. Der Zusatz "Eurasischer" Fischotter deutet darauf hin, dass sein Verbreitungsgebiet bis nach Nord-Sibirien und in weite Teile Asiens, nach Sumatra, Java und Japan reicht und über den Nahen Osten sogar Nordafrika erreicht.

Größere Population gibt es in Mitteleuropa nur noch in Tschechien, in Österreich, in Ostdeutschland (Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Ostsachsen) und im Bayerischen Wald. Dass die Art in Deutschland früher weit verbreitet war, kann man heute noch an verschiedenen Ortsnamen und -wappen sehen. Durch Bejagung - Fischotter waren als Fastenspeise und Fell-Lieferant begehrt und als Fischdiebe verfolgt - wurde die Art bis Ende der 1950er Jahre jedoch fast ausgerottet.

Im Freistaat Bayern haben Fischotter im Bayerischen Wald entlang der Grenze zu Tschechien überlebt und breiten sich von dort seit einigen Jahren wieder aus.

Fundortkarte

Fischotter (Lutra lutra)

Nachweise ab 1990



Letzter Daten-Import erfolgte am 31.7.2018.

Fundorte als Tabelle anzeigen

Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1990

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
5535 Moorbad Lobenstein
5630 Bad Rodach
5633 Sonneberg
5634 Teuschnitz
5636 Naila
5731 Coburg
5833 Burgkunstadt
5837 Weißenstadt
5838 Selb
5839 Schönberg
5937 Fichtelberg
5938 Marktredwitz
5939 Waldsassen
6037 Ebnath
6038 Waldershof
6039 Mitterteich
6040 Neualbenreuth
6041 Mähring
6134 Waischenfeld
6137 Kemnath
6138 Erbendorf
6139 Falkenberg
6140 Tirschenreuth
6236 Eschenbach i.d.OPf.
6237 Grafenwöhr
6238 Parkstein
6239 Neustadt a.d.Waldnaab
6336 Vilseck
6337 Kaltenbrunn
6338 Weiden i.d.OPf.
6339 Waldthurn
6340 Vohenstrauß
6436 Sulzbach-Rosenberg Nord
6437 Hirschau
6438 Schnaittenbach
6439 Tännesberg
6440 Moosbach
6538 Schmidgaden
6539 Nabburg
6540 Oberviechtach
6541 Tiefenbach
6542 Untergrafenried
6638 Schwandorf
6639 Wackersdorf
6640 Neunburg vorm Wald
6641 Rötz
6642 Waldmünchen
6643 Furth i.Wald
6739 Bruck i.d.OPf.
6740 Neukirchen-Balbini
6741 Cham West
6742 Cham Ost
6743 Neukirchen b.Hl.Blut
6744 Rittsteig
6840 Reichenbach
6841 Roding
6842 Miltach
6843 Kötzting
6844 Lam
6845 Bayerisch Eisenstein
6932 Nennslingen
6940 Wörth a.d.Donau
6941 Stallwang
6942 Sankt Englmar
6943 Viechtach
6944 Bodenmais
6945 Zwiesel
6946 Hirschbach
7031 Treuchtlingen
7039 Mintraching
7040 Pfatter
7041 Münster
7042 Bogen
7043 Ruhmannsfelden
7044 Regen
7045 Frauenau
7046 Spiegelau
7047 Finsterau
7140 Geiselhöring
7141 Straubing
7142 Straßkirchen
7143 Deggendorf
7144 Lalling
7145 Schöfweg
7146 Grafenau
7147 Freyung
7148 Bischofsreut
7240 Mengkofen
7241 Pilsting
7242 Wallersdorf
7243 Plattling
7244 Osterhofen
7245 Schöllnach
7246 Tittling
7247 Waldkirchen
7248 Jandelsbrunn
7342 Landau a.d.Isar
7343 Eichendorf
7344 Pleinting
7345 Vilshofen
7346 Hutthurm
7347 Hauzenberg
7348 Wegscheid
7443 Roßbach
7444 Aidenbach
7445 Ortenburg
7446 Passau
7447 Obernzell
7448 Untergriesbach
7542 Eggenfelden
7543 Pfarrkirchen
7544 Bad Birnbach
7545 Griesbach i.Rottal
7546 Neuhaus a.Inn
7642 Wurmannsquick
7644 Triftern
7645 Rotthalmünster
7646 Würding
7741 Mühldorf a.Inn
7742 Altötting
7743 Marktl
7744 Simbach a.Inn
7841 Garching a.d.Alz
7842 Burghausen
7941 Trostberg
7942 Tittmoning
8033 Tutzing
8034 Starnberg Süd
8040 Eggstätt
8041 Traunreut
8042 Waging a.See
8043 Laufen
8137 Bruckmühl
8138 Rosenheim
8141 Traunstein
8142 Teisendorf
8143 Freilassing
8238 Neubeuern
8240 Marquartstein
8241 Ruhpolding
8242 Inzell
8243 Bad Reichenhall
8343 Berchtesgaden West
8344 Berchtesgaden Ost
8443 Königssee
Letzter Daten-Import erfolgte am 31.7.2018.

Lebensraum und Lebensweise

Der Fischotter, auch Wassermarder genannt, besiedelt alle Arten von wassergeprägten Lebensräumen, u. a. Bäche, Flüsse, Seen, Teiche, Sümpfe und Küstengewässer. Diese sollten natürlich oder naturnah ausgebildet sein und abwechslungsreiche Ufer- und Gewässerstruktur, Sand- und Kiesbänke, Röhrichtzonen sowie breite und mit Gehölzen bewachsene Uferrandstreifen enthalten.

Da Fischotter auf der Nahrungssuche permanent in ihren Revieren umherwandern, sollten überall reich strukturierte, dicht bewachsene Ufer als störungsfreie Rückzugsmöglichkeiten vorhanden sein. Wichtige Habitatrequisiten sind deshalb einerseits Flachwasserzonen, andererseits Verstecke wie Unterspülungen überhängende Wurzeln, Gebüsche oder Baue anderer Tiere. Nur während der Jungenaufzucht wird ein eigener Bau angelegt.

Fischotter können 8-15 Jahre alt werden. Sowohl Rüden als auch Fähen sind territorial und leben die meiste Zeit des Jahres einzeln in ihren markierten Revieren. Nur in der Paarungszeit (Ranz) bleiben sie kurz zusammen. Diese ist variabel und unabhängig von der Jahreszeit, liegt aber hauptsächlich zwischen Februar und März. Nach ca.  zweimonatiger Tragzeit werden 1-3 Junge geboren, die nach 8-10 Wochen zum ersten Mal mit ihrer Mutter den Bau verlassen. Während dieser Zeit werden weder das Männchen noch andere Otter in der Nähe des Baus geduldet. Die Jungen suchen sich nach gut einem Jahr ein eigenes Revier. Die Rüden werden nach ca. zwei Jahren, die Fähen häufig erst im 3. Jahr geschlechtsreif.

Die meist dämmerungs- und nachtaktiven Fischotter sind Nahrungsopportunisten und fressen das, was es gerade am leichtesten zu erbeuten gibt. Wie der Name schon verrät, frisst der Otter vor allem Fische, aber auch Amphibien, Muscheln, Ratten, Mäuse, Käfer, Regenwürmer, Krebse und Wasservögel. Die Tiere können bei ihren Wanderungen bis zu 20 km und mehr pro Nacht zurücklegen. Entsprechend groß sind die einzelnen Reviere: 40 km Flusslauf für einen Rüden und 20 km für ein Fähe sind keine Seltenheit.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

Obwohl der Fischotter seit 1968 nicht mehr bejagt werden darf (er unterliegt dem Jagdrecht, genießt aber ganzjährige Schonzeit) und praktisch keine natürlichen Feinde hat, ist er nach wie vor vom Aussterben bedroht. Die Hauptursache hierfür liegt heute in der Zerstörung seines Lebensraumes.

  • Habitatverluste aufgrund von Gewässerausbau, Versiegelung, Begradigung oder intensiver Pflege von Fließgewässern, großräumigem Abholzen von Ufervegetation, Trockenlegung von Feuchtgebieten,
  • Verlust störungsfreier Rückzugsmöglichkeiten durch allgemeine Zersiedelung der Landschaft, aber auch durch Erholungsverkehr (z. B. Boots-/Kanusport) und Massentourismus,
  • Gewässerverunreinigung durch polychlorierte Biphenyle und andere Umweltgifte, die sich in Fischen und anderen aquatischen Lebewesen anreichern und Fischotter als Endglieder der Nahrungskette schädigen
  • Zerschneidung von Lebensräumen und Wanderwegen durch Straßenbau, insbesondere zu enger Brücken (Straßenverkehr ist mit über 90 % der Haupt-Mortalitätsfaktor in Bayern !)
  • Individuenverluste aufgrund von Reusenfischerei, soweit keine "otterfreundlichen Reusen" verwendet werden; darin gefangene Fische locken Fischotter an, diese geraten in die Reuse und ertrinken
  • Illegale Nachstellungen

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

  • Nachrüstung von Straßenbrücken durch Bermen am Gewässer oder Bau von Trockentunneln (incl. Leiteinrichtungen) bei bereits bestehenden Bauwerken in bekannten Fischotter-Lebensräumen
  • Verbesserung der Gewässerstruktur in Fischotter-Lebensräumen (Renaturierung)
  • Lenkung von Freizeitaktivitäten entlang von Gewässerabschnitten z. B. durch Sperrung, Rückbau oder Verlegung von Wegen, festgesetzte Kanu-Ein- und ausstiege

Sonstige Hinweise

Das LfU (AHP seit 1990) und die Fischotterbeauftragte Dr. Heidi Mau (im Auftrag LfU, Regierung von Niederbayern, Naturpark Bayerischer Wald) sowie die ArGe Fischotterschutz haben Projekte zum Fischotter in Bayern durchgeführt.

Die Wildland Stiftung führt in enger Abstimmung mit dem StMUV im Bayerischen Wald Flächenankäufe und -renaturierungen durch, um ein zusammenhängendes Bachsystem mit ottergerechten Nahrungs- und Aufzuchtflächen (ökologisches Biotopverbundsystem) wiederherzustellen.

Die bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) hat 2013 zusammen mit verschiedenen Interessengruppen aus Fischerei, Jagd und Naturschutz einen Managementplan für den Fischotter erarbeitet.

Mittlerweile sind in den Regierungsbezirken Niederbayern und Oberpfalz sog. Fischotterberater installiert, die bezüglich möglicher Präventionsmaßnahmen und Schadensausgleich informieren. (https://www.wildtierportal.bayern.de/wildtiermanagement/159129/index.php)

Ergänzende Informationen

Otterzentrum Hankensbüttel (http://www.wasser-otter-mensch.de)

http://www.otterfranken.de

http://www.bfn.de/natursport/info/ (( Suche Tierart ( Säugetiere)

http://www.otterzentrum.de

Reuther, C. (1993): Der Fischotter. Lebensweise und Schutzmaßnahmen. Naturbuch-Verlag, 64 Seiten.

Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Raumordnung des Landes Brandenburg (1999): Artenschutzprogramm Elbebiber und Fischotter. 51 Seiten.

Reuther, C. (2002): Fischotterschutz in Deutschland. Grundlagen für einen nationalen Artenschutzplan. Habitat Bd. 14, 159 Seiten.

Kruuk, H. (2006): Otters: Ecology, Behavior and Conservation. Oxford University Press. 280 pages.

Griesau, A. und Braumann, F. (2007): Einflussfaktoren auf die Effizienz artenschutzkonformer Brückenbauwerke für Säugetiere, insbesondere des Fischotters. Beiträge zur Jagd- und Wildforschung Bd. 32. S. 211 - 229.

Teubner, J., Teubner, J. und Dolch, D. (2007): Können technische Maßnahmen Fischotterverluste im Straßenverkehr vermindern - Erfahrungen aus dem Land Brandenburg. Beiträge zur Jagd- und Wildforschung Bd. 32. S. 231 - 237.

Bayerisches Staatsministerium für Ernährung Landwirtschaft und Forsten (2013): Fischotter-Managementplan Bayern, Veröffentlichung der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, 49 S.

Kamp, T. & Schwaiger, M. (2014): Untersuchungen zum Fischotter in der Kontinentalen und Alpinen Biogeographischen Region in Bayern, Vorhaben 51-0270-52112/2013 & 51-0270-12562/2014 des Bayerischen Landesamtes für Umwelt, 34 S.

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