Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Heckenwollafter (Eriogaster catax)

Rote Liste Bayern: Vom Aussterben bedroht
Rote Liste Deutschland: Vom Aussterben bedroht
Erhaltungszustand Kontinental: Ungünstig/schlecht
Erhaltungszustand Alpin:

Verbreitung und Bestandssituation

Die Art hat eine disjunkte Verbreitung. Es gibt isolierte Vorkommen von Nordspanien durch West- und Mitteleuropa bis Kleinasien und Südrussland. Im Süden reicht das Verbreitungsgebiet bis Italien und zur Balkanhalbinsel; im Norden bis Norddeutschland.

In Deutschland hinterließ der starke Bestandsrückgang nur noch wenige Vorkommen in Bayern, Thüringen und Rheinland-Pfalz. Die derzeit größten deutschen Bestände des Heckenwollafters leben in Bayern.

Aktuelle Fundorte befinden sich in Bayern noch im Südlichen Steigerwald und eine Population im Grabfeldgau an der Grenze zu Thüringen. Frühere Vorkommen in Südbayern (an Lech, Isar und Donau, im Chiemgau) und im Fränkischen Jura sowie andere nordbayerische Vorkommen sind erloschen.

Der Erhaltungszustand der rezenten Bestände stellt sich in den einzelnen Teilbereichen sehr unterschiedlich dar. In einigen Vorkommensbereichen der jüngsten Vergangenheit kann die Art aktuell nicht mehr nachgewiesen werden.

Fundortkarte

Heckenwollafter (Eriogaster catax)

Nachweise ab 1980



Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

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Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1980

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
5629 Römhild
5729 Alsleben
6328 Scheinfeld
6427 Uffenheim
6428 Bad Windsheim
Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Lebensraum und Lebensweise

Geeignete Lebensräume sind feuchte lichte Laubwälder sowie Schlehen-Weißdorn-Heckenfluren. Insbesondere die oberholzarme Mittelwald- und Niederwaldwirtschaft schafft heute geeignete Lebensraumbedingungen: ideale Struktur mit gut ausgeprägter Strauchschicht, starker Besonnung, Windschutz und somit erhöhter Luftfeuchte. Alle aktuellen bayerischen Vorkommen leben in bzw. bei derartig bewirtschafteten Eichen-Hainbuchen-Wäldern.

Die Eiablage erfolgt in Bayern vorwiegend an Schlehe (Prunus spinosa), bevorzugt in südlicher Exposition. Die schlüpfenden Raupen spinnen sich ein gemeinsames Nest, das der Thermoregulation dient. Die meisten Nester befinden sich auf Waldlichtungen mit lichtem Baumbestand, entlang von Waldwegen und am Waldrand. Standorte außerhalb des Waldes werden nur vereinzelt in Jahren mit hoher Populationsdichte besiedelt. Von Bedeutung ist eine erhöhte Luftfeuchtigkeit bei gleichzeitig ausreichender Besonnung. Da die Raupen relativ zeitig im Frühjahr Anfang Mai mit dem Austrieb der Schlehen schlüpfen, benötigen sie einen gewissen Wärme- und Windschutz. Ist der Standort jedoch zu exponiert, muss in Jahren mit kühler Witterung nahezu mit Totalausfällen gerechnet werden.

Der Heckenwollafter hat fünf Larvenstadien, v.a. in den letzten beiden Larvenstadien leben die dann schon großen Raupen vereinzelt, zeigen eine höhere Mobilität und fressen auch an anderen Laubgehölzen wie Weißdorn, Wildbirne oder Eiche sowie weiteren Laubgehölzen. Die Verpuppung erfolgt am Boden. Ein ein- oder zweimaliges Überliegen der Puppen kann als Anpassung an einen hochdynamischen Lebensraum (Auen) interpretiert werden. Die Flugzeit im September und Oktober erstreckt sich über mehrere Wochen.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

  • allgemein: Mangel an Übergangslebensräumen zwischen Wald/Gehölz und Grasland, Fehlen der Nutzungsvielfalt und Aufbau scharfer Nutzungsgrenzen, Verhindern der natürlichen Dynamik (z.B. Fließgewässerdynamik in Auenlandschaften, Sukzession in entstehenden Lücken)
  • Aufgabe der Mittelwaldwirtschaft, welche durch die Hiebszyklen für eine regelmäßige Auflichtung der Bestände sorgt
  • Verlängerung der Hiebszyklen in Mittelwäldern auf über 30 Jahre, wodurch ein Mangel an lichten Beständen entsteht
  • Rückgang der Lebensräume durch Waldrandbegradigungen, Ausdehnung der Waldfläche auf Kosten von Waldwiesen, zu intensive Weide- und Graswirtschaft auf Waldwiesen und bis nahe an den Waldrand; Verdrängung von Übergangslebensräumen
  • Mangel an Raupennahrungspflanzen (Schlehen) in lichten Waldbeständen luftfeuchter Standorte
  • Einsatz von Pestiziden (z.B. Dimilin) gegen Schwammspinner und Eichen-Prozessionsspinner

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

  • Erhalt und Förderung der Mittelwaldwirtschaft
  • Erhalt und Förderung von Saumstrukturen und lockeren Schlehengebüschen an windgeschützten Standorten. insbesondere auf Waldlichtungen, in lichten Baumbeständen und an Wegrändern.
  • Förderung der Strauchschicht in den Wäldern über die Schaffung lichter Waldstrukturen; ein Pflegehieb kann ebenfalls lichte Strukturen schaffen, wobei aber keinesfalls alle Schlehen entfernt werden dürfen.
  • keine Anpflanzungen auf Windwurfflächen oder Fichtenräumungen: hier sollte die natürliche Sukzession zugelassen werden.
  • Schaffung breiter Waldmäntel und -säume mit großzügigen Übergängen zum Offenland, z.B. auch durch Beweidung
  • Strukturanreicherung des Offenlandes in der Umgebung von Vorkommengebieten, so dass ein vielfältiges Strukturmosaik aus offenen Bereichen, Hecken, Einzelgebüschen und gestuften Waldmänteln entsteht

Sonstige Hinweise

Für Art existiert in Bayern ein Artenhilfsprogramm. Verbreitung, Ökologie und Bestandsentwicklung sind vergleichsweise gut bekannt.

Ergänzende Informationen

Literatur

Bolz, R. (1998): Zur Biologie und Ökologie des Hecken-Wollafters (Eriogaster catax L. 1758) in Bayern (Lepidoptera: Lasiocampidae). - Nachr. entomol. Ver. Apollo, N.F. 18 (4): 331-340.

Dolek, M, Freese-Hager, A., Geyer, A., Safian, S. et al. (i.V.): Egg-laying and larval foodplants of Eriogaster catax (Linnaeus, 1758) (Lasiocampidae).

Ebert, G. (Hrsg.) (1994): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Bd. 3 und 4 Nachtfalter I und II. Ulmer, Stuttgart.

Safian, S. (2006): The occurrences of Eriogaster catax (Linnaeus, 1758) and Eriogaster lanestris (Linnaeus, 1758) (Lepidoptera: Lasiocampidae) in the Körös Valley (Southeastern Hungary). Folia ent. Hung. 67:117-123.

Van Helsdingen, P. J., Willemse, L. & Speight, M. C. D. (Hrsg.) (1996): Background information on invertebrates of the Habitats Directive and the Bern Convention. Part I - Crustacea, Coleoptera and Lepidoptera. Council of Europe, Strasbourg, Nature and environment 79.

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