Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Nordfledermaus (Eptesicus nilssonii)

Rote Liste Bayern: Gefährdet
Rote Liste Deutschland: Gefährdung anzunehmen, aber Status unbekannt
Erhaltungszustand Kontinental: Ungünstig/unzureichend
Erhaltungszustand Alpin: Günstig

Verbreitung und Bestandssituation

Das Verbreitungsgebiet der Nordfledermaus erstreckt sich von Mittel- und Nordeuropa nach Osten über Russland und Nordwestchina bis nach Kamtschatka und Japan. Sie ist die einzige Fledermausart, die den Polarkreis erreicht.

Die Art gilt als typische Bewohnerin borealer, d. h. kalt-gemäßigter, kontinental geprägter Regionen bzw. im Süden ihres Verbreitungsgebietes als montane Art. Dem entsprechend ist sie in Deutschland vor allem in den Mittelgebirgen und den Alpen verbreitet. Einige wenige Vorkommen bestehen im Flachland Brandenburgs und Mittelfrankens.

In Bayern besiedelt die Art vor allem die östlichen Mittelgebirge vom Frankenwald bis in den Bayerischen Wald sowie die Alpen, das Alpenvorland und die nördliche Frankenalb. Vorkommen in den restlichen Teilen Bayerns sind eher selten und beschränken sich - abgesehen von einzelnen Wochenstuben z. B. im Landkreis Ansbach - meistens auf Einzelnachweise. Im Winter befindet sich die höchste Nachweisdichte der Art im Thüringisch-Fränkischen Mittelgebirge, im Oberpfälzer und Bayerischen Wald und in der nördlichen Frankenalb.

Fundortkarte

Nordfledermaus (Eptesicus nilssonii)

Nachweise ab 1980



Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Fundorte als Tabelle anzeigen

Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1980

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
5526 Bischofsheim a.d.Rhön
5533 Tettau
5534 Lehesten
5624 Bad Brückenau
5625 Wildflecken
5632 Neustadt b.Coburg
5633 Sonneberg
5634 Teuschnitz
5635 Nordhalben
5636 Naila
5637 Hof
5735 Schwarzenbach a.Wald
5736 Helmbrechts
5738 Rehau
5832 Lichtenfels
5833 Burgkunstadt
5835 Stadtsteinach
5836 Münchberg
5837 Weißenstadt
5838 Selb
5839 Schönberg
5923 Rieneck
5935 Marktschorgast
5936 Bad Berneck i.Fichtelgeb.
5937 Fichtelberg
5938 Marktredwitz
5939 Waldsassen
6030 Eltmann
6031 Bamberg Nord
6035 Bayreuth
6036 Weidenberg
6037 Ebnath
6038 Waldershof
6039 Mitterteich
6041 Mähring
6131 Bamberg Süd
6132 Buttenheim
6133 Muggendorf
6134 Waischenfeld
6138 Erbendorf
6139 Falkenberg
6140 Tirschenreuth
6221 Miltenberg
6222 Stadtprozelten
6233 Ebermannstadt
6234 Pottenstein
6235 Pegnitz
6238 Parkstein
6239 Neustadt a.d.Waldnaab
6240 Flossenbürg
6327 Markt Einersheim
6331 Röttenbach
6333 Gräfenberg
6334 Betzenstein
6335 Auerbach i.d.OPf.
6340 Vohenstrauß
6435 Pommelsbrunn
6438 Schnaittenbach
6439 Tännesberg
6440 Moosbach
6441 Eslarn
6527 Burgbernheim
6535 Alfeld
6536 Sulzbach-Rosenberg Süd
6537 Amberg
6538 Schmidgaden
6540 Oberviechtach
6541 Tiefenbach
6638 Schwandorf
6639 Wackersdorf
6640 Neunburg vorm Wald
6641 Rötz
6642 Waldmünchen
6643 Furth i.Wald
6736 Velburg
6738 Burglengenfeld
6739 Bruck i.d.OPf.
6740 Neukirchen-Balbini
6741 Cham West
6742 Cham Ost
6743 Neukirchen b.Hl.Blut
6744 Rittsteig
6827 Feuchtwangen West
6828 Feuchtwangen Ost
6829 Ornbau
6830 Gunzenhausen
6839 Nittenau
6840 Reichenbach
6841 Roding
6842 Miltach
6843 Kötzting
6844 Lam
6845 Bayerisch Eisenstein
6928 Weiltingen
6929 Wassertrüdingen
6930 Heidenheim
6931 Weißenburg i.Bay.
6932 Nennslingen
6938 Regensburg
6941 Stallwang
6942 Sankt Englmar
6943 Viechtach
6944 Bodenmais
6945 Zwiesel
6946 Hirschbach
7031 Treuchtlingen
7032 Bieswang
7041 Münster
7042 Bogen
7043 Ruhmannsfelden
7044 Regen
7045 Frauenau
7046 Spiegelau
7047 Finsterau
7132 Dollnstein
7133 Eichstätt
7141 Straubing
7142 Straßkirchen
7143 Deggendorf
7144 Lalling
7145 Schöfweg
7146 Grafenau
7147 Freyung
7148 Bischofsreut
7231 Genderkingen
7233 Neuburg a.d.Donau
7234 Ingolstadt
7239 Mallersdorf
7243 Plattling
7244 Osterhofen
7245 Schöllnach
7246 Tittling
7247 Waldkirchen
7248 Jandelsbrunn
7336 Mainburg
7341 Dingolfing Ost
7344 Pleinting
7345 Vilshofen
7346 Hutthurm
7347 Hauzenberg
7348 Wegscheid
7431 Thierhaupten
7438 Landshut West
7444 Aidenbach
7445 Ortenburg
7446 Passau
7447 Obernzell
7448 Untergriesbach
7536 Freising Nord
7542 Eggenfelden
7546 Neuhaus a.Inn
7625 Ulm-Südwest
7631 Augsburg
7633 Altomünster
7635 Haimhausen
7636 Freising Süd
7637 Erding
7642 Wurmannsquick
7645 Rotthalmünster
7728 Krumbach (Schwaben)
7738 Dorfen
7739 Schwindegg
7740 Ampfing
7741 Mühldorf a.Inn
7744 Simbach a.Inn
7833 Fürstenfeldbruck
7835 München
7836 München-Trudering
7837 Markt Schwaben
7839 Haag i.OB
7840 Kraiburg a.Inn
7842 Burghausen
7927 Amendingen
7933 Weßling
7934 Starnberg Nord
7935 München-Solln
7939 Wasserburg a.Inn
7941 Trostberg
7942 Tittmoning
7943 Tittmoning Ost
8034 Starnberg Süd
8040 Eggstätt
8041 Traunreut
8042 Waging a.See
8043 Laufen
8133 Seeshaupt
8136 Holzkirchen
8137 Bruckmühl
8138 Rosenheim
8140 Prien a.Chiemsee
8141 Traunstein
8143 Freilassing
8227 Kempten (Allgäu)
8231 Peiting
8233 Iffeldorf
8234 Penzberg
8235 Bad Tölz
8236 Tegernsee
8238 Neubeuern
8239 Aschau i.Chiemgau
8240 Marquartstein
8241 Ruhpolding
8242 Inzell
8243 Bad Reichenhall
8328 Nesselwang West
8330 Roßhaupten
8333 Murnau a.Staffelsee
8335 Lenggries
8337 Josefsthal
8338 Bayrischzell
8339 Oberaudorf
8340 Reit im Winkl
8341 Seegatterl
8342 Schneizlreuth
8343 Berchtesgaden West
8344 Berchtesgaden Ost
8426 Oberstaufen
8427 Immenstadt i.Allgäu
8429 Pfronten
8430 Füssen
8431 Linderhof
8432 Oberammergau
8433 Eschenlohe
8435 Fall
8442 Hirschbichl
8443 Königssee
8444 Hoher Göll
8527 Oberstdorf
8532 Garmisch-Partenkirchen
8533 Mittenwald
8543 Funtensee
Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Lebensraum und Lebensweise

Jagdgebiete der Nordfledermaus sind ausgedehnte Waldgebiete mit Nadel- und Laubbäumen sowie Gewässer, die nicht unbedingt in der Nähe der Wochenstuben liegen müssen. Aktionsradien von 10 km um ein Quartier sind bekannt.

Die Tiere jagen häufig in einer Höhe zwischen fünf und 20 Metern, oft über Seen und Bächen, aber auch über freien Flächen in Wäldern oder Siedlungen im schnellen, geschickten und wendigen Flug. In Ortschaften wird besonders häufig in den Lichtkegeln von Straßenlaternen mit hohem UV-Anteil gejagt. Dabei erbeuten sie verschiedenste Arthropoden von 3 bis 30 mm Länge. Bei einem geringen Insektenaufkommen werden solche Stellen gegen Artgenossen verteidigt.

Bevorzugte Quartiertypen sind künstliche Spalten an Fassaden, Kaminen und anderen Stellen im Dachbereich. Wochenstuben befinden sich besonders häufig in der Dachschräge von Gebäuden zwischen Ziegelauflage und Holzverschalung. Die Tiere können verschiedene Hangplätze unter dem gesamten Dach und bei Schlechtwetterperioden sogar die Wärme des Kamins nutzen. Regelmäßig sind sie auch hinter Holzverkleidungen oder unter der Eternitverkleidung an Hochhäusern zu finden.

Die Wochenstuben werden von Mai bis etwa Anfang August besiedelt. Die größte Anzahl an Tieren in den Quartieren tritt etwa im Juni auf. Der Geburtszeitraum liegt meistens im Juni. Mit vier Wochen sind die Jungtiere bereits selbstständig; Die Weibchen kehren im Folgejahr an den Ort ihrer Geburt zurück, auch wenn sie meist erst ein Jahr später an der Reproduktion teilnehmen.

Ihren Behausungen bleiben die Tiere oft sehr treu; so wurde Tiere beobachtet, die trotz intensiver Renovierungsarbeiten das Quartier nicht verlassen haben. In Wochenstubenquartieren befinden sich meist 10-50 Individuen in einer Unterkunft, gelegentlich auch über 100 Tiere.

Einzeltiere nutzen im Sommer die gleichen Quartiertypen, in denen auch die Wochenstuben siedeln; sehr selten sind in Bayern Nachweise in Baumhöhlen.

An Schwärmquartieren erscheinen vor allem Männchen der Art bereits im Juli und damit rund einen Monat früher als die meisten anderen Fledermausarten.

In den Winterquartieren (Höhlen und Stollen) bleibt die Nordfledermaus von November bis März, spätestens bis Anfang April. Sie wird als kältetolerante Art angesehen, da die Wahl des Hangplatzes meistens auf die kälteren Eingangsbereiche, auf Kaltluftbereiche in Quartieren oder auf zugige Quartiere fällt, so dass die Tiere manchmal sogar unter Frosteinfluss hängen. Vermutlich überwintern Nordfledermäuse auch in tiefen, frostfreien Gesteinsspalten. Auch im Bodengeröll (Schotter, Geröllhalden) wurden Nordfledermäuse schon gefunden. Da im Winter in den unterirdischen Quartieren nur sehr wenige Tiere gefunden werden, erscheint es auch nicht ausgeschlossen, dass etliche Individuen in Gebäudespalten überwintern.

Die bisherigen Erkenntnisse lassen den Schluss zu, dass die Nordfledermaus keine längeren Wanderungen zwischen Wochenstubenareal und weiter entferntem Überwinterungsgebiet durchführt. Einzelne Wiederfunde in Bayern beringter Tiere belegen jedoch Wanderbewegungen bis 150 km (außerhalb Bayerns bis über 450 km).

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

  • Beeinträchtigung der Jagdlebensräume durch schleichende Habitatveränderungen
  • Beeinträchtigungen/Zerstörung der Wochenstubenquartiere an Gebäuden durch unsachgemäße Renovierungsmaßnahmen oder Vertreibung
  • Gifte im Jagdgebiet (Insektizide, Herbizide) und in den Quartieren (Holzschutzmittel)
  • Sonstige Störungen, z. B. Störungen im Winterquartier oder Lagerfeuer an Höhlen, die Schwarmquartiere sein können
  • Unfälle durch Windkraftanlagen; Katzenopfer

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

  • Erhöhung / Sicherung eines hohen Quartierangebotes im Siedlungsraum (Spaltenquartiere im Dachbereich oder an Holz- oder Schieferverkleidungen)
  • Minimierung von Störungen an bekannten Winter- und Schwarmquartieren (Vergitterung, Besucherlenkung, Informationstafeln)
  • An Windkraftanlagen: Abschaltalgorithmen bei Vorkommen der Art

Sonstige Hinweise

Erhöhte Vorsicht ist geboten bei Sanierungs- und Renovierungsarbeiten von Gebäuden in den Hauptverbreitungsgebieten der Nordfledermaus, auch außerhalb der Wochenstubenzeit

Ergänzende Informationen

Meschede, A. & B.-U. Rudolph (Bearb.) (2004): Fledermäuse in Bayern. - Ulmer, Stuttgart.

Meschede, A. & B.-U. Rudolph (2010): 1985 - 2009: 25 Jahre Fledermausmonitoring in Bayern. - Schriftenr. des Bayerischen Landesamtes für Umwelt. Augsburg.

http://www.tlug-jena.de/imperia/md/content/tlug/abt3/artensteckbriefe/fledermaeuse/artensteckbrief_eptesicus_nilssonii_030309.pdf

http://www.lfu.bayern.de/natur/fachinformationen/artenhilfsprogramm_fledermaus/doc/bericht_bayern_flmabkommen.pdf

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