Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Breitrand (Dytiscus latissimus)

Rote Liste Bayern: Vom Aussterben bedroht
Rote Liste Deutschland: Vom Aussterben bedroht
Erhaltungszustand Kontinental: Ungünstig/schlecht
Erhaltungszustand Alpin:

Verbreitung und Bestandssituation

Eurasisch, mit Nachweisen zwischen Ostfrankreich und Westsibirien.

Die größte europäische Schwimmkäferart wurde in Deutschland früher vielerorts gefunden, ist inzwischen aber überall vom Aussterben bedroht oder verschwunden.

In Bayern gibt es ca. 15 historische Nachweise von Dytiscus latissimus quer durch den Freistaat. Die letzten sicheren Funde datieren von 1985, 1993 und 2006; einer davon - ein Fischteich bei Willerszell, Lkr. SR, 1993 - ist sicher erloschen, da der Teich inzwischen eine Forellenzucht ist. -Am Maisinger See im Lkr. STA wurde vor wenigen Jahren gezielt gesucht, aber nichts gefunden. In Anbetracht der großen Ausdehnung des Sees ist ein Vorkommen dort aber nicht ausgeschlossen. Der jüngste Fund stammt aus dem Craimoosweiher im Lkr. BT.

Fundortkarte

Breitrand (Dytiscus latissimus)

Nachweise ab 1980



Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

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Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1980

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
6135 Creußen
6941 Stallwang
8033 Tutzing
Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Lebensraum und Lebensweise

Die Art besiedelt größere nährstoffarme Stillgewässer (Seen, Teiche, Weiher, auch Kiesgruben und Torfstiche; meist mindestens 0,1 ha) mit Flachwasserbereichen und gut ausgebildeter Wasser- und Verlandungsvegetation (Röhrichte, Seggenriede).

Die Eier werden Ende März bis Mitte Mai in lebende Stängel und Blätter von stark assimilierenden Wasserpflanzen abgelegt. Die Larven schlüpfen bald darauf, entwickeln sich in besonnten, vegetationsreichen Flachwasserzonen mit einer Wassertiefe von 30 - 100 Zentimetern. Sie verpuppen sich bereits ca. 1,5 Monate später an Land in feuchten Erdhöhlen unter Moospolstern, Hölzern oder Steinen. Die Puppenruhe dauert ungefähr zwei Wochen. Die nachtaktiven, flugfähigen Käfer sind etwa ab Juli im Gewässer anzutreffen und überwintern in tieferem Wasser.

Als Nahrung dienen den Larven v. a. Wasserinsekten, den Imagines auch Aas und kranke Fische. Neue Gewässer werden fliegend besiedelt, auch Schwärmflüge im Sommer wurden beobachtet.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

  • Nährstoffeinträge
  • intensive Fischhaltung (mit regelmäßigem Ablassen, Kalken und Entkrauten)
  • hoher Entenbesatz
  • Gewässerverbauung und zunehmende Beschattung

Möglicherweise spielen auch Konkurrenzphänomene mit anderen Wasserkäferarten bzw. mögliche Arealverschiebungen aufgrund der Klimaerwärmung eine Rolle.

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

Keine; alle Gewässer mit aktuellen Vorkommen sind einschließlich ihrer Umgebung absolut schützenswert und dürfen nicht verändert werden.

Sonstige Hinweise

Alle Neunachweise (gute Fotos genügen!) sind von Wasserkäfer-Experten zu bestätigen (z. B. Zoologische Staatssammlung München) und die Informationen sofort an dass LfU weiterzuleiten.

Ergänzende Informationen

Literatur

Dettner, K. & Kehl, S. (2009): Die Wasserkäferfauna des Craimoosweihers und Flachweihers (Coleoptera: Hydradephaga mit einem Fund des seltenen Breitrandkäfers Dytiscus latissimus.- Ber. naturwiss. Ges. Bayreuth XXVI, 93-137.

Foster, G.N. (1996): Dytiscus latissimus Linnaeus, 1758. In: Helsdingen, P. J. van; Willemse, L.; Speight, M.C. (Ed.): Background information on invertebrates of the Habitats Directive and the Bern Convention. Part. I: Crustacea, Coleoptera and Lepidoptera. Nature and environment 79: 31-39.

Hendrich, L.; Balke, M. (2000): Verbreitung, Habitatbindung, Gefährdung und mögliche Schutzmaßnahmen der FFH-Arten Dytiscus latissimus Linnaeus, 1758 (Der Breitrand) und Graphoderus bilineatus (De Geer, 1774) in Deutschland (Coleoptera: Dytiscidae). Insecta 6: 98-114.

Hendrich, L.; Balke, M. (2002): Breitrand (Dytiscus latissimus) und Schmalbindiger Tauchflügelkäfer (Graphoderus bilineatus). In: Fartmann, T.; Gunnemann, H.; Salm, P.; Schröder, E.: Berichtspflichten in Natura 2000-Gebieten. Angewandte Landschaftsökologie 42: 301-305.

Petersen, B.; Ellwanger, G.; Biewald, G.; Hauke, U.; Ludwig, G.; Pretscher, P.; Schröder, E.; Ssymank, A. (Bearb.) (2003): Das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000. Ökologie und Verbreitung von Arten der FFH-Richtlinie in Deutschland. Bd.1: Pflanzen und Wirbellose. Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz 69/1. Bundesamt für Naturschutz, Bonn (Hrsg.): 378-387.

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