Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Scharlach-Plattkäfer (Cucujus cinnaberinus)

Rote Liste Bayern: Extrem seltene Arten und Arten mit geografischer Restriktion
Rote Liste Deutschland: Vom Aussterben bedroht
Erhaltungszustand Kontinental: Günstig
Erhaltungszustand Alpin: Günstig

Verbreitung und Bestandssituation

Die Art ist ein boreomontanes-kontinentales Faunenelement und palaearktisch verbreitet. Sie besiedelt Asien, Nord- und Osteuropa sowie das östliche Mitteleuropa. Reliktvorkommen gibt es in Italien und in Spanien.

In Deutschland sind zweifelsfrei autochthone Vorkommen nur für Südbayern belegt. In Bayern besiedelt die Art zwei Lebensraumtypen: zum einen fließgewässernahe Bergmischwälder in der submontanen und montanen Höhenstufe (auch im Bayerischen Wald) und zum anderen Auwälder entlang der dealpinen Flüsse Isar, Weißach, Inn, Saalach, Salzach, Tiroler Achen und Alz sowie unterer Lech und Wertach. 2009 wurde die Art auch an der Donau bei Rohrenfeld nachgewiesen.

Für die deutlich häufigeren Funde im letzten Jahrzehnt dürften vor allem die gezielten Suchen nach Larven verantwortlich sein. Von knapp 50 Nachweisen in der ASK stammen über 90 % aus den letzten zehn Jahren. Zusätzlich hat die LWF diverse Nachweise im Rahmen von FFH-Managementplänen gesammelt.

Die Art ist in Bayern nach aktuellem Kenntnisstand nicht gefährdet (nach Roter Liste Bayerns noch Status R).

Fundortkarte

Scharlach-Plattkäfer (Cucujus cinnaberinus)

Nachweise ab 1980



Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

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Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1980

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
7243 Plattling
7244 Osterhofen
7537 Moosburg a.d.Isar
7546 Neuhaus a.Inn
7645 Rotthalmünster
7741 Mühldorf a.Inn
7742 Altötting
7743 Marktl
7744 Simbach a.Inn
7745 Rotthalmünster Süd
7942 Tittmoning
7943 Tittmoning Ost
8043 Laufen
8140 Prien a.Chiemsee
8141 Traunstein
8143 Freilassing
8238 Neubeuern
8334 Kochel a.See
8335 Lenggries
8336 Rottach-Egern
8434 Vorderriß
8435 Fall
8437 Josefsthal Süd
Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Lebensraum und Lebensweise

Scharlachkäfer besiedeln morsche, pilzbefallene Laubbäume in Tal- und Hanglagen verschiedener Bach- und Flussläufe. Bisher wurden sie in Laub- und Mischwäldern, Auwäldern sowie montanen Buchen- und Tannenwäldern? nachgewiesen. Als Baumarten werden Eiche, Buche, Pappeln (auch Hybridpappelforste!), Ahorn, Weide, Ulme, aber auch Fichte, Tanne und Kiefer besiedelt. An Laubhölzern ist die Art polyphag, bevorzugt werden jedoch starke Silberweiden und Pappeln (Populus spp.) angenommen.

Wichtig ist das Vorhandensein von stehendem und/oder liegendem Starktotholz mit Durchmessern von >20, besser >50 cm oder Hochstubben >50 cm Höhe. Das Totholz sollte 1-5 Jahre alt sein mit Zersetzungsgraden Z1 und Z2, d h. die Rinde sollte sich gerade ablösen, und darunter sollte es feucht und "fettglänzend" sein, teilweise mit Rhizomorphen. Ameisen oder mulmiges Substrat deuten auf ungeeignete Bedingungen hin. Die sehr stark abgeplattete Larve frisst den morschen Bast und ernährt sich wohl teilweise auch räuberisch. Am Ende des ersten Sommers ist sie fast ausgewachsen und verpuppt sich im Juli des folgenden Jahres. Wenige Wochen später schlüpfen die Käfer, die unter der Borke überwintern.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

  • Unzureichende Totholzmengen (v.a. an stärkerem Totholz);
  • Verlust geeigneter Brutbäume;
  • weitere Isolierung der bereits aufgesplitterten Vorkommen, insbesondere entlang der Flusstäler.

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

  • Gezielte Anlage geeigneter Larvenhabitate z. B. durch Belassen von Hochstubben oder anderem Totholz (s. o.), bevorzugt von dickborkigen Laubbäumen.

Sonstige Hinweise

Da die Tiere mit Treibholz verdriftet oder mit Brennholz verfrachtet werden können, sind Funde auch an untypischen Orten möglich. Aus Bayern liegen solche Nachweise bislang nicht vor.

Die Erfassung der Art durch Suche nach Larven unter Rinde ist nicht zerstörungsfrei möglich und darf daher nur qualitativ, nicht quantitativ erfolgen.

Achtung: Die Larven ähneln denen von Feuerkäfern (Familie Pyrochroidae), d h. hier besteht große Verwechslungsgefahr! Insofern sind Funde durch Spezialisten zu bestätigen

Ergänzende Informationen

Literatur

Bussler, H. (2002): Untersuchungen zur Faunistik und Ökologie von Cucujus cinnaberinus (SCOP.,1763) in Bayern (Coleoptera, Cucujidae). - NachrBl. bayer. Ent. 51 (3/4), 42-60.

LWF-Artenhandbuch der für den Wald relvanten Anhang II-Arten vom Juni 2006 (http://www.lwf.bayern.de/publikationen/daten/sonstiges/p_34538.pdf)

Petersen, B., Ellwanger, G., Biewald, G., Hauke, U., Ludwig, G., Pretscher, P., Schröder, E. & A. Ssymank (2003): Das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000 - Ökologie und Verbreitung von Arten der FFH-Richtlinie in Deutschland. Band 1: Pflanzen und Wirbellose. Schr. reihe f. Landschaftspflege u. Naturschutz Heft 69/Band 1. Bundesamt für Naturschutz, Bonn - Bad Godesberg.

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