Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Schlingnatter (Coronella austriaca)

Rote Liste Bayern: Stark gefährdet
Rote Liste Deutschland: Gefährdet
Erhaltungszustand Kontinental: Ungünstig/unzureichend
Erhaltungszustand Alpin: Ungünstig/unzureichend

Verbreitung und Bestandssituation

Schlingnattern sind über praktisch ganz Europa verbreitet und fehlen nur im mittleren und äußersten Nordeuropa, auf Irland und fast allen Inseln im Mittelmeer. Außerhalb Europas kommt die Schlingnatter in Teilen Kleinasiens vor.

In Deutschland findet man Schlingnattern schwerpunktmäßig in den klimatisch begünstigten Berg- und Hügelländern des Südens bzw. Südwestens.

In Bayern kommt die Schlingnatter im Flach- und Hügelland vor, mit Schwerpunkten im Jura, in den Mainfränkischen Platten, im Donautal und entlang der Voralpenflüsse. Sie erreicht an klimatisch begünstigten Stellen die (sub-) alpine Zone bis ca. 1200 m üNN, sehr selten auch höhere Lagen.

Die Verbreitungslücken sind teilweise auch technisch bedingt, da es bisher einerseits keine flächendeckende Erfassung gibt, die Art aufgrund ihrer versteckten Lebensweise andererseits nur sehr schwer und zeitaufwändig nachzuweisen ist. Insofern kann die Bestandssituation bisher nur grob geschätzt werden, doch ist aufgrund des Lebensraumverlust ein deutlicher Rückgang anzunehmen.

Fundortkarte

Schlingnatter (Coronella austriaca)

Nachweise ab 1980



Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Fundorte als Tabelle anzeigen

Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1980

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
5426 Hilders
5525 Gersfeld (Rhön)
5526 Bischofsheim a.d.Rhön
5527 Mellrichstadt
5528 Rentwertshausen
5534 Lehesten
5625 Wildflecken
5627 Bad Neustadt a.d.Saale
5629 Römhild
5632 Neustadt b.Coburg
5633 Sonneberg
5634 Teuschnitz
5635 Nordhalben
5636 Naila
5637 Hof
5723 Altengronau
5724 Zeitlofs
5726 Bad Kissingen Nord
5727 Münnerstadt
5729 Alsleben
5730 Heldburg
5731 Coburg
5732 Sonnefeld
5733 Kronach
5734 Wallenfels
5820 Langenselbold
5823 Burgsinn
5825 Hammelburg
5826 Bad Kissingen Süd
5827 Maßbach
5829 Hofheim i.UFr.
5830 Pfarrweisach
5832 Lichtenfels
5833 Burgkunstadt
5834 Kulmbach
5835 Stadtsteinach
5836 Münchberg
5838 Selb
5920 Alzenau i.UFr.
5921 Schöllkrippen
5922 Frammersbach
5923 Rieneck
5924 Gemünden a.Main
5927 Schweinfurt
5928 Obertheres
5929 Haßfurt
5930 Ebern
5931 Ebensfeld
5932 Uetzing
5933 Weismain
5934 Thurnau
5935 Marktschorgast
5936 Bad Berneck i.Fichtelgeb.
6020 Aschaffenburg
6021 Haibach
6022 Rothenbuch
6023 Lohr a.Main
6024 Karlstadt
6025 Arnstein
6026 Werneck
6027 Grettstadt
6029 Knetzgau
6030 Eltmann
6031 Bamberg Nord
6032 Scheßlitz
6033 Hollfeld
6034 Mistelgau
6035 Bayreuth
6036 Weidenberg
6120 Obernburg a.Main
6121 Heimbuchenthal
6122 Bischbrunn
6123 Marktheidenfeld
6124 Remlingen
6125 Würzburg Nord
6126 Dettelbach
6127 Volkach
6128 Ebrach
6129 Burgwindheim
6132 Buttenheim
6133 Muggendorf
6134 Waischenfeld
6135 Creußen
6138 Erbendorf
6221 Miltenberg
6222 Stadtprozelten
6223 Wertheim
6224 Helmstadt
6225 Würzburg Süd
6226 Kitzingen
6227 Iphofen
6228 Wiesentheid
6231 Adelsdorf
6232 Forchheim
6233 Ebermannstadt
6234 Pottenstein
6235 Pegnitz
6236 Eschenbach i.d.OPf.
6237 Grafenwöhr
6321 Amorbach
6325 Giebelstadt
6326 Ochsenfurt
6327 Markt Einersheim
6328 Scheinfeld
6330 Uehlfeld
6332 Erlangen Nord
6333 Gräfenberg
6334 Betzenstein
6335 Auerbach i.d.OPf.
6337 Kaltenbrunn
6428 Bad Windsheim
6429 Neustadt a.d.Aisch
6432 Erlangen Süd
6433 Lauf a.d.Pegnitz
6434 Hersbruck
6435 Pommelsbrunn
6436 Sulzbach-Rosenberg Nord
6437 Hirschau
6438 Schnaittenbach
6439 Tännesberg
6440 Moosbach
6441 Eslarn
6526 Creglingen
6527 Burgbernheim
6528 Marktbergel
6531 Fürth
6532 Nürnberg
6533 Röthenbach a.d.Pegnitz
6534 Happurg
6535 Alfeld
6536 Sulzbach-Rosenberg Süd
6537 Amberg
6538 Schmidgaden
6539 Nabburg
6627 Rothenburg ob der Tauber
6632 Schwabach
6633 Feucht
6634 Altdorf b.Nürnberg
6635 Lauterhofen
6636 Kastl
6637 Rieden
6639 Wackersdorf
6640 Neunburg vorm Wald
6642 Waldmünchen
6643 Furth i.Wald
6732 Roth
6733 Allersberg
6734 Neumarkt i.d.OPf.
6735 Deining
6736 Velburg
6737 Schmidmühlen
6738 Burglengenfeld
6739 Bruck i.d.OPf.
6740 Neukirchen-Balbini
6743 Neukirchen b.Hl.Blut
6832 Heideck
6834 Berching
6835 Wissing
6836 Parsberg
6837 Kallmünz
6839 Nittenau
6840 Reichenbach
6842 Miltach
6843 Kötzting
6929 Wassertrüdingen
6932 Nennslingen
6934 Beilngries
6935 Dietfurt a.d.Altmühl
6936 Hemau
6937 Laaber
6938 Regensburg
6939 Donaustauf
6942 Sankt Englmar
6943 Viechtach
6944 Bodenmais
6945 Zwiesel
7030 Wolferstadt
7031 Treuchtlingen
7033 Titting
7034 Kipfenberg
7035 Schamhaupten
7036 Riedenburg
7037 Kelheim
7038 Bad Abbach
7041 Münster
7042 Bogen
7043 Ruhmannsfelden
7044 Regen
7045 Frauenau
7046 Spiegelau
7128 Nördlingen
7129 Deiningen
7130 Wemding
7131 Monheim
7132 Dollnstein
7133 Eichstätt
7134 Gaimersheim
7136 Neustadt a.d.Donau
7137 Abensberg
7142 Straßkirchen
7143 Deggendorf
7145 Schöfweg
7146 Grafenau
7228 Neresheim-Ost
7229 Bissingen
7230 Donauwörth
7231 Genderkingen
7232 Burgheim Nord
7233 Neuburg a.d.Donau
7234 Ingolstadt
7244 Osterhofen
7245 Schöllnach
7246 Tittling
7247 Waldkirchen
7331 Rain
7332 Burgheim Süd
7339 Ergoldsbach
7340 Dingolfing West
7341 Dingolfing Ost
7344 Pleinting
7345 Vilshofen
7346 Hutthurm
7347 Hauzenberg
7348 Wegscheid
7431 Thierhaupten
7438 Landshut West
7439 Landshut Ost
7441 Frontenhausen
7443 Roßbach
7444 Aidenbach
7446 Passau
7447 Obernzell
7448 Untergriesbach
7526 Ulm Nordost
7531 Gersthofen
7536 Freising Nord
7542 Eggenfelden
7543 Pfarrkirchen
7544 Bad Birnbach
7631 Augsburg
7636 Freising Süd
7644 Triftern
7731 Mering
7740 Ampfing
7741 Mühldorf a.Inn
7742 Altötting
7743 Marktl
7744 Simbach a.Inn
7831 Egling a.d.Paar
7833 Fürstenfeldbruck
7834 München-Pasing
7835 München
7836 München-Trudering
7837 Markt Schwaben
7839 Haag i.OB
7840 Kraiburg a.Inn
7841 Garching a.d.Alz
7842 Burghausen
7843 Burghausen Ost
7931 Landsberg am Lech
7934 Starnberg Nord
7935 München-Solln
7937 Grafing b.München
7939 Wasserburg a.Inn
7941 Trostberg
7942 Tittmoning
8031 Denklingen
8034 Starnberg Süd
8035 Sauerlach
8037 Glonn
8038 Rott a.Inn
8131 Schongau
8134 Königsdorf
8135 Sachsenkam
8138 Rosenheim
8140 Prien a.Chiemsee
8142 Teisendorf
8143 Freilassing
8231 Peiting
8237 Miesbach
8238 Neubeuern
8239 Aschau i.Chiemgau
8240 Marquartstein
8241 Ruhpolding
8243 Bad Reichenhall
8244 Berchtesgaden Nord
8334 Kochel a.See
8335 Lenggries
8337 Josefsthal
8338 Bayrischzell
8339 Oberaudorf
8341 Seegatterl
8342 Schneizlreuth
8343 Berchtesgaden West
8344 Berchtesgaden Ost
8423 Kressbronn am Bodensee
8424 Lindau (Bodensee)
8427 Immenstadt i.Allgäu
8428 Hindelang
8429 Pfronten
8432 Oberammergau
8433 Eschenlohe
8434 Vorderriß
8435 Fall
8443 Königssee
8444 Hoher Göll
8528 Hinterstein
8531 Zugspitze
8532 Garmisch-Partenkirchen
8533 Mittenwald
8628 Hochvogel
Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Lebensraum und Lebensweise

Die Art besiedelt ein breites Spektrum wärmebegünstigter, offener bis halboffener, strukturreiche Lebensräume. Entscheidend ist eine hohe Dichte an "Grenzlinienstrukturen", d. h. ein kleinräumiges Mosaik an stark bewachsenen und offenen Stellen sowie Gehölzen bzw. Gehölzrändern, gern auch mit Strukturen wie Totholz, Steinhaufen und Altgrasbeständen. Dort muss ein hohes Angebot an Versteck- und Sonnplätzen, aber auch Winterquartiere und vor allem ausreichend Beutetiere vorhanden sein. Deshalb werden trockene und Wärme speichernde Substrate bevorzugt, beispielsweise Hanglagen mit Halbtrocken- und Trockenrasen, Geröllhalden, felsige Böschungen oder aufgelockerte steinige Waldränder.

Die Tiere besiedeln aber auch anthropogene Strukturen, insbesondere Bahndämme, Straßenböschungen, Steinbrüche, Trockenmauern, Hochwasserdämme oder (Strom- und Gas-) Leitungstrassen, die auch als Wander- und Ausbreitungslinien wichtig sind. Auch am Siedlungsrand kann man die Tiere vor allem in naturnah gepflegten Gärten sowie an unverfugtem Mauerwerk finden.

Insgesamt gelten Schlingnattern als sehr standorttreu; mit Aktionsdistanzen von meist deutlich unter 500 Metern sind sie nicht sehr mobil, allerdings können Winterquartiere bis zu 2 km vom üblichen Jahreslebensraum entfernt sein.

Populationsdichten und Reviergrößen werden durch eine Reihe von Faktoren (Strukturangebot, Klima, Nahrung) beeinflusst. Sie differieren auch jahreszeitlich sehr stark. Entlang linearer Strukturen wie Bahndämme, Waldwege oder Trockenmauern können hohe Bestandsdichten erreicht werden.

Schlingnattern sind wie die meisten Reptilien tagaktiv, vorwiegend bei feucht-warmen Witterungsverhältnissen. Sie können über 10 Jahre alt werden, sind aber erst im 3. oder 4. Jahr geschlechtsreif. Die Paarung erfolgt von April bis Mai; die lebendgebärenden Weibchen setzen Ende Juli bis September durchschnittlich 4-8 Jungtiere ab, pflanzen sich aber nur alle zwei Jahre fort. Die Winterruhe - meist einzeln, in trockenen, frostfreien Erdlöchern oder Felsspalten - dauert je nach Witterungsverlauf von Anfang Oktober bis Anfang November und endet Mitte März bis Anfang Mai.

Schlingnattern ernähren sich hauptsächlich von Reptiliensowie von Spitz- und echten Mäusen, vereinzelt auch von von Jungvögeln,. Jungtiere benötigen kleine Eidechsen oder Blindschleichen.

Der Name Schlingnatter geht auf das Verhalten zurück, Beutetiere blitzschnell zu umschlingen, der Name Glattnatter auf die ungekielten Schuppen.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

  • Unterpflanzung von lichten Kiefernwäldern mit Fichten
  • Erstaufforstungen von Grenzertragsböden und Restflächen,
  • Begradigung von Wald-Wiesen-Grenzen
  • Nutzungsaufgabe oder fehlende Pflege (z.B. Einstellung einer extensiven Beweidung) mit folgender Sukzession / Verbuschung) oder ungeeignete Folgenutzung von Abbaustellen,
  • Beseitigung oder Zerstörung von Kleinstrukturen,
  • Nährstoff- und Pestizideinträge aus angrenzenden landwirtschaftlichen oder weinbaulichen Nutzflächen,
  • Zerschneidung der Lebensräume und Wanderkorridore einschließlich Verlust wandernder Tiere (primär durch den Straßenverkehr, aber auch durch streunende Haustiere)
  • "traditionelles" Erschlagen von Schlangen aus Unwissenheit und Angst bzw. weil man sie mit Kreuzottern verwechselt.

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

  • Neuanlage von Kleinstrukturen (z.B. Trocken- und Lesesteinmauern, Steinriegel, Totholz etc.),
  • Freistellen von zugewachsenen, zu stark beschatteten Sonn- und Brutplätzen,
  • Anlage von breiten Pufferzonen zu landwirtschaftlichen Nutzflächen zur Reduzierung des Nährstoff- und Schadstoffeintrags im Umfeld der besiedelten Lebensräume; Nutzungsextensivierung der angrenzenden Flächen,
  • Entwicklung linienförmiger Verbindungselemente (halboffene Waldsäume, Raine, Hecken, Gebüsche, Feldgehölze, Wegränder),
  • bei längerfristiger Vorausplanung:Entwicklung von reich strukturierten Lebensräumen mit Gebüsch-Offenland-Mosaik an geeigneten, wärmebegünstigten Stellen.
  • Erhalt/Sicherung breiter strukturreicher Waldränder

Wichtig ist eine für die gesamte Dauer des geplanten Eingriffs (= in der Regel dauerhafte) gesicherte Pflege der neu zu schaffenden bzw. wiederhergestellten Strukturen ohne Einsatz von Pestiziden bzw. Bioziden, evtl. in Verbindung mit einer extensiven Bewirtschaftung (z. B. extensive Beweidung).

Da vor allem Jungtiere Reptilien als Nahrung benötigen, sollten primär entsprechende strukturreiche Lebensräume optimiert werden, um Zauneidechsen sowie Blindschleichen zu fördern.

Sonstige Hinweise

Aufgrund ihrer versteckten Lebensweise - die Tiere bleiben bei Annäherung meist ruhig an ihrem Platz und verlassen sich auf ihre Tarnung- ist die Schlingnatter relativ unbekannt (bzw. wird von Ungeübten wegen ihrer Ähnlichkeit oft mit der Kreuzotter verwechselt); außerdem flüchtet sie meistens geräuschlos.

Insofern ist bei Vorhandensein geeigneter Strukturen und Geländeuntersuchungen mit weniger als 10 gezielten (!) Begehungen in der artenschutzrechtlichen Prüfung immer das "worst-case-Szenario" anzuwenden, d. h. von Vorkommen von Schlingnattern auszugehen.

Ergänzende Informationen

Völkl, W. & D. Käsewieter (2003): Die Schlingnatter - ein heimlicher Jäger. - Beiheft der Zeitschrift für Feldherpetologie 6; Bielefeld, Laurenti-Verlag; 151 S.

Waitzmann, M. & P. Zimmermann (2007): Schlingnatter Coronella austriaca Laurenti, 1768. - In: Laufer, H., K. Fritz & P. Sowig (Bearb., 2007): Die Amphibien und Reptilien Baden-Württembergs: 633-650. - Ulmer.

www.herpetofauna.at

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