Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Wald-Wiesenvögelchen (Coenonympha hero)

Rote Liste Bayern: Stark gefährdet
Rote Liste Deutschland: Stark gefährdet
Erhaltungszustand Kontinental: Ungünstig/schlecht
Erhaltungszustand Alpin:

Verbreitung und Bestandssituation

Die Verbreitung des Wald-Wiesenvögelchens reicht von Frankreich bis nach Ostasien. In Europa erstreckt sich die Nord-Süd-Ausdehnung von Südskandinavien bis in die Alpen.

Innerhalb von Mitteleuropa und Deutschland bildet Bayern das Vorkommenszentrum von C. hero. Die bayerischen Vorkommen konzentrieren sich auf das mittlere Voralpine Hügel- und Moorland, insbesondere das Ammer-Loisach-Hügelland. Restvorkommen bestehen noch an Lech und Isar sowie im Donauraum. Starke Rückgänge verzeichnen vor allem die Bestände außerhalb von Mooren. Die vereinzelten Populationen in Nordbayern sind bis auf die Bestände im Steigerwald nahezu erloschen.

Fundortkarte

Wald-Wiesenvögelchen (Coenonympha hero)

Nachweise ab 1980



Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

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Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1980

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
5724 Zeitlofs
5728 Oberlauringen
6027 Grettstadt
6228 Wiesentheid
6327 Markt Einersheim
6328 Scheinfeld
6427 Uffenheim
6428 Bad Windsheim
7030 Wolferstadt
7031 Treuchtlingen
7131 Monheim
7227 Neresheim-West
7228 Neresheim-Ost
7229 Bissingen
7231 Genderkingen
7232 Burgheim Nord
7233 Neuburg a.d.Donau
7234 Ingolstadt
7327 Giengen an der Brenz
7328 Wittislingen
7329 Höchstädt a.d.Donau
7428 Dillingen a.d.Donau West
7431 Thierhaupten
7526 Ulm Nordost
7527 Günzburg
7528 Burgau
7531 Gersthofen
7631 Augsburg
7635 Haimhausen
7636 Freising Süd
7730 Großaitingen
7731 Mering
7732 Mammendorf
7734 Dachau
7735 Oberschleißheim
7736 Ismaning
7830 Schwabmünchen
7831 Egling a.d.Paar
7833 Fürstenfeldbruck
7930 Buchloe
7933 Weßling
7934 Starnberg Nord
8027 Memmingen
8031 Denklingen
8032 Dießen a.Ammersee
8033 Tutzing
8034 Starnberg Süd
8035 Sauerlach
8036 Otterfing
8037 Glonn
8131 Schongau
8132 Weilheim i.OB
8133 Seeshaupt
8134 Königsdorf
8135 Sachsenkam
8136 Holzkirchen
8137 Bruckmühl
8138 Rosenheim
8227 Kempten (Allgäu)
8231 Peiting
8232 Uffing a.Staffelsee
8233 Iffeldorf
8234 Penzberg
8235 Bad Tölz
8329 Nesselwang Ost
8332 Unterammergau
8333 Murnau a.Staffelsee
8429 Pfronten
Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Lebensraum und Lebensweise

In den Mooren des Alpenvorlandes werden am Waldrand oder auf Waldlichtungen gelegene Feuchtbrachen, Brachebereiche mit höheren Gehölzanteilen sowie die schmalen Saumbereiche zwischen Waldrand und offenen, gemähten Streuwiesenflächen bevorzugt besiedelt. Die Krautschicht dominieren dabei Pfeifengras und Seggen. Hochstaudenreiche Feuchtbrachen meiden die Imagines weitgehend.

Die Habitate in den Auen von Donau, Lech, Wertach und Isar sind Schneeheide-Kiefernwälder, Brennen und Flussschotterheiden. In Mittelwäldern des Steigerwaldes leben die letzten stabilen Populationen Nordbayerns auf wechselfeuchten Pfeifengras-Lichtungen.

Wichtige Habitatfaktoren scheinen eine hohe Luftfeuchte bei gleichzeitig guter Besonnung zu sein. Junge Sukzessionsstadien mit Faulbaum- oder anderem Gehölzaufwuchs sind für viele bayerische Habitate charakteristisch,

Wirtspflanzen und Larvalhabitate des Wald-Wiesenvögelchens sind noch immer nicht ausreichend bekannt. Eine lückige und inhomogene Struktur der Krautschicht mit offener Streu ist für die Eiablage von Bedeutung. Als Raupennahrung werden in der Literatur eine ganze Reihe verschiedener Süssgräser und Seggen angeführt. Die Raupe von C. hero überwintert meist im dritten Raupenstadium. Die Verpuppung erfolgt im fünften Larvenstadium Ende April/Anfang Mai als Stürzpuppe an Grasstängeln. Die Falter fliegen dann in einer Generation von Mitte Mai bis Anfang Juli, mit dem Höhepunkt im Juni.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

  • Scharfe Trennung von Wald als dicht mit Bäumen bestandener Fläche und Offenland ohne Gehölzbewuchs,
  • Aufgabe der Streuwiesenmahd mit mehrjährigem Turnus (sowohl jährliche als auch fehlende Mahd schadet der Art),
  • Habitatverluste durch die Aufgabe von Mittel-/Niederwald und von Waldweide (strukturelle und mikroklimatische Veränderungen), Aufforstungen
  • Verluste lichter Waldstadien durch Aufforstungen und Sukzession,
  • Beeinflussung des Wasserhaushalts, z.B. durch Flussregulierungen und Wasserabsenkungen in Wäldern und Mooren.

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

  • Erhaltung und Förderung lichtungsschaffender Waldnutzungs- und Betriebsformen
  • Gelenkte Sukzession auf potenziellen Habitatflächen in Wäldern (z.B. Windwurfflächen) und auf Moorbrachen, Verzicht auf Anpflanzung
  • Entbuschung von Teilflächen, insbesondere bei mehr als 30% Überschirmung der Krautschicht
  • Alternierende Mahd von Teilflächen auf Waldlichtungen
  • Schaffung von gut besonnten Lichtungen und sehr lichten Baumbeständen mit grasreichem Unterwuchs.
  • Entwicklung geeigneter Habitate im Umfeld besiedelter Flächen, da viele Lebensräume sehr klein sind.
  • Förderung einer lückigen oder bultigen mageren Grasschicht, auf geeigneten Standorten im Umfeld aktueller Vorkommen.
  • Ist reine Gehölzkontrolle zu aufwendig, können zur Verbuschung oder Verschilfung neigende Bestände nur durch Mahd offen gehalten werden.

Sonstige Hinweise

Da die Gefährdungsfaktoren - v.a. der Verlust lichter Waldstrukturen aufgrund des beschriebenen Nutzungswandels - noch immer fortwirken, gehört C. hero zu den besonders gefährdeten Tagfaltern Bayerns. Die offenen Fragen zur Autökologie sind u.a. Gegenstand eines Artenhilfsprogrammes. Die praktischen Erfahrungen im Rahmen des AHP haben gezeigt, dass Artenhilfsmaßnahmen schwer zu verwirklichen sind. Lichte Wälder sind daher Teil des Vertragsnaturschutz-Programmes Wald.

Ergänzende Informationen

Literatur

Bräu, M. & M. Dolek (i.V.): Das Wald-Wiesenvögelchen. In: Tagfalter in Bayern.

Cassel, A., Windig, J., Nylin, S., & Wiklund, C. (2001): Effects of population size and food stress on fitness-related characters in the Scarce Heath, a rare butterfly in Western Europe. Conservation Biology 15: 1667-1673.

Dolek, M., Thamke, I., Grünfelder, S., Böck, O. & Geyer, A. (2009): Artenhilfsprogramm für den Gelbringfalter (Lopinga achine) und das Waldwiesenvögelchen (Coenonympha hero). Unveröff. Gutachten im Auftrag des LfU.

Hermann, G. (2005): Wald-Wiesenvögelchen (Coenonympha hero). Naturschutz und Biologische Vielfalt 20: Methoden zur Erfassung von Arten der Anhänge IV und V der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie: 168-174.

Pretscher, P. (2001): Verbreitung und Art-Steckbrief des Wald-Wiesenvögelchens (Coenonympha hero Linnaeus, 1761) in Deutschland. Natur und Landschaft 16: 547-552.

Thust, R., Thiele, A., & Göhl, K. (2001): Das Wald-Wiesenvögelchen (Coenonympha hero Linnaeus, 1761; Lepidoptera: Nymphalidae) in Thüringen - ein Nachruf und ein Lehrstück. Natur und Landschaft 76: 542-546.

Weidemann. H. J. (1995): Tagfalter beobachten, bestimmen. Naturbuch-Verlag, Augsburg.

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