Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans)

Rote Liste Bayern: Vom Aussterben bedroht
Rote Liste Deutschland: Gefährdet
Erhaltungszustand Kontinental: Ungünstig/schlecht
Erhaltungszustand Alpin:

Verbreitung und Bestandssituation

Die Geburtshelferkröte ist west- und südwesteuropäisch verbreitet: von Portugal und Spanien über Frankreich und Belgien bis an den Südrand der Niederlande, und entlang der deutschen Mittelgebirge über das südliche Niedersachsen bis zum Harz. Im Osten verläuft die Verbreitungsgrenze über das östliche Harzvorland, die Höhenzüge Nord- und Westthüringens, den westlichen Thüringer Wald, die Rhön und den Schwarzwald bis zur Nordschweiz.

Damit erreichen Geburtshelferkröten nur im äußersten Nordwesten den Freistaat Bayern. Die Art ist unmittelbar vom Aussterben bedroht. Die meisten der bayerischen Fundorte sind inzwischen erloschen. Aktuell existieren nur noch 13 Fundorte, vor allem im Landkreis Rhön-Grabfeld sowie im nördlichen Landkreis Bad Kissingen.

Fundortkarte

Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans)

Nachweise ab 1980



Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

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Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1980

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
5426 Hilders
5427 Helmershausen
5526 Bischofsheim a.d.Rhön
5527 Mellrichstadt
5625 Wildflecken
5626 Sandberg
5627 Bad Neustadt a.d.Saale
5725 Stangenroth
Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Lebensraum und Lebensweise

Die Geburtshelferkröte kommt natürlicherweise in Auen und an Bachböschungen der Gebirgs- und Mittelgebirgsregionen sowie in Geröllhalden sowie in Rutschgebieten im Hügelland vor, wo sie Kolke, Überschwemmungs- und Geschiebetümpel als Larvalgewässer und nahe gelegene vegetationsfreie Rohbodenstandorte mit Versteckmöglichkeiten oder gut grabbare Böden vorfindet und gleichzeitig ausreichend Kleintiere - Insekten, Spinnen, Ringelwürmern und Schnecken - als Nahrung findet. Da diese natürlichen Habitate selten geworden sind, lebt die Geburtshelferkröte heute oft in Abbaugebieten oder Industriebrachen.

Geburtshelferkröten sind meist dämmerungs- und nachtaktiv. Sie können fast zehn Jahre alt werden und sind nach zwei bis drei Jahren geschlechtsreif. Die Fortpflanzungszeit ist hauptsächlich Mai und Juni, kann sich aber bis in den August und September erstrecken. Wobei die Fortpflanzungsbiologie der Geburtshelferkröte außergewöhnlich ist: Als einzige einheimische Amphibienart betreibt sie Brutpflege.

Alles beginnt mit den Rufen der Männchen aus ihren Verstecken an Land. Nähert sich ein Weibchen, wird es umklammert und zur Abgabe von wenigen Dutzend Eiern stimuliert. Danach übernehmen die Männchen eine "tragende Rolle": Sie wickeln sich die Laichschnüre um ihre Fersengelenke. In den folgenden Nächten kann dasselbe Männchen noch ein, seltener auch mehr Gelege übernehmen, und diese bis zum Ende der Embryonalperiode mit sich herumtragen, wobei es in dieser Zeit sehr heimlich lebt und sich tagsüber in ein feuchtes Versteck zurückzieht. Nach ca. 20-45 Tagen setzt das Männchen dann die reifen Eier in ein geeignetes Gewässer ab, wo dann kurz darauf die Kaulquappen schlüpfen. Danach beginnt es wieder zu rufen, d. h. Geburtshelferkröten können sich im Jahr mehrmals fortpflanzen.

Die Kaulquappen wandeln sich in warmen Gewässern noch im August/September zu kleinen Kröten um; in kühlen Gewässern oder aus spät abgelegten Laichschnüren überwintern sie und metamorphisieren dann erst im Folgejahr.

Bezüglich des Laichplatzes - bzw. des Absetzplatzes für die reifen Quappen - sind Geburtshelferkröten grundsätzlich wenig anspruchsvoll. Zwar werden teilweise besonnte Gewässer wie sommerwarme Pfützen, Tümpel und Weiher bevorzugt, aber auch sommerkühle, tiefe Abgrabungsgewässer oder ruhige, kleinere Fließgewässerabschnitte besiedelt. Wichtig ist, dass das Wasser zum einen fischfrei ist, zum anderen nicht zu sauer oder anmoorig.

Die Ansprüche an den Landlebensraum sind oft höher als an das Laichgewässer, das maximal 100 m davon entfernt sein sollte. Die Geburtshelferkröte bevorzugt hohe Temperaturen (Vorzugstemperatur von über 30°C) und mittlere Feuchtigkeit. Im Sommer werden so sonnenexponierte Böschungen, Geröll- und Blockschutthalden besiedelt, in Siedlungen auch Gärten mit lockerem Erdreich, Terrassen, Treppen und Steinplatten mit Hohlräumen oder Holzstapel, jüngere Brachflächen oder Abbaustellen. Auch besonnte Waldränder und extensive Weiden können als Sommerlebensraum genutzt werden. Im Winter graben sich die Tiere frostfreie Erdhöhlen oder sie überwintern tieferen Kluftsystemen.

Ausgewachsene Tiere sind relativ ortstreu und wandern durchschnittlich nur weniger als 100 m weit. Vor allem die jungen Geburtshelferkröten legen aber größere Distanzen von oft mehreren hundert Metern zurück (bis max. 700 m) und können so im Spätsommer und Frühherbst relativ schnell neue Gewässer finden.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

  • Verlust von Absetzgewässern sowie von offenen Schutt- und Geröllhalden
  • Verlust von Kleingewässern und Legesteinmauern im Siedlungsbereich
  • Entwertung der Absetzgewässer durch zunehmende Beschattung
  • Fischbesatz in den Absetzgewässern,
  • Veränderung der Abgrabungstechnik in Abbaugebieten
  • Nutzungsintensivierung von bislang extensiv genutzten Acker und Grünland
  • Zerschneidung der Habitate durch Infrastrukturmaßnahmen.

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

  • Neuanlage von Absetzgewässern mit ausreichender Größe und Tiefe (frostsicher) in der Nähe bestehender Populationen
  • Freistellen von beschatteten Absetzgewässern und Geröllbereichen
  • (Wieder-) Herstellung von Rohböden an Böschungen und Offenhalten durch langfristige Pflegevereinbarungen
  • Errichtung von "Steinhaufen" und ähnlichen Strukturen in unmittelbarer Nähe von bekannten Laich-/Absetzplätzen
  • Anlage von Pufferstreifen um Fortpflanzungsgewässer bzw. Nutzungsextensivierung der angrenzenden Flächen
  • Abfischen geeigneter Fortpflanzungsgewässer

Sonstige Hinweise

Bei der Ermittlung von Populationsgrößen - was in aller Regel durch Zählen von rufenden Männchen geschieht - ist zu berücksichtigen, dass immer nur ein (kleiner) Teil des Männchenbestandes ruft.

Ergänzende Informationen

Grossenbacher, K. & S. Zumbach (Hrsg.) (2003): Die Geburtshelferkröte - Biologie, Ökologie, Schutz. - Zeitschrift für Feldherpetologie, Heft 10/1: 158 S.; Laurenti-Verlag, Bielefeld.

Artensteckbriefe Thüringen (http://www.tlug-jena.de), Stand 27.04.2010

KArch (2010): Praxismerkblatt Artenschutz - Geburtshelferkröte Alytes obstetricans. www.karch.ch

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