Fischotter; Foto: Astrid Brillen - piclease

Kulturlandschaft Ries

Erfassung, Bewertung und Dokumentation der historischen Kulturlandschaftselemente im Nördlinger Ries – Zusammenfassung einer Diplomarbeit

Im Rahmen einer Diplomarbeit am Institut für Geographie der Universität Augsburg hat Kathrin Schön das Ries untersucht (2007). In einer der ältesten Kulturlandschaften Mitteleuropas wurden die wichtigsten historischen Kulturlandschaftselemente erfasst, bewertet und dokumentiert. Das vor 14,8 Millionen Jahren durch einen Meteoriteneinschlag entstandene Untersuchungsgebiet weist trotz der vielfältigen Einflüsse eine eigenständige Entwicklung auf. Charakterisieren lässt sich der Raum durch seine reiche Vor- und Frühgeschichte, seine besondere ackerbauliche Eignung, was ihm die Bezeichnung "zweite Kornkammer Bayerns" eingebracht hat, und seine geschichtlichen Zeugnisse besonders in Form der mittelalterlichen Stadtkerne. Doch nicht nur die Relikte der "großen" Geschichte, sondern gerade die unscheinbaren aus der Alltagswelt der Bauern und Bürger verdienen besondere Berücksichtigung.

Die 616 in die Arbeit aufgenommenen Elemente lassen sich in verschiedene Funktionsbereiche einordnen, welche im Folgenden mit wichtigen Beispielen aus dem Untersuchungsgebiet vorgestellt werden.

Funktionsbereich Siedlung

  • Angerdörfer wie Rudelstetten
  • Historische Altstädte (zum Beispiel Nördlingen, Wemding, Harburg)
  • Rieser Bauernhäuser (zum Beispiel Maihingen)
  • Armenhäuser (zum Beispiel Deiningen)
  • Schulhäuser (zum Beispiel Enkingen)
  • Meierhöfe (zum Beispiel Löpsingen)
  • Zehentstadel (zum Beispiel Heroldingen, Schopflohe)
  • Judenhäuser (zum Beispiel Mönchsdeggingen)
  • Beamtenhäuser in Wallerstein
  • Bauerngärten

Funktionsbereich Landwirtschaft, Waldwirtschaft, Teichwirtschaft

  • Teiche (zum Beispiel im Oettinger Forst, Anhauser Weiher)
  • Wacholderheiden (zum Beispiel Albuch, um Harburg)
  • Streuobstwiesen (zum Beispiel Marktoffingen)
  • Streuwiesen (zum Beispiel im Wemdinger Ried)
  • Ackerterrassen (zum Beispiel bei Harburg und Huisheim)
  • Mittelwälder (zum Beispiel bei Mündling)

Funktionsbereich Religion, Staat, Militär

  • Grabhügelfelder (zum Beispiel bei Belzheim)
  • Wallanlagen (zum Beispiel Weiherberg bei Christgarten)
  • hochmittelalterliche Burgställe und Turmhügel (zum Beispiel Enslingen, bei Holheim)
  • Burgen und Schlösser (zum Beispiel Harburg, Wallerstein, Oettingen)
  • Wehrkirchen, Wehrfriedhöfe und Kirchenburgen (zum Beispiel Minderoffingen)
  • Simultankirchen (zum Beispiel Ehingen)
  • Klöster (zum Beispiel Mönchsdeggingen)
  • Judenfriedhöfe (zum Beispiel Wallerstein, Harburg)
  • Bildstöcke und Kapellen (zum Beispiel Laub)
  • Sühnekreuze (zum Beispiel Daubitzkreuz in Herkheim)
  • Feldkreuze (zum Beispiel Dreifaltigkeitskreuz Hausen)
  • Gedenkbäume (zum Beispiel Friedenslinde Mönchsdeggingen)
  • Grenzsteine (zum Beispiel Stadtgrenzsteine von Nördlingen)
  • historische Flugplätze (zum Beispiel bei Heuberg)

Funktionsbereich Verkehr

  • Römerstraßen (zum Beispiel zwischen den Kastellen Oberdorf und Munningen bei Maihingen)
  • Altstraßen (zum Beispiel Dirgenheim – Baldingen)
  • Judenwege (zum Beispiel am Reisberg bei Nähermemmingen)
  • ehemalige Eisenbahnlinien (zum Beispiel zwischen Nördlingen und Wemding) mit Bahnhöfen und Bahnwärterhäuschen
  • Brücken (zum Beispiel Egerbrücke Deiningen)

Funktionsbereich Gewerbe

  • Mühlen (zum Beispiel an Eger und Schwalb)
  • Mühlweiheranlagen (zum Beispiel bei Riedmühle/Belzheim)
  • Steinbrüche (zum Beispiel Traßsteinbruch bei Bollstadt)
  • Reste von Bergbauversuchen (zum Beispiel bei Deiningen)
  • Bierkeller (zum Beispiel am Wennenberg bei Alerheim)

Funktionsbereich Freizeit und Erholung

  • Wallfahrtskirchen wie Maria Brünnlein bei Wemding
  • Sommerkeller (zum Beispiel bei Wornfeld)
  • Ausflugsorte (zum Beispiel Christgarten)

Funktionsbereich Assoziative Kulturlandschaft

  • Galgenberge Nördlingen und Wemding
  • Malerparadies Harburg
  • Aussichtspunkte (zum Beispiel Platte Wemding)
  • Schlachtfelder (zum Beispiel Albuch)

Die Bedeutung dieser Elemente scheint auf den ersten Blick vor allem historisch und volkskundlich begründet. Doch lässt sich bei näherer Betrachtung auch ein Wert als Lebensraum für Tiere und Pflanzen erkennen. Besonders augenfällig erscheint dies beispielsweise bei den Elementen des Funktionsbereichs "Landwirtschaft, Waldwirtschaft, Teichwirtschaft" wie Wacholderheiden, Streuobstwiesen oder Streuwiesen. Doch auch alte Bauernhäuser und Bierkeller mit ihren Einfluglöchern können wichtige Brut- und Überwinterungsräume für Vögel bzw. Fledermäuse darstellen. Weiterhin stiften historische Kulturlandschaftselemente auch regionale Identität und Heimatgefühl, womit ihnen in der heutigen Zeit der Globalisierung eine wichtige Bedeutung zukommt.

Im Untersuchungsgebiet Nördlinger Ries werden 616 Kulturlandschaftselemente vorgestellt, die als "Weiterführende Informationen" zur Verfügung stehen.