Fischotter; Foto: Astrid Brillen - piclease
2018
Jürgen T. Klotz (Büro für Botanik & Naturschutz)

Bestandskontrolle von ausgewählten Rote-Liste-1-Gefäßpflanzenarten im mittleren und nördlichen Bayern (2017/18)

Unveröff. Gutachten im Auftrag des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU), 91 S., Regensburg.

Artengruppe:
Gefäßpflanzen
Landkreis(e):
Pfaffenhofen a.d.Ilm,Dingolfing-Landau,Cham,Neumarkt i.d.Opf.,Regensburg,Tirschenreuth,Bayreuth Stadt,Bamberg,Bayreuth,Neustadt a.d. Aisch-Bad Windsheim,Aichach-Friedberg
Auftraggeber:
LfU
Landkreise: Pfaffenhofen a.d.Ilm,Dingolfing-Landau,Cham,Neumarkt i.d.Opf.,Regensburg,Tirschenreuth,Bayreuth Stadt,Bamberg,Bayreuth,Neustadt a.d. Aisch-Bad Windsheim,Aichach-Friedberg

Zusammenfassung:

Diese Untersuchung befasst sich mit der Bestandskontrolle von 14 ausgewählten Pflanzenarten, die nach der Roten Liste Bayerns (von 2003) mit Kategorie 1 (vom Aussterben bedroht) eingestuft sind. Der Untersuchungsraum umfasst die Umgebung Erlangens in Mittelfranken sowie Teile Oberfrankens und der Oberpfalz; je ein Wuchsort liegt im nördlichen Schwaben und Oberbayern sowie in Niederbayern. Es handelt sich meist um konkurrenzschwache Pflanzen kurzlebiger Ruderal- und Segetalstandorte sowie unbeständiger Teichbodenvegetation; weitere Arten kommen in Wiesen und Magerrasen vor; eine Art ist eine Wasserpflanze. Es betrifft meist Arten, die seit mindestens 10 Jahren an den betreffenden Fundstellen nicht mehr dokumentiert worden waren, mindestens aber seit 2015 nicht mehr. Ziel war es, die Bestandssituation zu überprüfen, um die Pflege der Bestände zu verbessern, die Bestände zu regenerieren oder eine Wiederansiedlung planen zu können. Außerdem sollen Erkenntnisse für die laufende Aktualisierung der Roten Liste der gefährdeten Gefäßpflanzen Bayerns gesammelt werden. Die 14 aus einem vorgegebenen Artenset ausgewählten Pflanzenarten wurden an insgesamt 34 Wuchsorten untersucht (davon 14 im Jahr 2017 und 20 im Jahr 2018). Es sind dies (mit Angabe der Lebensdauer): 1. Aldrovanda vesiculosa (Wasserfalle; mehrjährig): 1 Wuchsort 2. Calendula arvensis (Acker-Ringelblume; 1-jährig): 1 Wuchsort 3. Corrigiola litoralis (Hirschsprung; 1-jährig): 1 Wuchsort 4. Euphrasia micrantha (Zierlicher Ehrenpreis; 1-jährig): 2 Wuchsorte 5. Gentianella campestris subsp. baltica (Baltischer Feld-Enzian; 1-jährig): 2 Wuchsorte 6. Gnaphalium luteoalbum (Gelbliches Ruhrkraut; 1-jährig): 5 Wuchsorte 7. Juncus tenageia (Sand-Binse; 1-jährig): 10 Wuchsorte 8. Lappula squarrosa (Kletten-Igelsame; 1-jährig): 2 Wuchsorte 9. Legousia hybrida (Kleiner Frauenspiegel; 1-jährig):3 Wuchsorte 10. Marrubium vulgare (Gemeiner Andorn; mehrjährig): 1 Wuchsort 11. Orobanche coerulescens (Bläuliche Sommerwurz; 1- bis wenigjährig):1 Wuchsort 12. Potentilla inclinata (Graues Fingerkraut; mehrjährig): 1 Wuchsort 13. Scandix pecten-veneris (Venuskamm; 1-jährig): 2 Wuchsorte 14. Stachys arvensis (Acker-Ziest; 1-jährig): 2 Wuchsorte Von den 34 Wuchsorten konnten lediglich 4 von 14 Arten an insgesamt nur 4 Wuchsorten wiedergefunden werden, von denen nur 3 zugleich relevante RL-1-Arten darstellen: a)Aldrovanda vesiculosa (Gründlacher Moor; Status fraglich, vermutlich angesalbt), b) Euphrasia „micrantha“ (Oedhof; s. u.), c) Juncus tenageia (Rohensaas), d) Stachys arvensis (Neuenplos). Bei 16 nicht mehr bestätigten Wuchsorten besteht die Möglichkeit für eine spontane oder durch Pflege begünstigte Regeneration der Bestände, allerdings teilweise mit hohem Aufwand (ggf. gestützt durch Wiederansiedlung): a) Corrigiola litoralis (Leupoldshammer), b) Gentianella campestris subsp. baltica (Aacherwiese, Haunritz), c) Gnaphalium luteoalbum (Seedorf, Ailersbach), d) Juncus tenageia (Schwarzweiher, Herrnweiher, Ailersbach, Tiefe Lacke, Röhrhölzer), e) Lappula squarrosa (Wolfsteinberg), f) Scandix pecten-veneris (Wiedenhof, Eitelberg), g) Legousia hybrida (Seußling, Guttenburg), h) Stachys arvensis (Rödensdorf). Bei 5 Wuchsorten ist das Habitat dauerhaft verloren gegangen bzw. war nur unbeständig vor-handen oder eine Regeneration/Wiederansiedlung erscheint wegen des Aufwands aussichtslos: a) Gnaphalium luteoalbum (Königsauer Moos), b) Marrubium vulgare (Kohlberg), c) Potentilla inclinata (Gumppenberg), d) Juncus tenageia (Peppenhöchstädt, Röhrach/Sandsteinfabrik). Bei 5 Wuchsorten müssen die Altnachweise als Falschangaben gewertet werden, stattdessen handelt es sich um andere, meist ähnlich aussehende Arten, die keinen RL1-Status haben: a) Calendula arvensis (Arnschwang; ist vermutlich Calendula officinalis), b) Euphrasia micrantha (Herzogspitz, Oedhof; ist vermutlich Euphrasia nemorosa), c) Orobanche coerulescens (Freinhausen; ist definitiv Orobanche purpurea), d) Legousia hybrida (Thanhausen; ist Legousia speculum-veneris oder andere Art). Bei 3 Wuchsorten war die Fundortbeschreibung zu ungenau oder die Koordinaten fragwürdig, sodass alternative Wuchsorte derselben Art in der näheren Umgebung nachgesucht wurden: a) Gnaphalium luteoalbum (Ailersbach), b) Juncus tenageia (Ailersbach, Poppenwind), Bei 1 Wuchsort, Hypochaeris glabra (Kahles Ferkelkraut; Alterlangen), lässt sich nicht abschließend entscheiden, ob die Art mit der häufigen Hypochaeris radicata (Gemeines Ferkelkraut) verwechselt wurde oder ob sie doch vor einigen Jahren dort noch vorhanden war. Hypochaeris radicata kommt am Wuchsort reichlich vor, aber der Standort (Boden, Vegetation) erscheint auch für die Zielart geeignet. Dieser Wuchsort wurde ausgeklammert und ist stattdessen im Bericht von Martin Feulner (2018) zusammen mit weiteren Wuchsorten von Hypochaeris glabra enthalten (und wird im Artenset dieses Kapitels nicht mitgezählt). Zum Erhalt der noch vorhandenen Bestände und zur Wiederansiedlung von verschollenen Vorkommen wird empfohlen, für diese Rote-Liste-1-Arten (wie auch für Vorkommen anderer vom Aussterben bedrohter Arten in Bayern) konsequent Erhaltungskulturen aufzubauen.
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