2020
Michael Stadler Landschaftsökologisches Büro Faunakart

Artenhilfsmaßnahme Großer Brachvogel und Kiebitz im Königsauer Moos und Wallersdorfer Moos 2019

unveröffentlichtes Gutachten

Artengruppe:
Vögel
Stichwörter:
Kiebitz, Brachvogel, Bestand, Wiesenbrüter, Königsauer Moos
Landkreis(e):
Dingolfing-Landau
Auftraggeber:
Landschaftspflegeverband Dingolfing-Landau
Landkreise: Dingolfing-Landau

Zusammenfassung:

Seit 1986 wird im Königsauer Moos jährlich der Bestand des Großen Brachvogels erfasst. Gegenüber dem Jahr 2018 fiel im Jahr 2019 die Anzahl der Brutpaare im Königsauer Moos der Kategorie „C“ (wahrscheinlich brütend) und „D“ (sicher brütend) um 5 Brutpaare auf 42 Brutpaare. Brutpaare der Kategorie „B“ (möglicherweise brütend) wurden im Jahr 2019 nicht festgestellt. Die Anzahl der Brutpaare nimmt seit 2012 kontinuierlich ab. Im Jahr 2019 schlüpften aus 14 Nestern mit nachgewiesenem Schlupferfolg im Königsauer Moos mindestens 31 Jungvögel. Die ersten Kückenwarnrufe erfolgten ab Mitte Mai. Der erste flügge Jungvogel wurde im Königsauer Moos Mitte Juni beobachtet. Im Jahr 2019 wurden insgesamt 4 Jungvögel flügge. Insgesamt hatten im Königsauer Moos nur 3 der 42 Brutpaare Bruterfolg. Von den drei Brutpaaren stammte 1 Paar aus dem Großschutzzaun und 1 Paar mit Schutzzaun, welche 3 flügge Jungvögel hervorbrachten. Bezogen auf das gesamte Königsauer Moos stammten damit 75% des Bruterfolges 2019 aus Zäunungen. Im Untersuchungsgebiet des Großen Brachvogels wurde im Frühjahr 2019, wie bereits das Jahr zuvor, die Errichtung des großflächigen Schutzzaunes durch den Landschafts-pflegeverband durchgeführt. Die Zäunung einer 23ha großen Grünlandfläche dient sowohl dem Gelegeschutz, als auch dem Küken- bzw. Jungvogelschutz. Der Bruterfolg für das Jahr 2019 liegt bei 0,09 flüggen Jungen pro Brutpaar. Gründe für den schlechten Bruterfolg im Jahr 2019 liegen nach gutachterlicher Meinung in der Prädation, die sich negativ auf den Schlupf- und Bruterfolg ausgewirkt hat. Zudem wurde von MACZEY 2016 aufgezeigt, dass die Verfügbarkeit und Zugänglichkeit von Invertebraten als Nahrungsquelle für Jungvögel geringer ist als für ein Gebiet mit so vielen Extensivwiesen zu erwarten ist. Eine Nahrungsknappheit in den ersten Lebenstagen könnte eine zusätzliche Erklärung sein, warum viele Jungvögel die ersten 1-2 Wochen nicht überleben. Allein die Anzahl der Brutpaare spricht weiterhin für die landesweit sehr hohe naturschutzfachliche Bedeutung des Königsauer Mooses für den Brachvogelschutz. Jedoch nimmt die Anzahl der Brutpaare seit 2012 stetig ab. Dieser negative Trend des Bruterfolgs im Königsauer Moos konnte auch 2019 nicht gestoppt werden. Zudem wird der für die Bestandserhaltung nötige Bruterfolg von mindestens 0,4 Jungen pro Brutpaar in den letzten Jahren nicht mehr erreicht wurde. Ohne eine Zunahme des Bruterfolgs wird die Anzahl der Brutpaare weiter abnehmen. Maßnahmen, die zu einer Steigerung des Bruterfolges führen können, sind deshalb unbedingt durchzuführen. Hierbei soll insbesondere auf die Maßnahmen Fortführung der Anlage von Frühmahdstreifen und Brachestreifen, der Verbesserung des Wasserhaushaltes durch Anlage von Flutmulden bzw. Senken und/oder Abflachen von steilen Grabenböschungen und insbesondere auf Vernässungsmaßnahmen verwiesen werden. Seit 2013 werden innerhalb des Brachvogeluntersuchungsgebietes in einem 173 ha großen Teilbereich nördlich des Behrhofes, dem Untersuchungsgebiet „Unteres Moos“, Brutpaare des Kiebitzes erfasst, um aktuelle Informationen zum Brutbestand und soweit möglich zum Bruterfolg des Kiebitzes zu erlangen. 2019 wurden in diesem Untersuchungsgebiet 44 Kiebitz-Brutpaare festgestellt. 4 Brutpaare lagen nördlich knapp außerhalb des Untersuchungsgebietes. Der Brutbestand ist in Vergleich zum Vorjahr konstant geblieben. Von den 44 Brutpaaren wurden 39 Brutpaare in Ackerflächen und 5 Brutpaare in Extensivwiesen nachgewiesen. Im Ostteil des Projektgebiets Königsauer Moos, dem so genannten Untersuchungsgebiet „Parzen“ mit einer Größe von 325 ha, fand wieder eine seit 2008 durchgeführte Kiebitzkartierung statt, um aktuelle Informationen zum Brutbestand und soweit möglich zum Bruterfolg des Kiebitz zu erlangen. 2019 wurden in diesem Untersuchungsgebiet 28 Brutpaare des Kiebitzes durch die Zählung von Nestern oder die Zählung von revierbesitzenden Vögeln nachgewiesen. Von den 28 Brutpaaren fanden 25 Bruten in Ackerflächen und 3 Bruten in Wiesen statt. Konnten im Jahr 2008, mit dem Beginn der Kartierung, noch 62 Brutpaare und im Jahr 2009 ein Höchststand von 64 Brutpaaren nachgewiesen werden, ist seither eine stetige und deutliche Abnahme der Brutpaare dokumentiert. Im Jahr 2017 waren nur mehr 20 Brutpaaren vorhanden. Die Zahl stieg im Jahr 2018 auf 24 Brutpaaren und 2019 nochmals auf 28 Brutpaare. Der negative Trend der Brutpaarentwicklung wurde in den letzten 2 Jahren gestoppt. Maßnahmen die zur Steigerung des Brutbestandes und insbesondere des Bruterfolges führen, sind aber weiterhin dringen nötig und müssen kurzfristig umgesetzt werden. Aus Sicht des Gutachters spielen der Lebensraumverlust und die intensive landwirtschaftliche Nutzung eine entscheidende Rolle für die Kiebitzpopulation im Untersuchungsgebiet „Parzen“. Zusätzlich fand eine Brachvogelkartierung im Untersuchungsgebiet „Parzen“ statt. Es wurden 9 Brutpaare des Großen Brachvogels nachgewiesen. Im Vergleich zu den Vorjahren ist der Brutbestand konstant geblieben. Bei der Kartierung konnte kein flügger Jungvogel dokumentiert werden. Die negative Bruterfolgs der letzten Jahre setzt sich somit auch im Jahr 2019 fort. Der für die Bestandserhaltung nötige Bruterfolg von mindestens 0,4 Jungen pro Brutpaar wurde seit dem Jahr 2008 nicht mehr erreicht. Um die Anzahl der Brutpaare nachhaltig auf dem jetzigen Stand halten zu können, muss der Bruterfolg in den nächsten Jahren Werte von mindestens 0,4 bis 0,6 Jungen pro Brutpaar aufweisen bzw. darüber liegen. Maßnahmen, die zu einer Steigerung des Bruterfolges führen können, sind deshalb unbedingt durchzuführen. Ohne eine Steigerung des Bruterfolgs ist mittelfristig mit dem Verlust der Brutpaare im Untersuchungsgebiet „Parzen“ zu rechnen. Im Untersuchungsgebiet „Moosfürth Süd“ mit einer Größe von ca. 180 ha, konnten 50 Brutpaare des Kiebitzes durch die Zählung von Nestern oder die Zählung von revierbesitzenden Vögeln nachgewiesen werden. Von den 50 Brutpaaren wurden 49 Brutpaare in Ackerflächen und 1 Brutpaar in einer Brache ohne Erzeugung (ÖVF) nachgewiesen. Im Untersuchungsgebiet „Wallersdorf Süd“ mit einer Größe von ca. 220 ha, konnten 31 Brutpaare des Kiebitzes durch die Zählung von Nestern oder die Zählung von revierbesitzenden Vögeln nachgewiesen. Von den 31 Brutpaaren wurden 30 Brutpaare in Ackerflächen und 1 Brutpaar in einer Grünlandfläche nachgewiesen. Wie im Vorjahr wurde wieder ein Mahdmosaik mittels Frühmahd- und Brachestreifen in Königsauer Moos durchgeführt. Die Anlage eines Mahdmosaiks ist ein positiver Beitrag zum Brachvogelschutz und generell eine Schutzmaßnahme für Wiesenbrüter. Die Streifen werden mit dem Hauptziel als Brutbereich, Rückzugsbereich, Zufluchtsort und Nahrungsstätte angelegt und spielen eine wichtige Rolle als Lebensraum für diverse Invertebratengemeinschaften. Im Jahr 2020 soll das Mahdmosaik mittels Frühmahd- und Brachestreifen fortgeführt und gegebenenfalls ausgeweitet werden. Ebenfalls erfolgte eine Kontrolle der naturschonenden Mähweise auf landkreiseigenen Flächen und auf einzelnen Flächen fanden zum Schutz der Jungvögel Mahdzeitpunktverschiebungen statt. Auf ca. 150 ha Landkreisflächen werden zudem seit 2015 naturschonende Nutzungsbedingungen und teilweise eine Verlegung der Schnittzeitpunkte durch geänderte VNP- und Pacht-Bedingungen festgelegt. Es fand eine Überprüfung der Einhaltung der Nutzungsbedingungen und der Schnittzeitpunkte für das Jahr 2019 statt und gleichzeitig wurden die sich daraus ergebenden Wiesenstrukturveränderungen dokumentiert.
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