2022
Stille NATUR Büro für Ökologie und Naturschutz Inh. David Stille

Bestandserhebung der Waldbirkenmaus (Sicista betulina) (Anhang IV der FFH-Richtlinie) im Bayerischen Wald, im Allgäu und den Allgäuer Alpen Berichtszeitraum: 2019 bis 2021

Unveröffentlichtes Gutachten im Auftrag des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU), 56 S. , Augsburg.

Artengruppe:
sonstige Säugetiere
Stichwörter:
Waldbirkenmaus, Bayerischer Wald, Oberallgäu, Wildkameras und Lebendfang, qualitativer Nachweis, feuchte bis nasse Offenlandbiotope, hohe Krautschicht
Landkreis(e):
Freyung-Grafenau,Oberallgäu
Auftraggeber:
LfU
Landkreise: Freyung-Grafenau,Oberallgäu

Zusammenfassung:

Die Verwendung von hochauflösenden Wildkameras hat sich als Methodik für den qualitativen Nach-weis der Waldbirkenmaus (Sicista betulina (PALLAS 1778)) bewährt. Für eine Einschätzung der Po-pulationsgröße und Populationsentwicklung bedarf es jedoch belastbarer quantitativer Daten. Diese sollten durch den Einsatz von Bodenfallen im Sinne eines Fang-Wiederfang-Verfahrens mit Markie-rung der gefangenen Tiere in Kombination mit Wildkameras in den Untersuchungsgebieten Bayeri-scher Wald im Jahr 2020 und Allgäuer Hochalpen 2021 gewonnen werden. Weiterhin sollten 2019 drei potenziell geeignete Untersuchungsflächen im Allgäu, Raum Kempten ausschließlich mit Wildka-meras auf Birkenmausvorkommen hin untersucht werden. 2019 gelang auf keiner der Untersuchungsflächen ein Nachweis der Waldbirkenmaus. Möglicherweise stellen Konkurrenzdruck durch dominantere Arten, Störungen in Folge menschlicher Eingriffe und Nut-zung oder eine zu starke Isolierung der Flächen innerhalb landwirtschaftlich genutzter Gebiete Besied-lungshindernisse für die Waldbirkenmaus dar. 2020 und 2021 sollten durch die Kombination von Wildkameras und Lebendfang mit Markierung ge-fangener Individuen (Fang-Wiederfang-Verfahren) eine Datengrundlage geschaffen werden, um A-bundanz-Schätzungen durchführen zu können und die Habitat-Nutzung sowie den Aktionsradius ein-zelner Tiere zu ergründen. Dafür wurden im Jahr 2020 auf zwei Untersuchungsflächen im Bayerischen Wald – bei Altreichenau und Bischofsreut – Bodenfallen und je 25 Wildkameras in randomisiert festgelegten Standorten aus-gebracht. Während drei zeitlich versetzten einwöchigen Fangperioden im Zeitraum Mai bis Oktober, wurden insgesamt sieben Waldbirkenmäuse gefangen, von denen sechs individuell markiert wurden. Vier der markierten Tiere konnten auch mit den Wildkameras erfasst werden. 67 Aufnahmen der Wild-kameras belegen für beide Untersuchungsflächen Aktivitätsmaxima der Waldbirkenmaus in den Mo-naten Juli und September. 2021 wurden auf einer Untersuchungsfläche auf 1.500 m Höhe in den Allgäuer Alpen in der Nähe des Kanzelwandhauses im Fellhorngebiet bei Oberstdorf insgesamt 75 Bodenfallen und 50 Wildkameras auf teilrandomisierten Standorten eingesetzt. Dazu wurden zunächst für jedes Untersuchungsgebiet unter Zuhilfenahme eines Geoinformationssystems (GIS) eine zufällige Auswahl an Punkten mit ei-nem festgelegten Abstand zueinander getroffen. Vor Ort wurden die Positionen für Bodenfallen und Kameras so verfeinert, dass diese in unmittelbarer Nähe zu den zufällig gewählten Punkten installiert wurden, der genaue Standort jedoch eine maximale Nachweiswahrscheinlichkeit versprach. Während einer Fangperiode von 16 Fangnächten in Juli und August wurden insgesamt fünf Waldbirkenmäuse gefangen, von denen vier individuell markiert wurden. Zwei der Tiere wurden auch auf Aufnahmen der Wildkameras nachgewiesen; insgesamt gelangen 137 Aufnahmen von Birkenmäusen. Es zeigten sich Aktivitätsmaxima im Zeitraum Juli und Ende August bis Anfang September. Fang und Wiederfang (einschließlich Markierung) sowie die Erfassung markierter Tiere auf Wildkame-ras konnten erfolgreich durchgeführt werden. Durch die niedrige Populationsdichte der Tiere und die sehr großen Reviere konnten jedoch nur für einzelne Tiere ausreichend Daten für weitere Analysen zu Homerange und Habitatnutzung gesammelt werden. Für beide Untersuchungsgebiete, Bayerischer Wald und Fellhorngebiet, ist von zwei bis sechs Tieren pro Hektar auszugehen. Individuen scheinen nicht überlappende Reviere mit einer Größe von mindestens 1.000 m² zu besetzen, vermutlich werden jedoch mehrere Hektar große Gebiete regelmäßig durchwandert. Präferiert werden dabei feuchte bis nasse, nicht verbuschte Offenlandbiotope mit hoher Krautschicht in Ökotonbereichen. Für ein standardisiertes Monitoring wird die Verwendung von Wildkameras in einer teilrandomisierten Verteilung mit zehn Kameras pro Hektar zwischen Mitte Juli und Mitte September empfohlen, wobei Nachweise der Waldbirkenmaus in zweiwöchigen Auswertungseinheiten dokumentiert werden. Diese Methode sollte vor dem Hintergrund der FFH-Berichtspflicht regelmäßig wiederholt werden. Sie lässt Rückschlüsse auf Habitatnutzung, Populationsentwicklung und Reproduktionserfolg zu. Lebendfang und Markierung von Tieren dürfte hingegen auf Grund des hohen Untersuchungsauf-wands nur bei speziellen Forschungsansätzen, etwa zu Reviergröße und Populationsstruktur, verhält-nismäßig sein. Die Untersuchungen deuten weiterhin darauf hin, dass die Waldbirkenmaus in Bayern nur zwei klar umgrenzte Gebiete in Bayern besiedelt: den Hinteren Bayerischen Wald, östlich von Freyung und die Allgäuer Alpen im Raum von Oberstdorf.
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