Buchberger Leite am Bayerischen Pfahl

Der Geotop ist Teil des "Bayerischen Pfahls", einer Störungszone in der Erdkruste, die den Bayerischen Wald nahezu geradlinig durchschneidet. Durch starke Krustenbewegungen entlang dieser Bruchlinie haben die Gesteine tiefgreifende Veränderungen erfahren. In der Buchberger Leite bildete sich so ein neues Gestein, der sogenannte Pfahl–Mylonit ("Pfahlschiefer"). Dieser ist hier in seinen unterschiedlichen Ausbildungsformen zu finden.

Anfahrt - So finden Sie die Buchberger Leite

Sie verlassen die Autobahn A3 Regensburg-Passau an der Ansschlussstelle Hengersberg (111) und folgen der B533 von Hengersberg bis nach Freyung. Das Geotop ist Teil des 8 km langen Themen Wanderweges Buchberger Leite zwischen Freyung und Ringelai und ist dort ausgeschildert.

Für den Wanderweg benötigen Sie etwa drei Stunden Gehzeit und festes Schuhwerk. Von beiden Orten besteht die Möglicheit mit öffentlichen Verkehrsmitteln wieder an den Ausgangspunkt zu kommen.

Beschreibung

Was ist die Bayerische Pfahlzone?

Die Pfahlzone ist eine markante, ca. 275 Millionen Jahre alte Störungszone in der Erdkruste, die von Südost nach Nordwest auf einer Länge von 150 km nahezu geradlinig den Bayerischen Wald durchschneidet. An ihr wurde der gesamte Vordere Bayerische Wald gegenüber dem Inneren Bayerischen Wald um mehrere hundert Meter gehoben. Hierbei traten die größten Bewegungen nach der varizischen Gebirgsbildung auf. Durch die vielfachen Bewegungen entlang dieser Bruchlinie haben die Gesteine tiefgreifende Veränderungen erfahren. So wurden die ursprünglichen Gneise und Granite zerschert und zerrieben. Durch die Druck- und Temperatureinwirkung entstand der sogenannte Pfahl–Mylonit. Sichtbar gemacht wurde er durch die Erosionsarbeit der Wolfsteiner Ohe, die sich im Lauf der Jahrtausende rund 100 m tief in den Untergrund eingeschnitten hat.

Andernorts sind zum Teil mehrere 100 m lange und bis zu dreißig Meter hohe Gesteinsmauern aus weißem Pfahlquarz weithin sichtbare Zeugnisse dieser Störungsszone. Der Quarz bildete sich vor etwa 250 Millionen Jahren – also deutlich später als die Pfahl–Mylonite –, als die Pfahlzone von Dehnungsrissen durchzogen wurde. Zirkulierende, heiße Lösungen, die in den Nebengesteinen Kieselsäure (SiO2) gelöst hatten, konnten in die Risse eindringen und darin milchigweißen bis hellgrauen Quarz absetzen. Die umliegenden, weicheren Pfahl–Mylonite wurden später durch Erosion stärker abgetragen, der verwitterungsresistentere Pfahlquarz blieb als markante "Teufelsmauer" erhalten. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel hierfür ist der "Pfahl bei Viechtach".

Wie entsteht ein Mylonit?

Mylonite (griechisch für Mühle, zermahlen) entstehen an Bewegungszonen innerhalb der Erdkruste, an denen die ursprünglichen Gesteine unter hohen Druck– und Temperaturbedingungen zerrieben und umgewandelt werden. Bei diesem Vorgang verändert sich die Korngröße und die Minerale werden neu eingeregelt. Das Gestein wird dünnplattig "geschiefert" – der Pfahl–Mylonit wird deshalb auch als "Pfahlschiefer" bezeichnet. Meist sind zwischen den Schieferungsflächen sog. Porphyroklasten zu finden. Dies sind die härteren Bestandteile des Ausgangsgesteins, die erhalten geblieben sind.
In der Buchberger Leite treten verschiedene Stadien der Mylonitisierung auf:

  • Vom weitgehend undeformierten Ausgangsgestein
  • über Pfahl–Mylonit, einem dunkelgrünen, dichten Gestein mit Feldspat–Porphyroklasten
  • bis hin zum Ultramylonit, einem straff geschieferten, besonders feinkörnigen Gestein. Dieser wurde soweit verändert, daß das Ausgangsgestein heute oft nicht mehr erkannt werden kann.

Nutz und Schutz in der Buchberger Leite

Bereits seit 1904 nutzte man die Wasserkraft von Saußbach, Reschbach und Wolfsteiner Ohe zur Stromgewinnung. Dazu wurden zwei Stauseen an Sauß– und Reschbach angelegt.
Das weit verzweigte, unter– und oberirdische Stollen und Kanalsystem versorgt auch heute noch die Turbinen des "Carbidwerkes". Die Wildbachklamm "Buchberger Leite" wurde bereits 1961 unter Schutz gestellt. Seit 2003 leitet ein eigens angelegter Themenweg "Wildbachklamm Buchberger Leite" den Wanderer durch die Klamm.

Geologische Karte/Zeittafel

Zeittafel mit (übereinanderliegend dargestellt): Erdfrühzeit (bis vor 545 Mio. Jahren), Erdaltertum (bis vor 250 Mio. Jahren, unterteilt in: Kambrium, Ordovizium, Silur, Devon, Karbon, Perm), Erdmittelalter (bis vor 65 Mio. Jahren, unterteilt in: Trias, Jura, Kreide), Erdneuzeit (bis Heute, unterteilt in: Tertiär, Quartär)Zeittafel. Das Gestein der Buchberger Leite entstand zur Zeit des Perm

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