Fischotter, Foto Astrid Brillen, piclease Naturbildagentur

NATURA 2000 Bayern - FFH-Richtlinie

Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen - zuletzt geändert durch Richtlinie 2006/105/EG des Rates vom 20.11.2006 ("FFH-Richtlinie")

Die Fauna-Flora-Habitat- oder FFH-Richtlinie 92/43/EWG (abgekürzt FFH-RL) ist - zusammen mit der Vogelschutz-Richtlinie 79/409/EWG (kurz VS-RL) - Grundlage eines europäischen ökologischen Verbundnetzes mit der Bezeichnung "NATURA 2000", das die biologische Vielfalt durch Schutz der natürlichen Lebensräume sowie der wild lebenden Tiere und Pflanzen in den Mitgliedstaaten aufrecht erhalten soll. Die FFH-RL trägt mit "Besonderen Schutzgebieten" ("FFH-Gebiete") dazu bei.
Wesentlichste Bestandteile der FFH-RL sind die Anhänge. In Anhang I (natürliche Lebensräume von gemeinschaftlichem Interesse) und Anhang II (Tier- und Pflanzenarten von gemeinschaftlichem Interesse), in denen diejenigen Lebensräume und Arten aufgeführt sind, für deren Erhaltung besondere Schutzgebiete - die besagten FFH-
Gebiete - ausgewiesen werden müssen. Anhang IV enthält darüber hinaus eine Aufzählung besonders streng zu schützender Tier- und Pflanzenarten; dieser Schutz gilt auch außerhalb der FFH-Gebiete. In Anhang V werden solche Arten aufgelistet, "deren Entnahme aus der Natur und Nutzung Gegenstand von Verwaltungsmaßnahmen sein könnten" (z. B. Medizinischer Blutegel oder Torfmoose).

Anhang III schließlich regelt die Ausweisung von FFH-Gebieten in drei Phasen: Zuerst legt jeder Mitgliedstaat eine Vorschlags-Liste von Gebieten mit Anhang I-Lebensraumtypen und Anhang II-Tier- und Pflanzenarten vor. Aus diesen Listen und im Einvernehmen mit den Mitgliedstaaten erstellt die Kommission eine Liste der Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung (GGBs). Nachdem ein GGB in die Gemeinschaftsliste aufgenommen wurde, weist der betreffende Mitgliedstaat dieses Gebiet spätestens binnen sechs Jahren als Besonderes Schutzgebiet (BSG) aus.
In den BSGs treffen die Mitgliedstaaten alle erforderlichen Maßnahmen, um die Erhaltung der Lebensräume [im Sinne von LRT + Arten-Habitaten] zu garantieren und ihre Verschlechterung zu vermeiden.

Zur Frage der "neuen Arten" im Rahmen der EU-Osterweiterung:
*: Mit der Erweiterung der EU im Mai 2004 wurden u. a. auch die Anhänge I, und II, IV und V der FFH-RL erweitert bzw. aktualisiert. Derzeit besteht jedoch für die "alten" Mitgliedstaaten der (alten "EU15") keine Verpflichtung, für diese "neuen FFH-Arten" oder "neuen Lebensraumtypen [LRT]" Arten zusätzliche FFH-Gebiete zu melden [vgl. auch BALZER, S., E. SCHROEDER & A. SSYMANK (2004): Ergänzung der Anhänge zur FFH-Richtlinie auf Grund der EU-Osterweiterung. - Natur und Landschaft 79 (4): 145-151]. Einzelne Bundesländer haben solche LRT und/oder Arten, sofern sie in den bisher gemeldeten Gebieten vorkommen, dennoch im Rahmen der Nachmeldung in die jeweiligen Standard-Datenbögen aufgenommen.
Bei den "neuen" Anhang IV-Arten wird davon ausgegangen, dass für sie bereits die Regelungen der Artikel 12 ff. der FFH-RL gelten.

Ein weiteres Kernelement der FFH-RL ist die Verpflichtung der Mitgliedstaaten zur Überwachung [Monitoring] sowie zur Berichterstattung darüber an die EU. Insbesondere in Artikel 17 ("Alle sechs Jahre nach Ablauf der in Artikel 23 vorgesehenen Frist erstellen die Mitgliedstaaten einen Bericht über die Durchführung der im Rahmen dieser Richtlinie durchgeführten Maßnahmen. ...") und in Artikel 11 ("Die Mitgliedstaaten überwachen den Erhaltungszustand der in Artikel 2 genannten Arten und Lebensräume, wobei sie die prioritären natürlichen Lebensraumtypen und die prioritären Arten besonders berücksichtigen.") wird darauf verwiesen. Hierzu hat die Europäische Kommission ein Dokument (DocHab-04-03/03-rev.3) erarbeitet, das die inhaltlichen Anforderungen dieses Berichts beschreibt.