Fischotter, Foto Astrid Brillen, piclease Naturbildagentur

Uhu – Bestand und Gefährdung

Der Uhu war hierzulande lange Zeit ein Verfolgter: Die Jägerschaft stellte dem vermeintlichen Konkurrenten bis zu seiner Unterschutzstellung in den 1930er Jahren intensiv nach, und so manche Brut wurde ausgehorstet, von Hand aufgezogen und endete als "Hüttenuhus" – als Lockvögel für die Jagd auf Krähen und Greifvögel. Die Jahrzehnte währenden Nachstellungen hatten den Uhu Mitte des 20. Jahrhunderts in Deutschland bis auf wenige Restvorkommen in den bayerischen Alpen, in Nordbayern, Thüringen und Sachsen – insgesamt rund 40 Paare – ausgerottet.

Erst ab den 1960er Jahren ging es mit dem Uhu wieder langsam aufwärts – auch in Bayern: Strenger rechtlicher Schutz, Sicherungsmaßnahmen für die letzten Horste und Auswilderungsprogramme stabilisierten die verbliebenen Vorkommen und leiteten Bestandserholung und Wiederbesiedlung des verlorengegangenen Brutareals ein. Heute brüten in Bayern wieder ca. 300 Uhupaare, in ganz Deutschland etwa 2.000.

Die Abbildung zeigt eine Karte von Deutschland in der für dreizehn Bundesländer die Anzahl der Uhu-Brutpaare im Vergleich der Jahre 1957 und 2000 dargestellt sind: Schleswig-Holstein: 0, 105, Mecklenburg-Vorpommern: 1, 1, Niedersachsen: 4, 80, Sachsen-Anhalt: 0, 26, Brandenburg: 0, 4, Nordrhein-Westfalen: 10, 142, Hessen: 0, 110, Thüringen: 12, 80, Sachsen: 4, 68, Rheinland-Pfalz: 0, 150. Saarland: 0, 16, Baden-Württemberg: 0, 85 und Bayern 40, 300 Bild vergrössern Wie Phoenix aus der Asche: Der Uhu hat seit den 1960er Jahren (hellgrüne Säulen links), als er kurz vor der Ausrottung stand, bis heute (dunkelgrüne Säulen rechts) große Teile seines früheren Brutareals in Deutschland zurück gewonnen. Erst der in den letzten Jahren in Süddeutschland stark zurückgehende Bruterfolg droht diesen Erfolg konsequenten Artenschutzes erneut in Frage zu stellen. Grafik: LfU

In der aktuellen Roten Liste gefährdeter Tiere Bayerns (2003) wird er in Kategorie "3 – gefährdet" geführt. In der aktuellen deutschen Roten Liste (2007) wurde der Uhu erstmals nicht mehr eingestuft.

Dennoch ist der Uhu keineswegs "über den Berg": Sorge bereitet in jüngster Zeit der stark zurückgehende Nachwuchs in Bayern, Thüringen und Teilen Baden-Württembergs, der mittlerweile den langfristigen Bestand der Population bedroht. Die Gründe für die neuerliche kritische Entwicklung sind noch unklar: Vieles deutet darauf hin, dass die Veränderung unserer Kulturlandschaft durch eine immer intensiver werdende Land- und Forstwirtschaft den Uhu in einen Nahrungsengpass treibt. Aber das ist nicht der einzige Faktor, der den Uhu neuerlich zur Zielart eines Artenhilfsprogramms werden ließ:

  • Alljährlich verenden zahlreiche Uhus durch Stromschlag an Mittelspannungstrassen, werden zu Verkehrsopfern oder kommen auf andere Weise durch menschliche Einwirkung zu Tode. Allein die nachgewiesenen jährlichen Verluste belaufen sich auf stattliche 10 – 20% des Brutbestandes.
  • Der Druck der Freizeitgesellschaft auf den Lebensraum des Uhus wächst: Störungen durch Klettersportler, Wanderer oder Kanufahrer gefährden seine Bruten.
Verunglückter UhU Bild vergrössern Tödlicher Anflug an eine Glasfassade einer Fabrik: Dieser Jungvogel ist gerade mal 5 Monate alt geworden. Foto: G.v.Lossow

Kletterer im Fels Bild vergrössern Die Bindung des Uhus an den Lebensraum Fels führt zwangsläufig zu Konflikten mit dem Klettersport. Foto: LBV-Archiv
  • Die Hälfte aller bayerischen Uhus brütet in Steinbrüchen – in Lebensräumen auf Zeit, die durch Abbaufortschritt und spätere Verfüllung gefährdet sind: Dem Uhu droht mittelfristig vielerorts der Verlust wichtiger Sekundärlebensräume.
Steinbruch Bild vergrössern Ein Steinbruch im Bayerischen Wald. Steile Felsen, viele Brutmöglichkeiten und die Wassernähe machen ihn zu einem optimalen Brutplatz. Foto: G.v.Lossow

Das Zusammenwirken all dieser Faktoren macht den Uhu zu einer Art, der der Naturschutz wieder vermehrtes Augenmerk schenken muss, wenn er die in ihrem Schutz erzielten Erfolge nicht aufs Spiel setzen will.