Fischotter, Foto Astrid Brillen, piclease Naturbildagentur

Artenhilfsprogramm Uhu - Ergebnisse

Die Grafik zeigt, dass in keiner der Probeflächen ausreichend Junge aufgezogen werden können um den Bestand dauerhaft zu sichern. Die Ergebnisse bewegen sich meist bei unter einem Juvenilen pro besetztem Revier, nur in einem der fünf Gebiete – im Unterfranken West – wurden mehrfach Werte über 1,25 Juvenile pro Brutplatz erreicht Bild vergrössern Bruterfolg des Uhus auf den Probeflächen des Artenhilfsprogramms (Bruterfolg Juv./besetztem Revier): Seit Anfang der 1990er Jahre ist der Bruterfolg des Uhus in den meisten Verbreitungszentren Bayerns weit unter den Bedarf für einen dauerhaften Erhalt der Population gesunken

Der Uhu-Bestand in Bayern ist stabil, der Bruterfolg in vielen Verbreitungszentren aber so gering, dass fraglich ist, wie lange das noch so bleibt – so die Quintessenz aus den von den überwiegend ehrenamtlichen Mitarbeitern des Artenhilfsprogramms seit 2001 erarbeiteten Bestands- und Brutdaten: Bis zu seinem Start gab es aus Bayern kaum langfristige Datenreihen, die ein verlässliches Urteil zu Status und Gefährdung des Uhus zugelassen hätten. Heute dagegen lässt sich rekonstruieren, dass vielerorts in Bayern schon gegen Anfang der 1990er Jahre ein schleichender Rückgang des Bruterfolgs eingesetzt hat. Heute werden in den meisten bayerischen Verbreitungszentren im langjährigen Durchschnitt höchstens noch halb so viele Jungvögel selbständig werden, wie für den dauerhaften Erhalt der Population notwendig werden. Nicht nur Bayern, auch andere Regionen Süddeutschlands erleben in den letzten Jahren ähnliche Entwicklungen. Mit dem im Gegensatz dazu bis heute sehr guten Bruterfolg der nord- und westdeutschen Populationen können in Bayern derzeit lediglich die Vorkommen in Mainfranken und im Lechtal mithalten.

Zugleich muss die Population hohe Verluste durch menschliche Einwirkung aushalten. Der Umfang der Todesfälle vor allem an Stromleitungen und als Verkehrsopfer lässt sich zwar wegen der hohen Dunkelziffer nicht exakt beziffern, liegt aber jährlich wohl doch im höheren zweistelligen Bereich – angesichts eines Gesamtbestands von nur ca. 300 Brutpaaren in Bayern ein empfindlicher Aderlass für eine Population, der es an Nachwuchs fehlt.

Kuchendiagramm: Todesursache nicht bekannt 17%, Stromopfer 36%, Straßenverkehr 20%, Bahnverkehr 10%, Sonstige Ursachen 17% Bild vergrössern Die Auswertungen der Jahre 1999 bis 2009 Jahre zeigen deutlich, dass von den Stromleitungen – gefolgt von Verkehr und Bahn – die größten Gefahren für den Uhu ausgehen: Zwei von drei (gefundenen und ausgewerteten) Todesfälle sind darauf zurückzuführen. Unter der Rubik "Sonstige Ursachen" verbergen sich u.a. ein Todesopfer an einem Windrad und ein vergiftetes Tier. Insgesamt wurden in dem Zeitraum von 1999 bis 2009 103 Uhus tot aufgefunden; 86 davon alleine in den Jahren 2005 bis 2009 – dies ist jedoch wahrscheinlich auf eine konsequentere Suche zurückzuführen

Vor diesem Hintergrund erfüllt die derzeitige Strategie des Artenhilfsprogramms zwei wichtige Anforderungen:

  • Bereits bekannten Gefährdungsfaktoren begegnen die Maßnahmen schon jetzt, um Verluste und Brutausfälle zu reduzieren und so Zeit zu gewinnen, bis die Ursachen für das entscheidende Problem des geringen Bruterfolgs bekannt und Gegenmaßnahmen möglich sind. Diesen Zeitgewinn erreichen unter anderem die auf gut akzeptierten Lenkungsmaßnahmen, die in Kooperation mit den Verbänden der Sportkletterer in von diesen stark frequentierten Regionen wie dem Frankenjura zum Schutz der dortigen Uhubruten realisiert werden. Aber auch die von den Partnern des Artenhilfsprogramms vorangetriebene Sicherung gefährlicher Mittelspannungsmasten durch die Energieversorger, die in den letzten Jahren Fortschritte macht, wenn auch leider immer noch nicht überall so zügig, wie dies im Hinblick auf den Schutz des Uhus wünschenswert wäre.
Jungvogel Bild vergrössern 66 Tage alter Jungvogel. Foto: G.v.Lossow
  • Im unterfränkischen "Steinbruchpakt" konnten neben den dem Bayerischen Industrieverband Steine und Erden e.V. sowie der Arbeitsgemeinschaft bayerischer Bergbau- und Mineralgewinnungsbetriebe als Dachverbänden schon sieben große Steinbruchunternehmen für eine Mitwirkung im Uhuschutz gewonnen und auch schon erste Maßnahmen wie die Optimierung möglicher Brutnischen realisiert werden. Solche Maßnahmen entfalten keine kurzfristige Wirkung auf den Bestand, verhindern aber mittel- und langfristig, dass Engpässe im Brutplatzangebot zu einem begrenzenden Faktor für die Population werden.

All diese Maßnahmen entfalten jedoch keine oder allenfalls geringe Wirkung auf das gravierendste Problem, dem die bayerischen Uhus derzeit gegenüberstehen: dem Mangel an Nachwuchs in vielen Regionen. Diesem wirkungsvoll entgegenzuwirken, scheitert bislang daran, dass die entscheidenden Einflussfaktoren noch nicht identifiziert sind: Aus den im Artenhilfsprogramm erarbeiteten Daten ergeben sich Hinweise darauf, dass vor allem mangelndem Nahrungsangebot bzw. Nahrungsverfügbarkeit, aber auch Störungen am Brutplatz eine zentrale Rolle zukommt.

Möglicherweise sind aber auch genetische Faktoren und Auswirkungen der hohen Verluste auf die Populationsstruktur relevant. Klarheit in dieser Frage und damit Grundlagen für die künftige strategische Ausrichtung des Artenhilfsprogramms soll ein 2008 im Rahmen des Artenhilfsprogramms angelaufenes, von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterstütztes Forschungsprojekt liefern. Die ersten Erkenntnisse daraus fließen bereits in das Artenhilfsprogramm ein.

Logo DBU Bild vergrössern Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterstützt ein Forschungsprojekt, das im Rahmen des Artenhilfsprogramms Uhu angelaufen ist