Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Sperbergrasmücke (Sylvia nisoria)

Rote Liste Bayern: Vom Aussterben bedroht
Rote Liste Deutschland: Gefährdet
Erhaltungszustand Kontinental: In Bezug auf Status Brutvorkommen: ungünstig/schlecht
Erhaltungszustand Alpin:

Verbreitung und Bestandssituation

Das Areal der Sperbergrasmücke erstreckt sich von Mittel- und Osteuropa und dem östlichen Mittelmeerraum bis Zentralasien. -- In Bayern brütet Sylvia n. nisoria (Bechstein 1795).

Das derzeit einzige aktuell sicher nachgewiesene bayerische Brutvorkommen liegt im mittelfränkischen Lkr. Neustadt a.d. Aisch-Bad-Windsheim, aus dem 7 Brutnachweise seit der Entdeckung 1984 vorliegen. Im unterfränkischen Lkr. Rhön-Grabfeld wurde 1990 ein singendes Männchen als möglicherweise brütend eingestuft. Hier und im Lkr. Kitzingen sowie in Oberfranken sind bis heute unregelmäßig einzelne singende Männchen gehört worden, jedoch gelangen dort noch keine Brutnachweise. Regelmäßige Brutzeitbeobachtungen in der südlichen Oberpfalz lassen auf ein weiteres Brutvorkommen schließen. Der letzte Brutnachweis gelang dort 1985 in der Nähe von Regensburg. Aus Südbayern sind keine aktuellen Brutvorkommen mehr bekannt. Einzelvorkommen könnten übersehen worden sein, doch ist die Wahrscheinlichkeit der Entdeckung neuer Brutplätze sehr gering. Die bayerischen Vorkommen der Art bilden die westlichen Vorposten der Arealgrenze im südlichen Mitteleuropa.

Brutbestand BY: unter 10 Brutpaare.

Fundortkarte

Sperbergrasmücke (Sylvia nisoria)

Nachweise ab 1980



Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

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Vorkommen in Bayern

Nachweise ab 1980

TK-Blatt-Nummer TK-Blatt-Name
5825 Hammelburg
5929 Haßfurt
6133 Muggendorf
6332 Erlangen Nord
6427 Uffenheim
6736 Velburg
6737 Schmidmühlen
6837 Kallmünz
7736 Ismaning
Letzter Daten-Import erfolgte am 3.8.2017.

Lebensraum und Lebensweise

Die Sperbergrasmücke bewohnt warme, trockene Standorte, die reich mit dichten, dornigen Hecken (Nistplatz) sowie Gebüschen und Einzelbäumen bestückt sind. Extensiv schafbeweidete Trocken- und Halbtrockenrasen, die an die Ränder von Mittelwäldern angrenzen, bilden in Franken den bevorzugten Lebensraum, der hier allerdings nur kleinflächig vorhanden ist. Früher besiedelte die Art häufiger auch die Flusstäler von Main, Donau und deren Nebenflüssen, wobei sowohl die Uferhänge, als auch die Niederungen und sonnige, trockene Auenstandorte genutzt wurden. Heute sind aus diesen Gebieten keine Vorkommen mehr bekannt.

Phänologie

Sehr seltener Brutvogel, Langstreckenzieher.

Wanderungen: Ankunft im Brutgebiet Mitte MAI, Wegzug ab Mitte JUL.

Brut: Freibrüter, Nest bodennah in dornigen Sträuchern, Eiablage ab Anfang MAI bis Anfang JUL, meist Mitte/Ende MAI. -- Brutzeit: MAI bis JUL.

Tagesperiodik: Tagaktiv.


Brutzeit-Diagramm
Dunkle Sektorenfarbe weist auf die Hauptbrutzeit der Art in Bayern hin.

Gefährdungen und Beeinträchtigungen

Der Bestand der Sperbergrasmücke ist in Bayern vom Erlöschen bedroht.

Kleine, mehr oder minder isolierte Grenzvorkommen am Arealrand unterliegen grundsätzlich und langfristig dem Risiko des Erlöschens, besonders, wenn Verschlechterungen der Lebensbedingungen eintreten.

Der Rückgang der Wanderschäferei hat vielerorts zur Verbuschung der Huteflächen geführt, was der Sperbergrasmücke zunächst entgegen kam. Zu starker Aufwuchs behindert jedoch die Schäferei, was wiederum aufwändige Entbuschungsmaßnahmen erfordert. Diese können für die Sperbergrasmücke von Schaden sein, wenn sie nicht schonend und unter Rücksichtnahme auf ihre Lebensraumansprüche durchgeführt werden. Oftmals werden die nicht mehr benötigten Weideflächen der natürlichen Sukzession überlassen oder aufgeforstet und können somit von der Sperbergrasmücke nicht mehr genutzt werden.

Grundsätzlich ist die Stabilität und mögliche Neugründung von Brutvorkommen aber auch von der Dynamik der Bestände in den zusammenhängend besiedelten östlich anschließenden Arealteilen (Tschechien, östliches Österreich) abhängig und bei einem Langstreckenzieher auch von Lebensraumveränderungen und unmittelbaren Bedrohungen im Zugraum und Winterquartier.

Mögliche Vermeidungs-, Minimierungs- und CEF-Maßnahmen

Erhalt und Entwicklung gebüschreicher, sonniger Böschungen, v.a. Dornbuschreiche Dickichte in extensiv genutzten Wiesen-, Brach- und Moorflächen, Erhalt von Trocken- und Magerrasen.

Sonstige Hinweise

Meldungen von Bruthinweisen und -nachweisen an die Vogelschutzwarte am LfU sind besonders erwünscht.

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